Gelsenkirchen - Man sah Timo Hildebrand die Enttäuschung an. Und der Torhüter des FC Schalke 04 versuchte auch gar nicht erst, sie zu verbergen. Dabei schmerzte die 2:3-Niederlage gegen Galatasaray Istanbul und das Aus in der Champions League umso mehr, weil Schalke "wie schon im Hinspiel wieder die bessere Mannschaft" war.

Im Interview nach der Partie sprach Hildebrand offen über die Gründe für das Scheitern und die internationale Reife der Schalker. Und der 33-Jährige ließ keinen Zweifel, warum es jetzt in der Bundesliga nur ein Ziel geben kann.

Frage: Herr Hildebrand, war es am Ende eine unglückliche Niederlage gegen Galatasaray?

Timo Hildebrand: Eine unglückliche Niederlage, vor allem aber auch eine völlig unnötige Niederlage. Wir waren wie schon im Hinspiel wieder die bessere Mannschaft. Es ist dann einfach richtig bitter, gegen so eine Mannschaft auszuscheiden.

Frage: Sie klingen richtig enttäuscht.

Hildebrand: Ich bin wirklich traurig. Ich hätte gerne noch zwei weitere Spiele in der Champions League gemacht. Galatasaray war keine Übermannschaft. Das Problem war vielmehr, dass wir in der ersten Halbzeit selbst gar nicht wirklich auf dem Platz waren. Beim ersten Gegentor spielt der Gegner einen Querpass und Altintop kann frei aufs Tor schießen. Da waren wir einfach nicht da, da waren wir total unaufmerksam. Und solche Dinge werden in der Champions League bestraft.

Frage: Die erste Halbzeit erinnerte überhaupt nicht an den starken Auftritt, den Schalke zuletzt gegen Dortmund gezeigt hat.

Hildebrand: Wir hatten in der ersten Halbzeit zu viele unklare Aktionen. Wir haben zuviel Respekt gezeigt vor dem Gegner und waren zu unentschlossen. Wir waren nicht so aggressiv auf dem Platz wie noch im Derby. Das hat der Trainer auch zu Recht in der Halbzeit moniert. So etwas darf in der Champions League nicht passieren.

Frage: Warum hat Schalke in der ersten Halbzeit der Mut gefehlt?

Hildebrand: Ganz ehrlich, dafür habe ich auch keine Erklärung. Wir hatten uns sehr viel vorgenommen und haben es in der zweiten Halbzeit auch umgesetzt. Aber zu Beginn hat es gefehlt. Und auf diesem Niveau werden eben auch Kleinigkeiten schon bestraft.

Frage: Ging dem zweiten Gegentor ein Missverständnis zwischen Ihnen und Benedikt Höwedes voraus?

Hildebrand: Es war eine schwierige Situation. Ich wusste nicht, ob ich rechtzeitig hinkomme und wollte erst mit dem Fuß hineinspringen. Aber es war an der Strafraumgrenze und ich wollte keinen Strafstoß oder einen Platzverweis riskieren, falls ich Foul spiele. Dann habe ich mich entschieden, mit der Hand hinzugehen. Vielleicht war ich da zu unentschlossen.

Frage: War die Niederlage gegen Galatasaray auch ein Zeichen dafür, dass es der Mannschaft noch an internationaler Erfahrung fehlt?

Hildebrand: Das mag sein. Vielleicht hat in dieser Hinsicht auch Jermaine Jones gefehlt. Aber das wäre jetzt auch respektlos den anderen Spielern gegenüber. Jeder hat seine Leistung gebracht, jeder hat alles versucht und alles gegeben. Spieler mit internationaler Klasse sind aber vielleicht noch mehr mit dem Kopf dabei. Das macht den Unterschied aus zwischen den Top-Mannschaften, die jetzt im Viertelfinale stehen, und der Qualität, die wir zweifellos auch haben. Wir müssen einfach noch dazu lernen. Das ist ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist.

Frage: Erst der umjubelte Derbysieg, jetzt drei Tage später das Aus in der Champions League. Wie geht man als erfahrener Profi damit um?

Hildebrand: Natürlich war das jetzt ein Schlag, nachdem es in den letzten Wochen bergauf ging. Aber es muss jetzt auch weitergehen, trotz aller Enttäuschung. Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen. Jetzt gilt unser ganzer Fokus der Bundesliga. Und jetzt wollen wir da die nötigen Punkte holen, um auch in der nächsten Saison wieder in der Champions League dabei zu sein.

Frage: Also gehen Sie davon aus, dass die Niederlage die Mannschaft nicht umwirft?

Hildebrand: Ich hoffe, wir haben unser Tal durchschritten. Es ist bei uns einiges gewachsen in den letzten Wochen. Wir müssen jetzt auch aus der Niederlage gegen Gala unsere Lehren ziehen müssen. Aber ich hoffe sehr, dass es nicht mein letztes Champions-League-Spiel war.

Frage: Wie groß ist Ihr Optimismus, dass Schalke in der Liga am Ende der Saison mindestens Platz 4 schafft?

Hildebrand: Der Verein will wieder in die Champions League, wir wollen wieder in die Champions League. Wir haben eine schwere Phase hinter uns. Aber wir haben als Vierter jetzt in der Bundesliga auch eine richtig gute Ausgangsposition. Wenn wir in den nächsten Spielen wieder mutig und aggressiv auftreten, können es schaffen. Und damit sollten wir direkt am Samstag anfangen und in Nürnberg drei Punkte holen.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte