Bremen – Als Viktor Skripnik im Sommer 1996 von Dnipro Dnipropetrowsk nach Bremen wechselte, konnte er den Hype um seine Person an der Weser nicht verstehen. Als "Beckham der Ukraine" wurde der heute 44-jährige Familienvater von den Werder-Fans gefeiert.

Dabei stellte sich schnell heraus, dass Skripnik ein ganz anderer Typ war, als die schillernde, englische Fußball-Legende David Beckham. Denn Skripnik war auf dem Platz ein fleißiger Arbeiter. Ruhig in seiner Art, aber doch energisch, wenn es sein musste. Seine spielerischen Mittel waren begrenzt, aber daraus machte er auch nie einen Hehl.

138 Mal Bundesliga für Werder

"Zugegeben: Es gab bessere Spieler als mich. Aber ich war immer ehrlich zum Fußball und stets mit vollem Herzen dabei. Ich bin nie in die Disco gegangen, wenn am anderen Tag eine Partie anstand", erklärte Skripnik einst im Interview.

138 Mal lief er in der Bundesliga für die Grün-Weißen auf und erzielte dabei sieben Tore. In seiner letzten Saison, in der er über die Reservistenrolle nicht mehr hinauskam, feierte er den größten Erfolg seiner aktiven Zeit: 2004 holte er mit Werder das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Seine Vereinshingabe und -treue überzeugten die damaligen Verantwortlichen, Skripnik im Anschluss sofort eine Chance als Trainer zu geben. Erstmals setzte damit ein ausländischer Spieler seine Karriere bei den Bremern fort. Im Jugendleistungszentrum durfte er sich um die U 15 kümmern. Es folgten als Stationen die U 17, die U 19 und schließlich im Sommer 2013 die U 23 in der Regionalliga Nord.

"Jeder Soldat wollte einmal General werden"

Kontinuierlich führte Skripniks Weg nach oben, seine Arbeit wurde und wird allseits geschätzt. Mehrmals die Woche tauschte sich Robin Dutt noch vor seiner Entlassung über die Leistungsfähigkeit der Amateure mit ihm aus.

Dass sich Skripnik, der auf einen Berater verzichtet, für höheres berufen fühlte, war aber ein offenes Geheimnis. "Jeder Soldat wollte einmal General werden. Und deshalb hätte ich auch nichts dagegen, irgendwann einmal eine Profimannschaft zu trainieren", sagte Skripnik noch vor der letzten Saison.

An erfolgreiche Schaaf-Ära anknüpfen

Und nun ist es soweit: Ab sofort lenkt er die Geschicke beim taumelnden Traditionsclub von der Weser. Dabei steht dem Neuling mit Torsten Frings ein Weggefährte aus alten Bremer Zeiten zur Seite. Thomas Eichin, Geschäftsführer Sport, ist sich sicher, "dass Viktor alles mitbringt, um der Mannschaft wieder das Selbstvertrauen und die Mittel zu geben, Spiele zu gewinnen und sich weiterzuentwickeln."

Die Fans hoffen, dass Skripnik an die erfolgreiche Ära eines Thomas Schaaf anknüpfen kann, der vor seiner 14-jährigen Amtszeit ebenfalls gut elf Jahre lang die grün-weißen Nachwuchsmannschaften betreute. Vorerst gelten die Verträge des neuen Trainerteams aber nur bis zum Saisonende.

"Respekt und Ehrlichkeit" lautete Skripniks Motto für seine Amateure. Ähnliches wird er nun wohl auch von den Profis verlangen. Ob das allein reicht, um die Mannschaft wieder auf Erfolgskurs zu bringen, wird sich zeigen.

Michael Reis