München - Nachdem er eine unfreiwillige Pause einlegen musste, steht Michael Rensing seit der Rückrunde wieder im Kasten eines Bundesligisten: Der 1. FC Köln schnappte sich in der Winterpause den Torwart, der ein halbes Jahr zuvor beim FC Bayern ausgemustert worden war. Seitdem zeigt der 26-Jährige Woche für Woche exzellente Leistungen und ist maßgeblich am Aufschwung der "Geißböcke" beteiligt.

Warum seine Karriere zeitweise in Stocken geriet, welches Malheur ihm beim ersten TV-Auftritt passierte und auf wessen Spuren er wandelt, erfahren Sie hier: Zehn Dinge über Michael Rensing, die Sie (vielleicht) noch nicht wussten...

Anfänge im Emsland

Rensing wurde am 14. Mai 1984 im niedersächsischen Lingen als Sohn eines Deutschen und einer Serbin geboren. Bereits im zarten Alter von vier Jahren kickte er beim TUS Lingen und stellte sich schon als kleiner Steppke ins Tor. Sein Talent blieb nicht lange verborgen: Als 10-Jähriger wurde Rensing in die Kreisauswahl berufen, und über die Niedersachsenauswahl schaffte es der junge Emsländer in die U-15-Nationalmannschaft.

Wat? Wer bist du denn?

Noch vor seiner Zeit als Torhüter wuselte der kleine Michael als Feldspieler über die Plätze - doch mit der Orientierung war es offenbar nicht so weit gediehen. Auf die Frage nach seinem schönsten Treffer anwortete Rensing vor einigen Jahren im "Kicker": Das war ein Traumtor in der F-Jugend - leider habe ich den eigenen Torwart überlupft." Negativ in Erinnerung blieb Rensing auch sein erster Auftritt im Bayerischen Fernsehen. "Als ich zum ersten Mal bei 'Blickpunkt Sport' war, habe ich Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer nicht erkannt."

Vorreiter Wessels

Ein anderer Torwart hat fast den gleichen Werdegang wie Rensing hinter sich: Auch Stefan Wessels begann bei TUS LIngen, wechselte dann zum FC Bayern und versuchte sein Glück beim 1. FC Köln - genau wie Rensing. Die beiden Emsländer spielten sogar eine Zeit lang zusammen an der Säbener Straße - Wessels bei den Profis, Rensing in der Jugend. "Wir haben uns im Bayern-Restaurant getroffen und waren mal im Biergarten", verrät der jetzige Köln-Keeper. Dass Rensing seinem "Vorreiter" auch zu Odense BK folgt, wo Wesssls zurzeit unter Vertrag steht, ist allerdings nicht geplant.

Wechsel nach München

Rensing wechselt bereits im Alter von 16 Jahren zum Rekordmeister und zeigt auch an der Isar sein großes Talent in den verschiedenen Jugendmannschaften. Schnell wird klar, dass er Oliver Kahn beerben wird, wenn dieser seine Torwartschuhe an den Nagel hängt. Rensing: "Für jemanden, der die Chance bekommt, zweiter Torhüter hinter Kahn in München sein, ist das eine unglaubliche Sache. Er war damals der Beste. Von ihm und Torwarttrainer Sepp Maier habe ich viel gelernt."

Kahn-Erbe als Last

Zunächst läuft alles wie gewünscht: Nachdem er in den Spielzeiten zuvor einige Male als Ersatzkeeper hinter Kahn Bundesligaluft schnuppern darf, wird Rensing nach dem Rücktritt des "Titan" in der Saison 2008/2009 Stammkeeper bei den Bayern. Cheftrainer Jürgen Klinsmann nimmt ihn jedoch im Schlussspurt der Saison aus der ersten Elf, was den jungen Keeper sichtlich belastet. "Jede Kleinigkeit wurde so bewertet, wie es wahrscheinlich noch nie bei einem Spieler auf diesem Planeten der Fall gewesen ist."

Selbst ist der Mann

Nachdem der Vertrag beim FC Bayern im Sommer 2010 ausläuft, bleibt Rensing ein halbes Jahr ohne Verein. In dieser Zeit hält er sich beim Bezirksoberligisten VfR Garching fit - und muss sich von einigen Annehmlichkeiten verabschieden: "Ich drehe mir erstmals seit zehn Jahren wieder selbst die Stollen in die Schuhe und wasche meine Trainingssachen." Rensing arbeitet jedoch hart an seinem Comeback. "Es hört sich vielleicht paradox an, weil ich seit Monaten keinen Verein habe", sagt er: "Ich merke aber, dass ich mich in vielen Bereichen verbessert habe. Ich fühle mich stärker als je zuvor."

Würstchen für alle

Dass Rensing zu alter Form zurückfindet, verdankt er nicht zuletzt seinem Privatcoach: Daniel Weber, damals FCB-Torwarttrainer als Rensing zum FC Bayern stieß, arbeitet mit seinem Schützling bis ins kleineste Detail an dessen Rückkehr. Weber schickt Rensing sogar zum Training mit Stabhochspringer Tim Lobinger. Beim Torschusstraining wird der Keeper von den motivierten Garchinger Kickern regelmäßig warmgeschossen - und er revanchiert sich mit einem Kabinenfest, bei dem am Seestadion gegrillt wird.

Rückkehr ins Rampenlicht

In der vergangenen Winterpause meldet sich der 1. FC Köln, nachdem Stammkeeper Faryd Mondragon seinen Abschied aus dem Rheinland verkündete. Rensing muss nicht zwei Mal überlegen und packt die Chance beim Schopfe. Und er schlägt voll ein: Mit teilweise überragenden Leistungen verhilft er den "Geißböcken" von den Abstiegsplätzen. Zuletzt vereitelt der FC-Keeper bei der 0:1-Niederlage in Dortmund Großchance en masse - und wird wegen seiner unglaublichen Reflexe und der scheinbar vielen Arme mit der berühmten Krake Paul verglichen.

Köln ja - Nationalelf vielleicht

Michael Rensing hat bei den "Geißböcken" zunächst nur einen Vertrag bis zum Saisonende unterschrieben. Da es für beide Seiten aber so gut läuft, kann sich der Keeper vorstellen, auch über die Spielzeit hinaus zu bleiben. "Wenn wir die Liga halten und ich hier glücklich bin - warum sollte ich dann etwas ändern?", fragt er im "Kicker". "Dann kann ich mir vorstellen, über Jahre hinweg hier zu spielen." Auch die Nationalelf hat Rensing nicht abgeschrieben: "Klar kann das wieder ein Thema werden. Aber im Moment bin ich einfach nur froh, wieder spielen zu können."

Wenn dat Trömmelche jeht

Wenn man nichts vom Kölner Karneval mitkriegen will, muss man sich schon mindestens sieben Tage im Keller einschließen. Doch das hatte Rensing nicht vor, wie vor einigen Tagen auf der Club-Website zu lesen war. "Ich habe noch nie in meinem Leben Karneval mitgemacht. Ich kenne bis jetzt nur den Rosenmontagszug aus Lingen. Wenn sich irgendwann einmal ein Tag ergibt, und die Jungs irgendwo hingehen, dann werde ich mit Sicherheit auch mitgehen. Dass er als "Krake Paul" in den Karneval zog, ist aber nur ein Gerücht.


Johannes Fischer