Stuttgart - Der VfB Stuttgart glaubt wieder an die Rettung. Der Sieg gegen Mainz war verdient, beim VfB herrscht wieder gute Laune. Auch wenn alle wussten: Der Kampf gegen den Abstieg ist noch lange nicht gewonnen.

Ausgepumpt. Müde. Erschöpft. Antonio Rüdiger, wochenlang Grippe-geplagt, liegt nach dem hart erkämpften 2:0-Erfolg gegen die Mainzer auf dem Rasen der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena – und lacht glücklich gen Himmel. Endlich hat es geklappt, endlich hat sich Rüdigers VfB Stuttgart für eine ansprechende Leistung belohnt, endlich hat man wegen dummer Fehler einmal kein Gegentor gefangen. Minutenlang feierten die über 50.000 famosen Stuttgarter Anhänger nach dem Schlusspfiff ihre Lieblinge. Alle – Fans, Spieler, Verantwortliche – wussten: Diese drei Punkte können im Abstiegskampf noch Gold wert sein. Die Schwaben leben wieder.

Da war es dann auch nicht verwunderlich, dass man am Samstagabend in den Katakomben der Stuttgarter Arena auf viele gelöste Menschen traf. Ein Sprüchlein hier (Martin Harnik: "Das Einzige womit ich heute Probleme hatte, das waren die Fliegen. Ich glaube, dass ich sieben Fliegen verschluckt habe. Das war am Ende nochmal ein Eiweißschub."), ein Lächeln dort  – ins Schwabenland ist die Hoffnung auf ein gutes Ende einer brutalen Saison zurückgekehrt.

Stuttgart hat den Spaß zurück

Selbst Trainer Huub Stevens war für seine Verhältnisse bestens gelaunt. "Ich will zunächst einmal unseren Fans ein großes Dankeschön sagen. Nicht nur für diese Partie. Aber auch mit diesem Sieg haben wir letztlich noch nichts gewonnen, wir haben noch zwei wichtige Spiele", so der Holländer, dem sie im Falle einer Rettung in Stuttgart wohl ein Denkmal bauen würden. "Den einzigen Vorwurf, den ich meiner Mannschaft machen kann, ist die Chancenverwertung. Es hat in diesem Spiel insgesamt viel Spaß gemacht, meine Jungs zu coachen."

Spaß hat es auch deswegen gemacht, weil die Stuttgarter nahtlos an ihre guten Leistungen der letzten Wochen anknüpften. Engagiert, kampfstark und mit vielen spielerischen Elementen hatten sie die Partie über 90 Minuten im Griff. Zittern mussten sie trotzdem bis zur 66. Minute, erst dann profitierte Comebacker Daniel Didavi bei seinem 34-Meter-Schuss von einem Fehler des sonst zuverlässigen Mainz-Keepers Loris Karius. Der Türöffner, das 2:0 durch den erneut bärenstarken Filip Kostic, der in Stuttgart mittlerweile sogar mit Franck Ribéry verglichen wird, war Zugabe.

Didavi macht den Unterschied aus

Nach dem Sieg hatten die VfB-Verantwortlichen alle Mühe, die aufkeimende Euphorie zu bremsen. Denn geschafft ist noch gar nichts.  "Uns muss klar sein, dass wir nur ein Spiel gewonnen haben. Deshalb dürfen wir keine Luftsprünge machen", so Sportdirektor Robin Dutt, der sich als Mediator der Emotionen begreift. "Wir haben gut gespielt, uns viele Torchancen erarbeitet, und natürlich war das auch ein Sieg des Willens. Wir sind immer noch Letzter und müssen noch ein paar Mannschaften überholen."

Das aber kann nun wirklich noch gelingen. Am kommenden Samstag gastiert der Hamburger SV in Stuttgart, am letzten Spieltag geht die Reise nach Paderborn. "Ab jetzt sind wir im Pokalmodus und haben noch zwei Endspiele", fasste Kapitän Christian Gentner die Lage zusammen. Zwei Siege sind möglich. "Wenn wir sechs Punkte holen, dann steigen wir auch nicht ab", ist sich Dutt sicher.

Zum entscheidenden Faktor kann für den VfB die Rückkehr lange verletzter Spieler werden. Erst kam Angreifer Daniel Ginczek nach langer Knieverletzung mit vielen wertvollen Toren zurück. Und nun Didavi, gegen Mainz bester Mann auf dem Platz. "Jetzt bin ich vollkommen schmerzfrei, und ich freue mich umso mehr, wenn ich auf dem Platz stehe, und wenn wir dann auch noch gewinnen", sagte Didavi glücklich. Und auch seine Mannschaftskollegen lobten ihn in den höchsten Tönen. "Er hat uns richtig gut getan", so Gentner. Und Harnik wünschte sich: "Ich hoffe, er bleibt nun lange gesund." Und wenn dann noch keine Fehler mehr passieren, dann, ja dann, könnte es mit der großen Rettungs-Party wirklich noch etwas werden in Stuttgart.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer