Köln - 43 Punkte sammelten die ersten fünf Gegner des Sport-Club Freiburg in dieser Saison bereits. Die Breisgauer trafen also mit Ausnahme des Hamburger SV nur auf Kontrahenten, die im Moment richtig gut drauf sind. Trotzdem sammelte der Aufsteiger bereits sechs Punkte und steht im Mittelfeld der Tabelle. Vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt, einem weiteren Kandidaten für die Mannschaft der Stunde, spricht Freiburgs Topvorbereiter Vincenzo Grifo im Interview mit bundesliga.de über die Stärken des Sport-Clubs, seine Träume und den Gegner aus Hessen.

bundesliga.de: Vincenzo Grifo, der Sport-Club Freiburg hat aus den ersten fünf Partien sechs Punkte geholt. Wie bewerten Sie die Ausbeute gegen schwere Gegner?

Vincenco Grifo: Die Ausbeute ist ganz okay und kann sich sehen lassen. Wir haben als Aufsteiger sechs Punkte geholt und stecken dadurch nicht ganz unten drin. Wie Sie sagen, waren auch schon einige starke Gegner dabei wie auswärts Dortmund oder Köln oder zuhause Mönchengladbach. Gegen diese Mannschaften ist es nicht einfach zu bestehen. Gegen Gladbach haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht (und 3:1 gewonnen, die Red.). Wir haben auch zum Teil einen sehr guten Fußball gezeigt. Mit ein bisschen mehr Glück etwa in Berlin hätten es auch mehr Punkte sein können. Aber wir jammern nicht, sondern geben in jedem Spiel Gas und freuen uns wie ganz Freiburg auf die Bundesliga.

bundesliga.de: Wie schwer ist Ihnen die Umstellung auf die Bundesliga gefallen?

Grifo: Das Tempo und die individuelle Klasse der Spieler ist natürlich höher in der Bundesliga. Dennoch treten wir mutig auf. Wir haben Respekt vor dem Gegner, aber auf dem Platz verfolgen wir nur das Ziel, das Spiel zu gewinnen.

bundesliga.de: Was zeichnet den SC Freiburg vor allem aus?

Grifo: Wir sind eine Einheit, diszipliniert, halten alle zusammen und geben niemals auf. Das sieht man auf dem Platz. Jeder läuft für den anderen. Wir sind eine Mannschaft, die immer wieder zurück kommen kann, und in der Defensive stabiler geworden ist. Und wir haben natürlich Qualität vor allem vorne. Wir haben in den letzten Spielen gezeigt, dass wir auch Tore schießen können.

bundesliga.de: Sie waren schon in der letzten Saison mit 14 Toren und 14 Vorlagen an 28 Treffern beteiligt und sind auch jetzt mit vier Assists in den ersten fünf Spielen auf einem sehr guten Weg. Fühlen Sie sich im Moment so stark wie vielleicht noch nie zuvor in Ihrer Karriere?

Grifo: Ich bin sehr zufrieden mit mir und wie es mit der Mannschaft läuft. Ich fühle mich rundum wohl und richtig fit, weil ich die Vorbereitung gut genutzt habe, um bereit für die Saison zu sein. Von der letzten Saison kenne ich das alles in Freiburg schon. Das macht alles noch einmal leichter. Und ich habe auch noch weitere Ziele.

"In Freiburg halten die Leute sehr eng zusammen"

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bundesliga.de: Welche Ziele sind das?

Grifo: Ich möchte ein etablierter Bundesliga-Spieler werden, reifer werden. In Sachen Tore oder Assists habe ich mir aber keine Ziele gesteckt. Ich spiele einfach drauf los und schaue, was am Ende dabei herauskommt.

bundesliga.de: Sie sind in Ihrer Karriere auch schon ein bisschen herumgekommen und haben in Karlsruhe, Hoffenheim, Dresden und beim FSV Frankfurt meistens nur für eine Saison gespielt. Ist Freiburg jetzt für Sie die Station, bei der Sie gerne ein paar Jahre bleiben möchten?

Grifo: Ich fühle mich wie gesagt sehr wohl in Freiburg. Meine Familie, die mich immer unterstützt, wohnt nicht weit von hier entfernt in Pforzheim. Mir gefällt sehr, was mir hier geboten wird. Der Sport-Club ist ein sehr familiärer Verein. Hier halten die Leute sehr eng zusammen. Das Umfeld passt, die Stadt ist super, die Menschen sind sehr sympathisch und unterstützen den Verein in guten und schlechten Zeiten. Das gibt mir alles ein gutes Gefühl, so dass es mir leicht fällt, am Spieltag befreit aufspielen zu können. Wie jeder Mensch habe auch ich noch Ziele. Vielleicht kann ich eines Tages einmal noch höher spielen können, die Champions Leage wäre ein Traum. Aber im Moment passt in Freiburg alles.

bundesliga.de: Sie sind ein Spezialist für die ruhenden Bälle. Wann haben Sie gemerkt, dass Sie dabei ein besonderes Talent haben? Oder ist es vielmehr das Resultat harter Trainingsarbeit?

Grifo: Das auch. Aber eine gewisse Gabe musst du auch schon haben. Ich verbringe sehr viel Zeit mit den Starndards auf dem Trainingsplatz. Wir trainieren das generell sehr oft. Ich versuche, jeden Tag besser zu werden. Wenn man sich dann noch belohnt, feilt man da immer daran, um es noch weiter zu verfeinern.

bundesliga.de: Bis jetzt haben Nils Petersen und Maximilian Philipp zusammen fünf der sechs Freiburger Tore erzielt. Wie wichtig sind sie für die Mannschaft?

Grifo: Sehr wichtig. Und dazu kommen ja noch Florian Niederlechner, Onur Bulut und Janik Haberer. Wir haben viele gute Offensivspieler und können auch viel rotieren. Es tut immer gut, wenn man sich auf die Stürmer verlassen kann.

bundesliga.de: Die ersten beiden Heimspiele hat Freiburg gewonnen. Diese Heimstärke dürfte sicherlich der Schlüssel zum Klassenerhalt werden. Jetzt gastiert am Samstag Eintracht Frankfurt beim Sport-Club. Wie stark schätzen Sie den Gegner ein?

Grifo: Das wird ein schweres Spiel. Frankfurt ist sehr gut gestartet und schon eingespielt. Sie kommen mit einem guten Gefühl nach Freiburg. Frankfurt steht sehr kompakt, schießt viele Tore, hat aber auch schon einige bekommen. Wir müssen unsere Chancen, die kommen werden, dann gut verwerten.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski