Köln - Im Trainingslager im türkischen Belek bereitet Viktor Skripnik seine Mannschaft derzeit auf die Rückrunde vor (Infografik: Hier überwintert die Bundesliga). Sein Ziel: der Klassenerhalt. Im Interview spricht der Coach des SV Werder Bremen über Fehler in der Hinrunde, Claudio Pizarro und richtig guten Fußball.

Frage: Nach der Hinrunde steht Werder Bremen auf dem Relegationsplatz. Wie gehen Sie die Rückrunde an?

Viktor Skripnik: Zunächst einmal müssen wir top fit werden und 100 Prozent bereit sein für die kommenden Aufgaben und das Auftaktmatch gegen Schalke (zum Vorbericht). Jedes Spiel ab jetzt wird für uns ein Endspiel, in dem wir bis zum Ende kämpfen müssen – in der Bundesliga und im DFB-Pokal. Aber die Spieler sind bereit, hart zu arbeiten und alles mitzumachen, was wir mit ihnen vorhaben. Ich bin froh, solche Spieler zu haben.

"Wir haben zeitweise richtig guten Fußball gespielt"

© gettyimages / Martin Stoever

Frage: Woran hat es denn in der Hinrunde gelegen, dass Bremen wieder gegen den Abstieg kämpft (Lesen Sie hier den großen Formcheck zu Werder)?

Skripnik: Wir haben viele unnötige Gegentore kassiert, da waren viele Ballverluste, Fehler, Unkonzentriertheiten. Auch war der Wille nicht so da wie in der vergangenen Rückrunde. Die Spieler haben mir das bestätigt und gesagt, sie seien jetzt bereit, voll mitzumachen. Das sieht man im Training. Da versteckt sich keiner, ist niemand faul, die Jungs zeigen Begeisterung. Aber natürlich ist das jetzt noch Vorbereitung. Wettbewerb ist immer etwas Anderes.

Frage: In der Tabelle steht Werder so da wie im Vorjahr. Nur war 2015 eine Aufbruchstimmung nach dem Sieg gegen Dortmund zu spüren. Wie sieht es jetzt nach fünf sieglosen Spielen aus?

Skripnik: Wir müssen positiv sein, wenn wir aus dem Keller raus wollen. Wir haben durch Analysen und Einzelgespräche versucht, die Spieler wieder aufzubauen, ihnen gesagt: ,Ihr könnt Fußball spielen.’ Und wir haben ihnen nicht nur die negativen sondern auch viele positive Szenen aus der Hinrunde gezeigt. Denn wir haben in einigen Spielen richtig gut Fußball gespielt, besser als im Vorjahr. Es geht nämlich nicht nur darum, neue Dinge zu lernen, sondern auch die alten nicht zu vergessen – und sich manchmal ein bisschen schlauer anzustellen.

"Pizarro ist sehr wichtig für die jüngeren Spieler"

Frage: Wie wichtig ist in dieser Situation ein erfahrener Spieler wie Claudio Pizarro?

Skripnik: Enorm. Ich bin glückllich, wie gut er in den letzten drei Spielen vor der Pause gespielt hat. Jetzt kann er die komplette Vorbereitung mitmachen. Das ist super. Und Pizarro ist Pizarro, ein bekannter, sehr erfahrener Spieler. Er ist ganz wichtig für die jüngeren Spieler, kann ihnen Tipps geben.

Frage: Wie halten Sie die Spieler bei Laune, die zuletzt nicht so viel gespielt haben?

Skripnik: Ich bin sehr zufrieden mit unserm Kader. Ich habe den Jungs gesagt: ,Jeder von euch ist wichtig und kann eine wichtige Rolle im Team spielen.’ Auch wenn er vielleicht aktuell hinter einem Kollegen steht, diesem aber im Training Druck macht. Keiner braucht zu glauben, der Trainer möge ihn nicht. Durch Verletzungen, Sperren und Formschwankungen gibt es ohnehin immer Wechsel. Wir haben genug Spiele, dass sich jeder präsentieren kann. Nehmen Sie Florian Grillitsch. Der saß zeitweise auf der Tribüne, spielte in der U23. Und dann hat er zwei, drei Riesenspiele für uns gemacht. Ähnlich sieht es bei Levin Öztunali aus, der nach einer schweren Zeit jetzt seine Form gefunden hat.

Frage: Was macht Ihnen Hoffnung für die Rückrunde?

Skripnik: Wir hoffen, dass jeder seine Stärken zeigt, mit Überzeugung und Selbstvertrauen rangeht, Charakter zeigt. Die Spieler sind selbst alle enorm unzufrieden mit der Tabellensituation. Aber wir haben genug Kraft, um uns da rauszuholen.

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