Dortmund/Gelsenkirchen - Borussia Dortmund leckt seine Wunden, Schalke 04 ist bereit für den Angriff auf den Meister. Doch obwohl die Chancen für einen Sieg beim Erzrivalen nach dem bitteren Champions-League-Abend des BVB in London so gut wie lange nicht stehen, verzichtet Schalkes Trainer Huub Stevens auf große Töne - und schlägt sogar den Kuschelkurs ein.

"Natürlich besteht da eine Rivalität, aber auch Respekt voreinander. Man kann nur Respekt vor Dortmund haben, wie sie in den vergangenen Jahren vorgegangen sind. Für Schalke ist der Samstag ein weiterer Schritt um zu lernen", sagte Huub Stevens zwei Tage vor dem 139. Revier-Duell. Auch Schalkes Sportdirektor Horst Heldt verzichtete auf Spitzen gegen den Nachbarn: "Derby ist das, worauf man sich das ganze Jahr freut. Das ist mit das wichtigste Spiel des Jahres. Das ist der Mannschaft auch bewusst."

BVB müde, aber siegessicher

Während die Schalker nach dem souveränen 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg frisch und ausgeruht in die heiße Vorbereitungsphase gingen, kehrte der Borussen-Tross am Mittwoch enttäuscht und geschlaucht aus London zurück. Spieler und Verantwortliche der Borussia waren nach dem bitteren 1:2 beim FC Arsenal und wegen der schweren Verletzung von Sven Bender (beidseitiger Kieferbruch) noch zu schockiert, um schon einen ungetrübten Blick auf das "Spiel des Jahres" werfen zu können - zeigten sich aber dennoch zuversichtlich.

"Wir werden gewinnen, weil wir die bessere Mannschaft sind", sagte Torwart Roman Weidenfeller am Flughafen und der Ur-Dortmunder Kevin Großkreutz fügte an: "Das ist das wichtigste Spiel des Jahres. Ich weiß, was dieses Spiel den Fans und dem Umfeld bedeutet. Wir werden alles daransetzen, dieses Spiel zu gewinnen."

Stevens: "Im Rhythmus zu sein, ist immer schön"

Unterschätzen wird Stevens den angeschlagenen Gegner nicht. Ob es ein Vor- oder Nachteil sei, dass die Dortmunder das Champions-League-Spiel in den Beinen haben, "weiß man immer erst im Nachhinein", sagte der Niederländer. Der BVB sei in guter konditioneller Verfassung, "und im Rhythmus zu sein, ist immer schön."

Nur einen Dortmunder Sieg gab es in den vergangenen zwölf Heimspielen gegen Schalke, der hatte es allerdings in sich. Mit dem 2:0 am 12. Mai 2007 stürzte der BVB den Erzrivalen am vorletzten Spieltag von der Tabellenspitze und vermasselte ihm damit auch die Meisterschaft. Rückkehrer Huub Stevens dagegen ist der heimliche Derby-König und weiß ganz genau, wie man dieses Duell gewinnt. Der Niederländer verlor keines seiner vergangenen zwölf Spiele gegen Dortmund und gewann die letzten drei zu Null. "Statistik ist nicht wichtig", meinte Stevens dazu.

Ausgeglichene Bundesligabilanz

Insgesamt führt Schalke die Derbybilanz mit 55 Siegen in 138 Spielen (37 Unentschieden, 46 Niederlagen) an. In der reinen Bundesligawertung liegen die beiden Rivalen allerdings gleichauf: Jeweils 27 Siege bei 24 Unentschieden.

Auch Derby-Novizen haben derweil die Bedeutung des Spiels schon verinnerlicht. Schalkes Lewis Holtby machte aus Fan-Sicht alles richtig und nahm den Namen des Rivalen erst gar nicht in den Mund: "Wir wollen drei Punkte holen, aber ich denke, die da drüben wollen das auch. Ich freue mich wahnsinnig auf das Spiel."

Holtby und die "Knappen" werden sich außerdem gerne an den 23. Juli dieses Jahres erinnern, als sie sich mit 4:3 n.E. im Supercup den ersten Titel der Saison sicherten.