Die Flugpläne nach Madrid, Mailand oder Manchester könnten schon mal bereitgelegt werden. Doch als die Reisegruppe des VfB Stuttgart am Mittwoch am Flughafen Echterdingen einschwebte, da wollte sich Markus Babbel noch immer nicht mit der Champions League beschäftigen.

"Das ist eine gute Ausgangsposition, aber auch nicht mehr", betonte der Trainer nach dem 2:0 (2:0) beim rumänischen Vizemeister FC Timisoara im Play-off-Hinspiel um den Einzug in die "Königsklasse". "Wir haben", ergänzte er reichlich drastisch, "schon die Pferde vor der Apotheke kotzen sehen."

"Das ist nicht die halbe Miete"

Keiner in Reihen der Schwaben will sich vor dem Rückspiel am 26. August trotz der sehr komfortablen Ausgangsposition zu sicher fühlen. Auch die höchste Instanz im deutschen Fußball soll deshalb nur ja kein Gehör beim VfB finden. "Da wird nichts mehr anbrennen. Das lassen sich die Stuttgarter nicht mehr nehmen. Da muss schon eine große Katastrophe passieren, aber das passiert nicht", sagte Augenzeuge "Kaiser" Franz Beckenbauer.

Auch Horst Heldt mühte sich deshalb nach Kräften, den Sieg nach Treffern von Timo Gebhart (28./Foulelfmeter) und Alexander Hleb (30.) nicht als einen Freifahrtschein in die Champions League überzubewerten.

"Wir wären wahnsinnig, wenn wir so eine Einstellung hätten. Wir lassen uns das auch nicht einreden", und nein, "das ist nicht die halbe Miete, das ist nur eine gute Ausgangsposition", gab der Sportvorstand zu verstehen. Und auch Mannschaftskapitän Thomas Hitzlsperger stimmte in den Chor ein. "Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, das Rückspiel auf die leichte Schulter zu nehmen."

Hleb denkt schon weiter

Nur einer scherte ein wenig aus: Die Gedanken von Alexander Hleb jedenfalls gehen schon über das Rückspiel hinaus. "Wir müssen noch viel besser werden", sagte der Weißrusse über die engagierte und vor allem bemerkenswert konzentrierte Leistung der Stuttgarter in Westrumänien.

"Das reicht für die Qualifikation, aber nicht für die Gruppenphase. Auf diesem Niveau muss man cleverer sein, den Ball länger halten, spielen wie Arsenal oder Barcelona", erläuterte er. Hleb hat den Vergleich: In den vergangenen vier Jahren hat er bei den beiden von ihm genannten Clubs gespielt.

Die Ansprüche von Hleb sind hoch, er setzt allerdings auch Maßstäbe. Seine brillantes Solo vor dem 2:0, als er zunächst vier Gegenspieler stehen ließ wie weiland Ingemar Stenmark unbewegliche Slalomstangen und anschließend noch den Torhüter verlud, sorgte für schiere Verzückung.

Der Weissrusse als Puzzleteilchen

"Absolute Weltklasse", lobte Beckenbauer, "zum Zungeschnalzen", sagte Kapitän Hitzlsperger. "Ich freue mich, dass ich das mit ansehen konnte", äußerte Sportvorstand Heldt, der Hleb im Verlauf der Fahndung nach einem Stürmer für ein Jahr aus Barcelona losgeeist hatte.

Der Transfer von Hleb ist mehr noch als die Verpflichtung des Russen Pavel Pogrebnyak womöglich der entscheidende Coup, der Heldt für den aufstrebenden VfB gelungen ist. "Er hat so viel Qualität, dass er uns alle besser macht", betont Kapitän Hitzlsperger.

Noch ist der Weißrusse konditionell nicht mal auf der Höhe, "aber durch seine Präsenz auf dem Platz gibt er uns natürlich viel Sicherheit", sagt Babbel. "Wenn er mal bei 100 Prozent ist", prophezeit Heldt, "wird er uns noch mehr helfen." Denn: "Es geht immer noch besser, und es muss auch noch besser gehen." Zumal, wenn der VfB sich auch bald in der Champions League etablieren will.