Köln - Hertha BSC hält trotz der jüngsten Rückschläge in Mönchengladbach und gegen Hannover weiterhin Kurs auf die Champions League. Mit vier Punkten Vorsprung auf Platz 5 gehen die Berliner in die letzten fünf Spieltage. Vor der Partie bei der wiedererstarkten TSG aus Hoffenheim spricht Herthas Mittelfeldspieler Vlaidimir Darida im Interview mit bundesliga.de über das Restprogramm, die Chancen auf Europa und positiven Druck.

bundesliga.de: Vladimir Darida, die Tabelle lügt nicht. Fünf Spieltage vor Saisonende steht Hertha BSC immer noch ausgezeichnet da. Wie bewerten Sie die Ausgangssituation der Hertha im Kampf um die internationalen Plätze vor dem Saisonendspurt?

Vladimir Darida: Für uns ist es einfach schön, so weit oben zu stehen. Es ist in jedem Fall schon jetzt eine erfolgreiche Saison, wir haben keinen Druck. Als Sportler will man aber natürlich immer das Bestmögliche erreichen.

bundesliga.de: Nach der Niederlage in Mönchengladbach und dem Remis gegen Hannover 96 scheint Hertha ein bisschen aus dem Tritt geraten zu sein. Welche Gründe führten zu den Punktverlusten? Was muss in den letzten Spielen wieder besser werden?

Darida: Ich denke, wir waren insgesamt einfach nicht so kompakt und zweikampfstark in der Defensive wie gewohnt. Daran haben wir im Training gearbeitet und wollen solche Fehler zukünftig vermeiden.

"Bayern ist ein spezielles Spiel"

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bundesliga.de: Auch Mönchengladbach, Mainz und Schalke konnten am Wochenende nicht dreifach punkten. Zeigt Ihnen das, dass auch die Konkurrenz "nur mit Wasser kocht" und Hertha weiterhin die große Überraschung schaffen kann?

Darida: Es ist natürlich gut für uns, dass andere Vereine auch Fehler machen und auch noch gegeneinander antreten müssen. Wenn man sieht, dass Konkurrenten auch nicht hundertprozentig konstant punkten, ist das sicher kein Nachteil.

bundesliga.de: Das Berliner Restprogramm liest sich u.a. mit Spielen gegen Bayern München und bei den Konkurrenten Leverkusen und Mainz vergleichsweise schwer. Was stimmt Sie optimistisch, dass Hertha der große Coup gelingen kann?

Darida: Leverkusen und Mainz haben wir ja in der Hinrunde schon geschlagen und somit gezeigt, dass wir gegen diese Gegner etwas holen können. Bayern ist ein spezielles Spiel - allgemein glaube ich aber, dass in der Bundesliga jeder jeden schlagen kann. Wir müssen uns immer bestmöglich vorbereiten, und dann schauen wir mal, was passiert.

bundesliga.de: Wäre eine Qualifikation zur Europa League am Ende der Saison immer noch ein großer Erfolg, auch wenn Hertha bis mindestens zum 29. Spieltag auf Champions League-Kurs lag?

Darida: Ja. Man muss ja einfach nur mal auf die Abschlusstabelle der letzten Saison schauen.

"Habe keine Ambitionen, hier wegzugehen"

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bundesliga.de: Nach zwei Jahren Abstiegskampf mit dem SC Freiburg erleben Sie nun in Berlin das positive Kontrastprogramm. Ist der Druck dennoch ähnlich hoch wie in Freiburg oder kann man die Situationen gar nicht miteinander vergleichen?

Darida: Ich denke die Situation ist ganz anders. In Freiburg war es schwerer: Wenn du um die Existenz in der Bundesliga kämpfst, häufig verlierst – das ist insgesamt ganz schwer, auch für den Kopf. Wenn man oben ist, viele Punkte hat, ist es einfach eine andere Form von Druck - für mich persönlich ist es leichter.

bundesliga.de: Es hieß, dass Vereine aus England an Ihnen interessiert wären. Käme für Sie ein Wechsel in Frage oder reizt Sie die Herausforderung in Berlin mehr? Wie wohl fühlen Sie sich bei Hertha?

Darida: Ich habe überhaupt keine Ambitionen, hier wegzugehen. Wir spielen sehr guten Fußball, stehen in der Tabelle weit oben und dürfen nächstes Jahr möglicherweise im europäischen Wettbewerb antreten. Mein Traum, eines Tages in der Premier League zu spielen, kann noch warten.

bundesliga.de: Am Samstag gastiert Hertha bei der TSG 1899 Hoffenheim, die in den neun Spielen und Trainer Julian Nagelsmann 17 Punkte holte und einen Lauf hat. Wie schwer wird die Aufgabe? Wie ist Hoffenheim zu packen?

Darida: Das wird – wie jedes Bundesligaspiel - keine leichte Aufgabe für uns. Hoffenheim spielt seit dem Trainerwechsel sehr guten Fußball, ist schnell im Umschaltspiel. Wir müssen zur Kompaktheit und Zweikampfstärke zurückfinden und uns insgesamt einfach gut vorbereiten. Wenn wir oben bleiben wollen, brauchen wir einen Dreier!

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski