Köln - Pure Spannung im Abstiegskampf! Die letzten fünf der Tabelle liegen nur drei Punkte auseinander (zur Tabelle). Vier der fünf Kandidaten haben am vergangenen Wochenende gepunktet (30. Spieltag). Wer schafft es und bleibt in der Bundesliga? Vier Gründe, die für Ihr Team sprechen:

Das spricht für den SC Freiburg:

1. In der eigenen Hand: Das Team aus dem Breisgau hat die komfortable Lage, alles komplett selbst in der Hand zu haben. Drei direkte Duelle gegen die anderen Abstiegskämpfer hat der SC an den letzten vier Spieltagen noch vor der Brust. Erst kommt Paderborn, dann geht es nach Hamburg und dann gibt es ja auch noch das absolute...

2. Endspiel: Am letzten Spieltag muss Freiburg nämlich bei Hannover 96 antreten. Das letzte von insgesamt fünf direkten Duellen, die die Teams im Keller noch bestreiten. Hier wird sich entscheiden, ob Hannover oder Freiburg drin bleibt.

3. Klassisches Sechs-Punkte-Spiel: Der Charme an den direkten Duellen im Abstiegskampf ist die Bedeutung der Spiele: Man kann nicht nur drei Punkte gewinnen, sondern dem Gegner auch drei Punkte wegnehmen. Alle Mathematiker heulen auf - aber es geht um sechs Punkte, obwohl nur drei vergeben werden. Verliert Freiburg also dieses Wochende gegen Paderborn, würde der Tabellensiebzehnte am Tabellenvierzehnten vorbeiziehen. Gewinnt Freiburg aber, dann haben die Breisgauer ein Fünf-Punkte-Polster auf Paderborn und eine um mindestens 23 Tore besser Tordifferenz.

4. Glücksgriff Petersen: Obwohl Winter-Verpflichtung Nils Petersen erst acht Mal für Freiburg gespielt hat, ist er schon der Top-Torschütze (sechs Treffer, wie Darida). Im Schnitt traf Petersen im Freiburger Trikot alle 66 Minuten, damit ist er 2015 deutlich effektiver als Bas Dost (alle 79 Minuten ein Tor), der nach seinem Torlauf zu Rückrundenbeginn von der Öffentlichkeit schon zum Weltstar hoch gelobt wurde.

 

Das spricht für Hannover 96:

1. Gute Ansätze unter Frontzeck: Auch wenn die rasante Talfahrt von 96 auch nach Michael Frontzecks Debüt an der Linie anhielt (nach elf Spieltagen belegte Hannover noch Rang Vier, nach der Hinrunde Rang Acht und jetzt sind es nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Letzten aus Paderborn), so stimmte vergangene Woche gegen Hoffenheim doch der Einsatz: Hannover bestritt in keinem Saisonspiel mehr Zweikämpfe (312), lief 11,8 Kilometer mehr als in der Vorwoche in Leverkusen und beging 2014/15 in keiner Partie mehr Fouls am Gegenspieler (24).

2. Die Null kann stehen: Auch wenn die Niedersachsen als einziges Team in der Rückrunde noch nicht zu Null gespielt haben, so hat das vorhandene Personla in dieser Saison schon eindrucksvoll bewiesen, dass sie es können: In der Hinrunde hatte Hannover noch sieben Mal zu null gespielt, so oft wie sonst nur vor zehn Jahren in der Saison 2004/05 – das sollte Hoffnung machen.

3. Schalter umlegen: 2013/14 holt Hannover an den letzten vier Spieltagen zehn von zwölf möglichen Punkten und befreite sich aus einer kritischen Situation letztlich souverän. Angesichts der kommenden Gegner (Wolfsburg, Bremen und Augsburg kämpfen noch um Plätze im Europacup, der SC Freiburg ebenfalls um den Klassenerhalt) wird es aber in jedem Fall schwer.

4. Lars Stindls Abschied: Wegen einer Verletzung und einer Sperre musste Hannover schon in zwölf Saisonspielen auf seinen Hoffnungsträger Lars Stindl verzichten, in Wolfsburg muss er nun eine Gelb-Sperre absitzen und fehlt erneut. Dabei war Stindl enorm wichtig und sammelte in seinen 18 Partien zehn Scorer-Punkte (nur Joselu einen mehr), übernahm zuletzt gegen Hoffenheim auch Verantwortung, schoss erstmals einen Strafstoß und traf. Er wechselt nach Saisonende zu Borussia Mönchengladbach und will sich sicherlich nicht mit dem Abstieg verabschieden.

Das spricht für den Hamburger SV:

1. Ein Lebenszeichen: Der Erfolg gegen Augsburg war für den HSV der erste Dreier nach zuvor fünf Niederlagen und neun sieglosen Partien. Durch den Erfolg schraubten die Hanseaten ihr Konto nun auf 28 Punkte und haben damit die Ausbeute aus der vergangenen Saison übertroffen. Nach zwei Spieltagen am Tabellenende hat man dieses nun wieder verlassen und ist auf den Relegationsrang gesprungen. Bruno Labbadia scheint dem HSV wieder Leben eingehaucht zu haben.

2. Hinrunden-Endspurt: Von den vier letzten Spielen in der Hinrunde verloren die Rothosen nur eins (0:1 gegen Stuttgart, ansonsten zwei Remis und ein Sieg). Sollte dies wieder gelingen, dürfte man dem Klassenerhalt einen großen Schritt näher kommen.

3. Der Knoten scheint geplatzt:Ivica Olic beendete mit seinem Tor gegen Augsburg die längste Torflaute in der Geschichte des HSV, der von ihm abgefälschte Schuss war der erste HSV-Treffer nach zuvor 595 torlosen Minuten. Und es war der Startschuss für ein wahres "Torfestival": Erstmals gelangen drei Tore in einem Heimspiel. Auf dem Weg zum Klassenerhalt dürfen diese Erfolgeserlebnisse aber keine Eintagsfliege bleiben.

4. Hoffnungsträger Lasogga: In der vergangenen Saison rettete Pierre-Michel Lasogga dem HSV mit seinem Tor in der Relegation die Klasse und nun scheint er auch zum Endspurt dieser Saison nach schwierigem Spieljahr rechtzeitig in Fahrt zu kommen. Gegen Augsburg sorgte er für den ersten Doppelpack eines Hamburger Spielers in dieser Saison und verhalf den Hanseaten zudem als letztes Team zu einem Kopfballtor – der auch um seinen HSV zitternde Horst Hrubesch kann also diesbezüglich aufatmen und vielleicht liegt in der Luft ja auch der Schlüssel zur HSV-Rettung.

Das spricht für den SC Paderborn:

1. Eigentlich nichts zu verlieren: Vor der Saison waren sich die meisten sogenannten Experten einig: Der SC Paderborn wird am Saisonende einen der beiden direkten Abstiegränge belegen. Dass sie immer noch alles andere als abgeschlagen dabei sind, haben ihnen die Wenigsten zugetraut, von daher kann der SCP eigentlich befreit aufspielen und die Sensation schaffen.

2. Zweimal gegen die direkte Konkurrenz: Paderborn hat noch zwei Abstiegsendspiele vor der Brust, am kommenden Spieltag gegen Freiburg sowie am letzten Spieltag zu Hause in der Benteler-Arena gegen den VfB. Auswärts bei der Konkurrenz war Paderborn bislang sehr stark (Siege in Hamburg und Hannover, Remis in Stuttgart). Das spricht für die Ostwestfalen.

3. Klassisches Sechs-Punkte-Spiel: Gleiches Spiel wie beim SC Freiburg. Was für die Breisgauer gilt, gilt natürlich auch für die Ostwestfalen. Besiegt man Freiburg im direkten Duell, gewinnt man nicht nur drei Punkte, sondern nimmt dem Gegner auch drei Zähler weg. Bei einem Sieg würde man Freiburg in der Tabelle überholen.

4. Kollektive Kontinuität: Den überragenden Offensivspieler hat Paderborn nicht in seinen Reihen, da greift man nach jedem Strohhalm: Moritz Stoppelkamp scheint rechtzeitig zum Endspurt in Form zu kommen, erzielte am letzten Spieltag seinen ersten Treffer seit der siebten Runde, hatte zuvor den ersten Treffer aufgelegt. Mit seinen vier Toren ist Stoppelkamp schon der zweitbeste Torschütze seiner Mannschaft. Nach (zu) viel Rotation setzte Andre Breitenreiter zuletzt eher auf Kontinuität, vertraute die letzten drei Spiele weitestgehend der gleichen Elf – vor allem im Defensivverbund. Dort muss er nun umbauen, da Michael Heinloth und Mario Vrancic gesperrt sind.

Das spricht für den VfB Stuttgart:

1. Gute erste Halbzeit: Der VfB Stuttgart "verschenkte" am vergangenen Spieltag zwar gegen Freiburg einen sicher geglaubten Sieg und damit zwei wichtige Punkte, musste sich trotz einer 2:0-Führung mit einem 2:2 begnügen. Anstatt die Abstiegsplätze zu verlassen, sind die Schwaben nun sogar wieder Tabellenletzter. Dennoch: Die erste Halbzeit muss den Schwaben Mut machen. Dort traten sie dominant auf, erspielten sich eine 2:0-Führung.

2. Doppeltes Heimspiel: Die in der Hinrunde noch so auswärtsstarken Stuttgarter warten in der Rückrunde noch auf ihren ersten Sieg in der Fremde. Nur zwei Punkte holten sie in ihren sechs Gastspielen 2015, die letzten drei Auswärtspartien gingen allesamt verloren. Da kommt es dem VfB sicherlich gelegen, dass nach dem Auswärtsspiel auf Schalke am kommenden Spieltag zwei Heimspiele in Folge anstehen.

3. Zwei absolute Endspiele: An den letzten beiden Spieltagen geht es zudem zunächst zu Hause gegen den HSV und zum Saisonfinale nach Paderborn. Zwei absolute Endspiele gegen die direkte Konkurrenz also. Mit zwei Siegen könnte der VfB den Klassenerhalt wohl festmachen.

4. Der Top-Torjäger der Bundesliga: Zehn Tore erzielte der VfB in den letzten fünf Partien, genauso viele wie in den vorherigen 13 Spielen seit der erneuten Amtsübernahme von Huub Stevens. Daniel Ginczek erzielte sechs Tore in den vergangenen fünf Bundesliga-Spielen – kein anderer traf so häufig. Und auch Filip Kostic ist gut drauf, er gab vier Torvorlagen in diesem Zeitraum.

Dennis-Julian Gottschlich und Tobias Anding