Köln - In den siebziger Jahren war es das große Duell der Bundesliga - FC Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach. Kaum eine Saison, in denen die beiden Traditionsvereine die Meisterschaft nicht unter sich ausgemacht hatten.

Mittlerweile ist aus dem einstigen Duell auf Augenhöhe ein ziemlich unterschiedliches Kräftemessen geworden. Während der FC Bayern der erfolgreichste Club der Bundesliga-Historie ist, droht den "Fohlen" der dritte Abstieg aus dem Oberhaus.

Pünktlich zum 28. Spieltag hat bundesliga.de mit dem ehemaligen Gladbacher Arie van Lent über die Begegnung gesprochen und die Chancen der beiden Clubs ausgelotet.

bundesliga.de: Herr van Lent, am Samstag steht das Spiel zwischen dem FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach an. Ist das noch immer ein Klassiker der Bundesliga für Sie?

Arie van Lent: Ja, ich denke, dass dieses Duell durch seine Vorgeschichte, die Rivalität der beiden Clubs in den siebziger Jahren immer ein Klassiker bleiben wird. Natürlich sind die Rollen jetzt anders verteilt, aber von den Namen und auch von den Begegnungen der letzten Jahre her wird es sicherlich ein Klassiker bleiben.

bundesliga.de: Auf was für ein Spiel dürfen sich die Fans denn freuen?

van Lent: Im Vorfeld sind die Rollen klar verteilt. Die Bayern sind im Aufwärtstrend, während Gladbach Punkte für die Relegation sammeln muss. Von daher werden die Münchener als Favorit in das Spiel gehen. Aber genau das könnte die Chance der Gladbacher sein, sie zu überraschen und vielleicht die Schwäche des FCB in den vergangenen Monaten auch auszunutzen.

bundesliga.de: Worauf muss sich die Borussia konzentrieren, damit ihr die Überraschung gelänge?

van Lent: Sie muss hinten sehr kompakt stehen und wachsam sein, weil Arjen Robben, Franck Ribery und Mario Gomez ganz gefährlich sind. Dennoch sollte Gladbach auch seine eigene Chance nach vorne suchen und frech auftreten. Sie haben schnelle Leute und die Bayern sind derzeit hinten anfällig. Das sollte die Borussia nutzen.

bundesliga.de: Sie haben gerade schon angedeutet, dass es für die Gladbacher eigentlich nur noch um die Relegation geht. Halten Sie dieses Ziel noch für realistisch?

van Lent: Es gibt ja immerhin noch 21 Punkte zu holen. Mönchengladbach wird nicht jedes der verbleibenden sieben Spiele gewinnen, doch so lange rechnerisch die Chance noch besteht, sollte man auch versuchen, sie zu nutzen. Die Chance ist zwar klein, aber sie ist da.

bundesliga.de: Allerdings wird es bei dem Restprogramm nicht gerade einfach werden. Die ausstehenden Gegner kommen fast ausschließlich aus der oberen Tabellenhälfte.

van Lent: Genau das ist der Haken an der Sache. Die kommenden Gegner spielen alle, bis auf den 1. FC Köln, um die internationalen Plätze. Das wird nicht einfach werden. Aber vielleicht gelingt ja die Überraschung. Das würde dann auch wieder zusätzlichen Schwung bringen.

bundesliga.de: Sie haben selbst ja fünf Jahre bei den "Fohlen" gespielt. Tut es Ihnen leid, dass Ihr alter Club in höchster Abstiegsgefahr steckt?

van Lent: Die Mannschaft an sich kenne ich ja nicht mehr, aber viele Leute im Umfeld. Dem Club gönnt man so etwas nicht, weil ich selbst weiß, wie sich so etwas anfühlt. Aber ich verfolge das schon und wünsche mir, dass in Gladbach weiterhin Bundesliga-Fußball gespielt wird.

bundesliga.de: Nicht nur für Mönchengladbach, auch für den FC Bayern München verläuft die Saison nicht optimal. Wo liegen die Gründe dafür?

van Lent: Was die Qualität angeht, so gehört Bayern ja seit vielen Jahren zur absoluten Spitze in der Bundesliga. Vergangene Saison hat man fast mit der identischen Mannschaft zwei Titel geholt und stand im Champions-League-Finale. In dieser Spielzeit konnte die Mannschaft, die fast identisch ist, ihre Stärke aber nicht abrufen. Die Bayern hatten eine ungewöhnlich lange Schwächephase, die die übrigen Mannschaften gut ausgenutzt haben, was man am Tabellenstand sieht.

bundesliga.de: Denken Sie, dass sich die Spieler zu sehr auf dem Erfolg der vergangenen Saison ausgeruht haben?

van Lent: Dieser ganze Erfolg ist vielleicht ein wenig zu selbstverständlich geworden und manch einer mag gedacht haben, dass das jedes Jahr so weiter geht. Allerdings hatten auch die Bayern mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Ribery und Robben sind lange ausgefallen und diese beiden Spieler kann auch der FC Bayern nicht so einfach ersetzen. Wenn man sich jedoch die Qualität der übrigen Spieler anschaut, muss man von den Münchenern dennoch erwarten, dass sie weiter oben mit dabei sind.

bundesliga.de: Das Saisonziel der Münchener ist nun Platz 2 und die direkte Qualifikation zur Champions League. Für wie realistisch halten Sie diese Vorgabe bei aktuell sieben Punkten Rückstand auf den 2. Rang?

van Lent: Bei den Bayern muss man immer auf alles gefasst sein. Wenn sie in einen Lauf kommen, wie es derzeit den Anschein hat, wäre es gut möglich, dass sie das noch schaffen. Es kommt ja auch noch zum direkten Vergleich zwischen den Bayern und Leverkusen in München. Sollten sie das gewinnen, würde der Abstand nur noch vier Punkte betragen und dann wäre natürlich noch alles möglich.

bundesliga.de: Wenn man sich das Restprogramm der Bayern anschaut, sind mit Nürnberg und Leverkusen nur zwei Teams aus der oberen Tabellenhälfte dabei. Wie beurteilen Sie diese Ausgangsposition?

van Lent: Einfach wird es nicht werden. Das Spiel gegen Nürnberg wird schwierig werden, weil Derbys oft anders laufen als geplant. Auch die weiteren Begegnungen gegen die "Kleinen" werden eine schwere Aufgabe. Teams wie Gladbach oder St. Pauli stecken im Abstiegskampf und werden den Bayern alles abverlangen.

Das Gespräch führte Gregor Nentwig

Arie van Lent erinnert sich an seine größten Spiele