Köln/Wolfsburg - Drei Spiele, sieben Punkte. Der VfL Wolfsburg ist erfolgreich in die Rückrunde gestartet, sitzt dem FC Bayern nach dem furiosen 4:1 zum Auftakt, einem Remis in Frankfurt und einem klaren Sieg daheim gegen Hoffenheim auf Platz 2 im Nacken. Nun steht ein Duell gegen den nächsten Konkurrenten um die begehrten Champions-League-Plätze auf dem Programm.

Zu den Leistungsträgern der letzten Wochen gehört zweifelsohne Ricardo Rodriguez. Der Linksverteidiger spricht im Interview mit bundesliga.de über das bevorstehende Spiel gegen Bayer Leverkusen (ab 15 Uhr im Liveticker), seine eigene Form und den positiven Teamgeist der Wölfe.

bundesliga.de: Ricardo Rodriguez, vor dem Rückrundenauftakt war zu lesen, dass Sie vom Gewinn der Deutschen Meisterschaft träumen. Inzwischen beträgt der Rückstand auf Bayern München nicht mehr elf, sondern acht Punkte. Wie stehen Wolfsburgs Chancen auf den Bundesliga-Titel?

Ricardo Rodriguez: Im Fußball ist alles möglich, aber Bayern hat eine sehr starke Mannschaft und der Vorsprung ist immer noch sehr groß. Auch wenn man es immer wieder hört: Wir denken von Spiel zu Spiel und wollen natürlich auch jede Partie gewinnen. Viel weiter möchte ich nicht vorausschauen.

bundesliga.de: Hat der hohe Sieg gegen Bayern dem Team zusätzliches Vertrauen in die eigene Stärke vermittelt?

Rodriguez: Selbstverständlich, wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Jeder Verein in der Liga will gern gegen die Bayern gewinnen. Wir haben das als erste in dieser Saison geschafft. Das gibt natürlich Selbstvertrauen.

"Wollen das Spiel natürlich gewinnen"

bundesliga.de: Sie haben neun Punkte Vorsprung auf Bayer Leverkusen, dem Gegner vom Samstag. Geht der VfL als Favorit in die Partie?

Rodriguez: Wenn man nur auf die Tabelle schaut vielleicht. Aber in Leverkusen ist es immer schwer zu spielen, weil auch sie eine sehr gute Mannschaft haben. Trotzdem wollen wir das Spiel natürlich gewinnen.

bundesliga.de: Dieter Hecking sagt, der Kader biete ihm "eine Riesenauswahl", jede Position sei inzwischen doppelt besetzt. Merkt man das im Training, im Spiel?

Rodriguez: Wir haben im Training ein sehr hohes Niveau. Jeder ist top-motiviert und will spielen. Aber am Ende können es eben nur elf Spieler auf dem Platz stehen. Die Konkurrenz ist schon spürbar.

bundesliga.de: Dem Teamgeist scheint die Konkurrenz nichts anzuhaben. Andre Schürrle lobte bei seiner Vorstellung, unzählige Spieler hätten ihm unmittelbar nach seiner Ankunft angeboten die Stadt zu zeigen. Wie kommt er an in der Mannschaft, wie fügt er sich ein?

Rodriguez: Wir sind in der Tat ein wirklich gutes Team. André hat sich in der kurzen Zeit schon sehr gut integriert. Die Mannschaft hat ihn sehr gut aufgenommen und er ist bereits ein wichtiger Spieler für uns, der uns noch besser macht.

"Haben vorne weitere viele gute Optionen"

bundesliga.de: Hat Wolfsburg mit Schürrle, Kevin De Bruyne und Bas Dost jetzt ein "magisches Offensivdreieck"?

Rodriguez:(lacht) Sie spielen auf das magische Dreieck vom VfB Stuttgart an. Bas Dost, André Schürrle und Kevin De Bruyne sind sehr gute Spieler, aber wir haben vorne weitere viele gute Optionen. Ich denke da zum Beispiel an Spieler wie Ivan Perisic, der gerade verletzt ist, Vieirinha oder Daniel Caligiuri, die in dieser Saison bereits ihren Teil zum Erfolg beigetragen haben.

bundesliga.de: Auch Xizhe Zhang kam im Winter nach Wolfsburg. Was macht ihn aus als Spieler und als Person?

Rodriguez: Er ist ein technisch starker Spieler mit guter Passtechnik und Übersicht. Natürlich muss er sich erst noch an die Umstellung gewöhnen, aber ist sehr wissbegierig und will dazulernen. Deswegen glaube ich, dass er seinen Weg gehen wird.

bundesliga.de: Sie selbst haben sich im Winter entschieden, Ihren Vertrag bis 2019 zu verlängern, trotz angeblicher Angebote von europäischen Spitzenclubs wie FC Chelsea und Manchester United. Was gab den Ausschlag für Ihre Entscheidung?

Rodriguez: Ich bin seit drei Jahren hier und fühle mich sehr wohl in Wolfsburg. Ich habe mich mit meinen engsten Vertrauten beraten und mich daher für den VfL entschieden.

bundesliga.de: "Ich will noch viel erreichen und mit diesem Club können wir das auch", sagten Sie nach der Bekanntgabe Ihrer Verlängerung. Kann Wolfsburg langfristig die Nr. 1 sein in Deutschland und die Champions League gewinnen?

Rodriguez: Ich will gar nicht so weit voraus denken. Wir sind eine gute Mannschaft. Und wenn wir weiterhin so gut zusammenarbeiten, können wir gemeinsam noch viel erreichen.

bundesliga.de: Der Trainer lobt Sie in höchsten Tönen, nennt Sie "einen der besten Spieler auf der Linksverteidigerposition." Können Sie noch besser spielen als in der laufenden Saison?

Rodriguez: Ich freue mich über das Lob des Trainers. Ich will mich immer in allen Dingen weiter verbessern. Es sind vor allem die Kleinigkeiten, an denen man arbeiten muss: noch mehr Sprints nach vorne, noch bessere Flanken oder den rechten Fuß weiter trainieren.

"Robben gönnt dir keine Pause"

bundesliga.de: Sie treten gerne gegen die Besten an, weil Sie so Ihre Grenzen testen können, sollen Sie mal geäußert haben. Welcher Gegenspieler hat Sie in der Bundesliga bisher am meisten gefordert, inwiefern?

Rodriguez: Es gibt viele sehr gute Spieler. Wenn ich einen herausgreifen müsste, würde ich Arjen Robben nennen. Wenn du gegen ihn spielst, brauchst du von der ersten bis zur letzten Minute volle Konzentration. Bei Ihm musst du stets wach sein und kannst dir keine Sekunde Pause gönnen, denn er ist extrem schnell. Wenn er einmal an dir vorbei ist, hast du keine Chance mehr.

bundesliga.de: Vor dem Rückrundenauftakt haben Sie gesagt: "Junior will da oben, dass wir kämpfen." Trägt auch sein Geist momentan die Mannschaft?

Rodriguez: Jeder empfindet das natürlich anders. Fest steht aber, dass Junior immer in unseren Herzen sein und ein Teil dieser Mannschaft bleiben wird.

Die Fragen stellte Felix Seaman-Höschele