Jürgen Röber absolvierte zwischen 1974 und 1986 insgesamt 303 Bundesliga-Spiele für Werder Bremen, den FC Bayern und Bayer Leverkusen. Mit den Bayern wurde er 1981 Deutscher Meister. Er beendete seine aktive Karriere 1991 bei Rot-Weiss Essen. Dort erhielt er im Anschluss auch gleich seine erste Anstellung als Cheftrainer. Anschließend wechselte er in die Bundesliga zum VfB Stuttgart. Hertha BSC führte Röber in die Bundesliga zurück und später sogar in die Champions League. Danach trainierte er den VfL Wolfsburg, Partizan Belgrad, Borussia Dortmund und Saturn Ramskoje. Aktuell trainiert er den türkischen Hauptstadtverein Ankaraspor. Während der WM 2010 wird er regelmäßig für bundesliga.de über die Endrunde schreiben.

Der erste Spieltag in allen Gruppen ist vorbei, alle 32 Mannschaften haben einen ersten Eindruck hinterlassen. Ehrlich gesagt habe ich kaum schöne Spiele gesehen. Das Spiel unserer deutschen Mannschaften war das beste, auch die Argentinier und Holländer haben phasenweise ganz gut den Ball laufen lassen.

Aber sonst? Vor allem von den Brasilianern und Portugiesen war ich doch ein bisschen enttäuscht. Das war viel zu statisch: zu wenig Bewegung und kaum Spielfreude. Ich erwarte von diesen Mannschaften einfach mehr, denn sie haben ein ganz anderes Potential als beispielsweise ein Team wie Griechenland.

Ich kenne Brasiliens Trainer Carlos Dunga sehr gut, wir sind lange befreundet. Er war 1994 und 1995 mein Spieler beim VfB Stuttgart. Carlos war anfangs wie viele Brasilianer kein Freund des Lauftrainings, da hat er lieber gebummelt. Doch er hat schnell erkannt, wie wichtig körperliche Fitness ist und hat 1994 mit Brasilien die WM gewonnen. In der neuen Saison ist er dann beim Training vorneweg gelaufen. Was ich damit auch sagen möchte: Dunga setzt in seiner "Selecao" nicht zuletzt lieber auf fitte Spieler als auf einen Ronaldo oder Ronaldinho, die ihren Zenit vielleicht überschritten haben.

Natürlich will keine Mannschaft das erste Spiel verlieren und sofort mit dem Rücken zur Wand stehen. Deshalb richten die meisten Trainer ihre Taktik eher vorsichtig und defensiv aus. Aber die Mannschaften, die als Ziel das Viertel- oder Halbfinale haben, wollen auch schon das erste Spiel gewinnen. Deshalb haben etwa die Engländer oder Franzosen viel zu wenig aus ihren Möglichkeiten gemacht. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich im zweiten Spiel verkaufen.

Die deutsche Elf hat alles richtig gemacht. Sie hat die Laufwege gemacht, die viele andere Mannschaften nicht auf sich genommen haben. Sie hat schnell und flüssig kombiniert und im richtigen Moment in die Spitze gespielt. Klar, die Australier haben oft nur zugesehen. Wenn ich dagegen vergleiche, wie körperbetont und aggressiv zum Beispiel Paraguay oder Südkorea gespielt haben, dann war das eine ganz andere Hausnummer.

Die Serben werden den deutschen Spielern am Freitag ganz sicher nicht so viel Raum und Zeit gönnen. Aber darauf ist unsere Mannschaft eingestellt, sie weiß das Australien-Spiel schon richtig einzuordnen. Serbien hat so viele gute Fußballer und hat in der WM-Qualifikation auch viel besser gespielt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie das am Freitag zeigen werden.

Noch ein Wort zu den Vuvuzelas, die viele Leute nerven. Ich finde, es gehört einfach zu einer WM in Südafrika dazu. Als Trainer findest du auch in voll besetzten Bundesliga-Stadien kaum Gehör bei deinen Spielern. Du kannst dir höchstens mal einen beim Einwurf kurz an der Seitenlinie packen. Der Einfluss des Trainers während des Spiels ist auch nicht so entscheidend, seine Arbeit vor Anpfiff ist viel wichtiger.

Und noch etwas: Eine WM mit 32 Mannschaften finde ich richtig, auch wenn dadurch nicht alle Spiele hochklassig sind. Es ist doch schön, wenn sich ein Team wie Neuseeland vor so vielen Zuschauern auf der Welt mal zeigen kann und dann sogar noch punktet.

Ihr

Jürgen Röber



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