Es ist nicht immer einfach ein Fan des 1. FC Nürnberg zu sein. Der "Club" pendelt wie sonst nur Arminia Bielefeld zwischen Bundesliga und 2. Bundesliga: Beide Vereine sind inzwischen die Rekord-Aufsteiger der Bundesliga - sieben Mal schafften Nürnberg und Bielefeld das "Kunststück".

Die wechselhafte Geschichte des "Clubs" und das Selbsturteil seiner leidensfähigen Fans kommt perfekt in einem Spruch zum Ausdruck, der nach dem Bundesliga-Abstieg 1969 in Nürnberg geprägt wurde: "Der Glubb is a Depp!" Denn der 1. FC Nürnberg stieg als amtierender Deutscher Meister von 1968 nur ein Jahr später ab!

"Der Glubb is a Depp"

"Es vergeht auch heute kein Tag in Nürnberg, an dem der Satz "Der Glubb is a Depp" nicht gesagt wird. Doch meistens mit dem Zusatz "Aber I mog'n". Denn das trifft es am besten: Wir Fans sind uns der Leidensgeschichte des Clubs bewusst, aber wir mögen ihn trotzdem und bleiben erst recht treu", erklärt Thomas Zirngibl, 1. Vorstand des FCN-Fanverbands.

Der FCN-Fanverband e.V. ist die größte gewählte Fanclub-Betreuungsorganisation des 1. FC Nürnberg. Mit über 17.000 Mitgliedern in über 260 Fanclubs aus Deutschland und aus dem Ausland bildet der "FV" die mitgliederstärkste Fanclubbetreuung.

"...jetzt sind wir endgültig drin"

2007 schien sich das Auf und Ab des 1. FC Nürnberg vorerst dauerhaft auf Bundesliga-Niveau eingependelt zu haben. Und das Seelenleben der Club-Fans Ruhe gefunden zu haben.

"Nach dem 6. Platz und dem DFB-Pokalsieg war die Hoffnung aufgekeimt, dass jetzt endgültig alles besser wird. Dass wir einen guten Kader haben, dass wir endgültig drin sind in der Bundesliga und uns etablieren, dass wir uns auf Dauer zumindest im Mittelfeld festsetzen können. Aber weit gefehlt!", denkt Zirngibl an die jüngste turbulente Berg- und Talfahrt des Clubs zurück.

Abstieg nach Pokalsieg

Denn bekanntlich hielt das Hoch des neunmaligen Deutschen Meisters nicht mal eine weitere Saison. 2008 musste der Club wieder einmal den Gang in die 2. Bundesliga antreten.

"Machen wir uns nichts vor. Trotz des großen Namens 1. FC Nürnberg, trotz der neun Meisterschaften und trotz des großen Kreises an Sympathisanten war der 'Club' durch die vielen Abstiege fast schon zur grauen Maus geworden. Und dann spielt man ein Jahr nach dem Pokalsieg plötzlich wieder in der 2. Bundesliga und ist wieder der Depp", beschreibt es Zirngibl.

Wie eine Krankheit

Fast wie eine Krankheit, die immer wieder ausbräche - obwohl man sich geheilt glaube - fühlten sich die ständigen Abstiege des Clubs laut Zirngibl an.

"Das liegt wie ein dunkler Schatten auf der FCN-Seele. Aber das macht den echten Club-Fan auch aus. Nach den Abstiegen haben sich immer wieder viele neue Fanclubs gegründet, zwei sogar mit dem Namen "Jetzt erst recht". Beim FC Bayern werden Fanclubs dagegen nach gewonnenen Meisterschaften gegründet."

Andere sollen der Depp sein

Wie lange die aktuelle Bundesliga-Ära des 1. FC Nürnberg dauern wird, mag kein Club-Fan beurteilen. "Wir waren erst mal froh, aus dieser verflixten 2. Bundesliga aufzusteigen, denn das ist unwahrscheinlich schwer. Denn da heißt es Kampf, Kampf, Kampf. Jetzt sehen wir wieder die großen Stars, wir sind wieder wer und nicht mehr provinziell, jetzt können wir auch den Großen wieder mal ein Bein stellen. Vielleicht auch die Bayern schlagen, dann ist die halbe Saison schon gerettet", weiß Zirngibl.

Nur eins wollen die "Glubberer" in dieser Saison nicht schon wieder erleben: Das Zittern, ob es für den Klassenerhalt reicht oder ob es zurück in die 2. Bundesliga geht. "Nein, das muss nicht sein, dass irgendwann das Rechnen wieder losgeht, dass die Radios eingepackt und ins Stadion genommen werden und am Ende geheult wird", hofft Zirngibl mit Zehntausenden anderen Nürnberger Fans, dass der Club diesmal nicht der Depp ist.

Stefan Kusche