München - Es waren schon zehn Minuten bei der offiziellen Vorstellung des Bayern-Neuzugangs Mario Mandzukic vergangen, als Matthias Sammer die Stimme um einige Dezibel anhob und seine Gesichtsfarbe Hoeneß'sche Züge einnahm.

"Bayern München ist immer größer als einzelne Spieler", polterte der neue Sport-Vorstand des Rekordmeisters. "Bei einem großen Club wird es mögliche Härtefälle geben. Da erwarten wir eine Denkweise, dass alles für den Club gemacht und dies akzeptiert werden muss. In schwierigen Situationen zeigt sich die Klasse", so Sammer auf die Frage nach den Einsatzchancen des neuen FCB-Stürmers.

"Bin überzeugt, dass ich es schaffe"



Statt erschrocken auf seine linke Seite zu blicken, nickte Mandzukic zustimmend und schwor sich sogleich auf die vorgegebene Leitlinie ein. "Ich glaube, dass ich auch manchmal auf der Bank sitzen werde, aber ich werde mich auch hier durchsetzen", bestätigte er den "Sammer-Kurs". "Ich kann neben Claudio Pizarro und Mario Gomez noch besser werden. Überall wo ich war, habe ich mich durchgesetzt, das will ich auch hier. Ich bin überzeugt, dass ich es schaffe."

Sich den Gegebenheiten unterordnen, ohne auf das nötige Selbstvertrauen zu verzichten - diese Mischung gefällt dem neuen starken Mann des FC Bayern augenscheinlich. "Mario hat bei der Europameisterschaft noch einmal eindeutig gezeigt, dass er ein Spieler von internationalem Format ist." Dabei hätten die Verantwortlichen des FC Bayern "bereits vor meiner Zeit erkannt, dass wir in der Sturmmitte etwas dünn besetzt sind". Das dürfte sich in der kommenden Spielzeit mit drei Topstürmern grundlegend ändern.

Dem 26-Jährigen, der mit drei EM-Treffern zusammen mit fünf anderen Stürmern an der Spitze der Torschützenliste stand, ist durchaus zuzutrauen, mehr als ein Backup für Mario Gomez zu werden. Beim VfL Wolfsburg hatte Mandzukic in der vergangenen Saison zwölf Treffer und acht Assists verbucht - eine Qualität, die er auch bei seinem neuen Arbeitgeber einbringen will, ohne jedoch persönliche Allüren in den Vordergrund zu stellen. "Das einzige, was für mich zählt, ist, dass wir gewinnen. Ich mache mir keine Gedanken, wie viele Tore ich schieße."

Sammer sucht "die letzten Prozente"



Der Angreifer wird erstmals am Sonntag beim Auftakt des Trainingslagers in Riva del Garda im Bayern-Trikot zu sehen sein. Dann werden auch Arjen Robben und Anatoliy Tymoshchuk erwartet. Bastian Schweinsteiger, Franck Ribery und Co. haben dagegen noch eine weitere Woche frei. Mit welchen Erwartungen sie dann empfangen werden, machte Sammer aber jetzt schon klar. "Die Mannschaft war im letzten Jahr gut. Zu sehr gut ist es nicht so weit. In erster Linie steckt noch Entwicklungspotenzial bei uns, diese letzten Prozente suchen wir bei uns, nicht so sehr außerhalb."

Dass Mandzukic als neuer Bestandteil des FC Bayern die Qualität des Rekordmeisters erhöhen wird, dürfte außer Frage stehen. Und als er noch zugab, dass es ihm nicht schwergefallen sei, "mich für den FC Bayern zu entscheiden, obwohl ich auch andere Angebote hatte", war die Gesichtsfarbe von Matthias Sammer längst wieder im Normbereich.

Johannes Fischer