Köln - Nach dem 1:0-Heimsieg gegen FC St. Pauli hat sich die zuvor leicht explosive Stimmung beim 1. FC Köln wieder entspannt. Mit dem ersten "Dreier" in der noch jungen Saison im Rücken, können die Domstädter jetzt wieder etwas zuversichtlicher die kommenden Aufgaben angehen. Doch die haben es in sich.

Denn erst reist der FC zum Meister Bayern München, danach zu den perfekt gestarteten Mainzern. Um mit drei Punkten beruhigter in dieses Programm gehen zu können, mag sich Zvonimir Soldo an eine alte Lebensweisheit erinnert haben: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Soldos Radikalkur

Der Kölner Trainer ging gegen St. Pauli volles Risiko. Genauso wie sein nach zwei Auftaktniederlagen verunsichertes Team benötigte der von der bekanntermaßen schwierigen Kölner Medienlandschaft kritisch beäugte Trainer dringend auch ganz persönlich ein Erfolgserlebnis.

Soldos Rezept: eine Radikalkur. Auf gleich fünf Positionen veränderte der 42-jährige Coach seine Truppe. Und er ließ nicht irgendwen draußen, sondern mit Miso Brecko, Kevin McKenna, Martin Lanig und Torjäger Milivoje Novakovic gleich vier etablierte, erfahrene Stammkräfte.

Christian Clemens: Stark spielender Debütant

Statt der Stars zauberte der Kroate mit dem stark aufspielenden 19-jährigen Eigengewächs Christian Clemens und dem brasilianischen Neuzugang Andrezinho zwei Debütanten aus dem Hut. Soldos Risiko zahlte sich aus. Der FC zeigte zumindest in den ersten 45 Minuten seine bislang beste Saisonleistung und fuhr einen verdienten Sieg ein, der in der Schlussphase allerdings noch einmal bedenklich in Gefahr geriet.

Damit gelang Zvonimir Soldo vorerst der Befreiungsschlag, auch wenn er das selbst anders sah. "Es geht hier nicht um meine Person, es geht um den 1. FC Köln", meinte der Trainer, der auch seine personellen Umstellungen kommentierte: "Ich rede hier nicht über Opfer. In den ersten zwei Spielen hat mir vieles nicht gut gefallen. Ich hoffe, dass uns der Sieg jetzt mehr Selbstvertrauen gibt."

"Prinz Poldi" als Kapitän

Der Erfolg rechtfertigt die Maßnahmen des Trainers, der seinen Starspieler Lukas Podolski zum Kapitän befördert hatte. Und der Nationalspieler bedankte sich für das Vertrauen mit seiner zweiten Gala innerhalb einer Woche, nachdem er zuvor schon beim Länderspiel brilliert hatte. Sein Verhältnis zum Coach ist intakt.

"Auch wenn wir nicht gewonnen hätten, hätte es keine Veränderung gegeben", antwortete Podolski auf die Frage nach der Stärkung der Position des Trainers. "Sicher wäre es dann für uns alle schwerer geworden. Aber wir sitzen alle in einem Boot, nicht nur der Trainer. Es nur auf den Trainer zu schieben, das ist einfach zu billig."

FC in München: Ein Sieg, drei Unentschieden

Vor der nächsten Dienstfahrt nach München können sie in Köln also erst einmal kräftig durchschnaufen. Und so aussichtslos ist das Unterfangen, in München etwas Zählbares zu holen, auch nicht. Im Gegenteil. Der 1. FC Köln gehört in der Allianz Arena zu den unbequemsten Gegner des Rekordmeisters.

Nur eines der vergangenen sieben Bundesliga-Duelle verloren die Rheinländer an der Isar. In den bislang letzten vier Begegnungen blieb der FC in München bei einem Sieg und drei Unentschieden ungeschlagen. "Wir wollen an den letzten erfolgreichen Spielen in München ansetzen", fordert Lukas Podolski.

"Dann haben wir eine Chance"

"Wir können da nicht offensiv spielen, wir müssen abwarten", empfiehlt der Ex-Bayern-Spieler. "Man hat gesehen, dass sich die Bayern auch gegen Bremen schwer getan haben. Sie haben sich keine Torchancen herausgespielt. Das wird gegen uns anders sein. Wir müssen kompakt und gut stehen und nach vorne besser die Konter ausspielen. Dann haben wir eine Chance."

Zumal sich die Bayern bislang alles andere als in meisterlicher Form präsentierten und mit lediglich zwei Saisontreffern derzeit neben Schalke und Stuttgart die schlechteste Offensive der Bundesliga stellen. Die Kölner hätten nichts dagegen, wenn es dabei bliebe.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski