Zusammenfassung

  • Labbadia kann bei seinem Debüt mit Wolfsburg nicht gewinnen

  • Trotzdem gibt es viel Lob vom neuen Trainer

  • Die Wölfe müssen jetzt den Abstiegskampf annehmen

Mainz - Bruno Labbadia lief am Freitagabend ganz in schwarz gekleidet zum ersten Mal nach seiner Demission vor 16 Monaten beim Hamburger SV wieder als Trainer in einem Stadion der Bundesliga auf. Seit vergangenem Montag ist der 52-Jährige nach dem Rücktritt von Martin Schmidt wieder zurück im Geschäft, und mit seinem neuen Arbeitgeber VfL Wolfsburg war Labbadia bei der Partie beim 1. FSV Mainz 05 gleich wieder mittendrin im Abstiegskampf der Liga.

Zwar konnte Labbadia mit seiner Mannschaft die vierte Niederlage in Serie vermeiden, aber der VfL blieb beim 1:1 (1:1) auch im fünften Spiel hintereinander ohne Sieg. Immerhin behielten die Norddeutschen aber den einen Punkt Vorsprung vor den Mainzern und Labbadia konstatierte: „Ich unterschätze die Situation nicht. Ich weiß, dass wir keine Mannschaft für den Abstiegskampf sind. Wir müssen mehr dagegen halten. Das müssen wir hinbekommen, obwohl wir nicht die Spielertypen dafür haben. Aber das ist eine Mannschaft, die will und Fußball spielen kann.“

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"Ich unterschätze die Situation nicht. Ich weiß, dass wir keine Mannschaft für den Abstiegskampf sind. Wir müssen mehr dagegen halten." Bruno Labbadia

Die Chance, mit drei Punkten die Heimreise anzutreten, war da für den VfL, aber der ehemalige Mainzer Yunus Malli lief beim Stand von 1:1 in der 63. Minute 30 Meter alleine auf das Tor der Mainzer zu - um den Ball schließlich am Gehäuse vorbeizuschlenzen. „Es ist nicht immer das Beste, wenn man so lange nachdenken kann, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen“, erklärte Labbadia, der ehemalige Mittelstürmer, ein echtes Kind der Bundesliga, das als Spieler und Trainer schon an vielen Standorten aktiv war.

Josip Brekalo darf von Beginn an ran und zahlt das Vertrauen mit seinem Tor zum 1:0 für Wolfsburg zurück
Josip Brekalo darf von Beginn an ran und zahlt das Vertrauen mit seinem Tor zum 1:0 für Wolfsburg zurück © gettyimages / Alexander Scheuber

Aus der Elf, die am vergangenen Wochenende noch unter Martin Schmidt 1:2 gegen den FC Bayern verloren hatte, ersetzte Labbadia Gian-Luca Itter, Sebastian Jung, Maximilian Arnold (Gelbsperre) und Ronato Steffen im 4-2-3-1-System durch William, Paul Verhaegh, Riechedly Bazoer und Josip Brekalo. Besonders Brekalo habe sehr auffällig trainiert, erklärte der neue Trainer die Aufstellung des jungen Kroaten, der eine starke erste Halbzeit spielte und die Wolfsburger schon nach sechs Minuten nach einer Flanke von William in Führung gebracht hatte.

Wölfe tun sich nach Rückschlägen schwer

Insgesamt fühlte sich Labbadia in der Einschätzung der Stärken und Schwächen seines Teams nach der Leistung in Mainz bestätigt. Er lobte: „Wir haben bewiesen, dass wir Fußball spielen können und viele Dinge umgesetzt, die wir uns vorgenommen haben. Die Mainzer mussten viele Wege gehen, weil wir sehr gut verlagert haben.“ Aber seine Elf - das zeige die Phase nach der Halbzeit (die Mainzer hatten durch Yoshinori Muto kurz vor dem Pausenpfiff den 1:1-Ausgleich erzielt) - verliere nach Rückschlägen ihre Linie, stellte Labbadia fest.

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Entspannt analysierte Labbadia das Spiel bei einer Tasse Tee nach dem Abpfiff auf dem Podium des Pressekonferenzraumes im Mainzer Stadion und vermittelte den Eindruck des erfahrenen Fußballehrers. Noch nie ist Labbadia als Trainer abgestiegen, er kennt knifflige Situationen und wie man eine Mannschaft aus solchen herausführt. Und Labbadia hat auf seinen bisherigen Bundesligastationen (zwei Mal Hamburger SV, Leverkusen und Stuttgart) bewiesen, Mannschaften schnell stabilisieren zu können. VfL-Kapitän Verhaegh erklärte, nach nur 72 Stunden sei es noch zu früh, über Unterschiede zwischen dem neuen Trainer und seinem Vorgänger zu urteilen. Labbadia habe aber sehr viel mit den Spielern geredet in der kurzen Zeit und versucht, Selbstvertrauen zu vermitteln, erzählte Verhaegh. Der Niederländer sagte, er freue sich nun auf eine lange Trainingswoche, um die Ideen des Trainers noch besser kennenzulernen.

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"Wir haben bewiesen, dass wir Fußball spielen können und viele Dinge umgesetzt, die wir uns vorgenommen haben. Die Mainzer mussten viele Wege gehen, weil wir sehr gut verlagert haben.“ Bruno Labbadia

„Es macht Freude, mit der Mannschaft zu arbeiten“, sagt Labbadia. Aber er gibt auch zu, grundsätzlich keine riesige Freude empfinden zu können in der aktuellen Situation: „Weil Abstiegskampf einfach Shit ist.“ Er versprach, alles zu tun, um mehr Freude haben zu können. Da würde ein erster Sieg beim Heimspieldebüt am nächsten Wochenende gegen Bayer Leverkusen sicher helfen.

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter