Die Lobeshymnen der Konkurrenz über seine spielstarken Breisgau-Brasilianer können Robin Dutt in diesen Tagen nicht trösten. Im Gegenteil. Genervt von den Mitleidsbekundungen der Gegner und den Unzulänglichkeiten seiner Profis sieht der Trainer des SC Freiburg das Tabellen-Schlusslicht bereits nach dem dritten Bundesliga-Spieltag am Scheideweg.

"Es ist eine erste große Bewährungsprobe, die uns jetzt bevorsteht. Die Komplimente, wir hätten gut gespielt, mag ich nicht mehr hören. Sie kommen mir aus den Ohren heraus", sagte Dutt nach der 0:5 (0:1)-Heimpleite des Aufsteigers gegen Bayer Leverkusen.

Mangelnde Chancenverwertung

Die Euphorie über die Rückkehr in die Eliteliga ist an der Dreisam erst einmal verflogen. Nach nur einem Punktgewinn in drei Spielen (3:10 Tore) herrscht ob der fast identischen und allwöchentlichen Frusterlebnisse Ratlosigkeit. Wie bereits in den Partien zuvor beim VfB Stuttgart (2:4) und gegen den Hamburger SV (1:1) waren die Freiburger auch im Duell mit Leverkusen nahezu gleichwertig.

Die Dutt-Elf setzte spielerische Akzente, vergab aber andererseits eine Handvoll bester Torchancen und leistete sich individuelle Abwehrfehler. So zum Beispiel Keeper Manuel Salz, der einen 22-Meter-Freistoß von Eren Derdiyok (69.) zum 0:3 durch die Hände gleiten ließ. Das Kontrastprogramm auf der anderen Seite, wo Felix Bastians freistehend aus drei Metern vergab (79.).

"Können uns dafür nichts kaufen"

"Wir haben wieder gezeigt, dass wir kicken können. Aber für das ganze Lob können wir uns nichts kaufen", äußerte SCF-Kapitän Heiko Butscher nach der höchsten Heimschlappe seit knapp fünf Jahren und dem schwächsten Bundesliga-Rundenstart seit 1995.

In der Abstiegssaison 2004/2005 hatten die Breisgauer nach drei Spieltagen schon vier Punkte mehr als aktuell auf dem Konto. Leverkusens Torschütze Stefan Kießling ist trotzdem von Freiburgs Klassenerhalt überzeugt. "Ich traue ihnen noch viel zu. Wenn sie an ihre Leistung anknüpfen, werden sie nicht absteigen", sagte der Bayer-Stürmer, während auch sein Trainer Jupp Heynckes in die Lobeshymnen einstimmte: "Freiburg hätte 2:0 führen müssen. Wir waren die glücklichere Mannschaft, die ihre Chancen effektiver genutzt hat."

15 Schüsse - kein Tor

Die große Schwäche des Aufsteigers offenbarten aber die nackten Zahlen. Zwar gaben Stürmer Mohamadou Idrissou und Kollegen insgesamt 15 Schüsse ab, doch nur einer kam auf das Bayer-Tor. Die Gäste indes verwerteten von sieben Schüssen auf das SCF-Gehäuse fünf.

"Bei Leverkusen hat man gesehen, was Abschlussqualität bedeutet", meinte Dutt, der die Spielweise nach dem Fehlstart aber nicht umstellen will. Man habe eine gewisse Art und Weise Fußball zu spielen. "Die wurde bisher nicht belohnt, aber es ist die einzige Chance zu bestehen. Wir müssen bei Heimspielen weiter versuchen, den Gegner in Bedrängnis zu bringen und dann die Tore zu machen."

In punkto Psyche vertraut Dutt seinem Team vor dem nächsten Auftritt bei Schalke 04 am kommenden Samstag gänzlich. "Ich bin sehr optimistisch, dass die Mannschaft das mental hinbekommt. Wenn wir treffen, platzt auch der Knoten", sagte der 44-Jährige.