Nach vier Siegen in Folge hat sich Stuttgart einen komfortablen Fünf-Punkte-Vorsprung auf den Tabellen-Sechsten Schalke 04 herausgearbeitet. Doch Markus Babbel bremst die Euphorie.

Die Schwaben haben damit ihre Ansprüche auf die Teilnahme am internationalen Geschäft eindrucksvoll untermauert. Von höheren Zielen wollen die Verantwortlichen aber vorerst noch nichts wissen.

Babbel kritisiert und mahnt

VfB-Trainer Markus Babbel hat im Moment alle Hände voll zu tun, um die sich langsam ausbreitende Euphorie um den VfB zu dämpfen. "Wenn wir so spielen, wie gegen Köln in der ersten Halbzeit, werden wir wieder schnell nach hinten durchgereicht", wehrte er alle Komplimente zum 3:0-Sieg beim 1. FC Köln ab.

"Ich war überhaupt nicht zufrieden, mit der Art und Weise wie wir vor der Pause aufgetreten sind", analysierte Babbel. "Wir waren unheimlich schlampig im Passspiel, wir haben uns schwer getan in der Rückwärtsbewegung. Wir haben viel zu viele Möglichkeiten zugelassen und hatten das Glück, dass Köln nicht in der Lage war, das auszunutzen und wir einen sehr guten Jens Lehmann im Tor hatten. Ich war heilfroh, dass wir mit einem 1:0 in die Kabine kamen."

Kurz und knapp

Dort angekommen hielt der 36-Jährige eine kurze, knackige Ansprache an sein Team und ging dann schnurstracks zurück zur Trainerbank. "Ich hatte der Mannschaft nichts mehr zu sagen, nachdem ich ihr in der Pause Anweisungen gegeben habe. Ich bin dann rausgegangen, weil ich nicht wusste, wohin ich sollte und ich nichts mehr zu tun hatte."

Die eher kurios anmutende Motivationsmethode fruchtete offensichtlich. Überhaupt kann der VfB-Trainer in der Bundesliga eine fast makellose Bilanz vorweisen. Während sein Vorgänger Armin Veh nach 14 Spieltagen mit 18 Punkten nur Platz 11 erreicht hatte, holte Babbel in ebenfalls 14 Spielen bei zehn Siegen, drei Unentschieden und nur einer einzigen Niederlage sensationelle 33 Punkte.

Alles marschiert. Der VfB marschiert mit

Damit sind die Schwaben mittendrin im Gedrängel um die internationalen Plätze und sogar auf Tuchfühlung mit der Champions-League-Qualifikation. Aber davon redet keiner. "Es ist alles eng beisammen. Wichtig war, dass wir den Abstand auf die Verfolger hinter uns halten konnten", sagt VfB-Manager Horst Heldt. "Die Dortmunder marschieren, die Schalker marschieren. Da muss man höllisch aufpassen."

Aber die Stuttgarter marschieren auch selbst im Takt und haben zudem noch die direkten Duelle mit dem VfL Wolfsburg und Bayern München vor der Brust. Mit Erfolgen gegen die unmittelbaren Konkurrenten könnte es sogar in Richtung Meisterschaft noch einmal spannend werden. Schon vor zwei Jahren segelten die Stuttgarter lange im Windschatten von Schalke 04, um die "Knappen" am 33. Spieltag zu überholen und den Titel einzufahren.

Es passt alles

"Es ist noch zu früh, Parallelen zum Meisterjahr 2007 zu ziehen", warnt Heldt. "Natürlich kann man in der Tabelle auch nach oben schauen, da ist es auch eng. Aber wir müssen erst einmal schauen, dass wir nach hinten den Abstand halten. Das ist dann zermürbend für die Konkurrenten, wenn wir keine Federn lassen."

Im Moment passt beim VfB alles zusammen. Die Abwehr vor dem souveränen Torhüter Jens Lehmann steht kompakt, Thomas Hitzlsperger ist Chef und Antreiber im Mittelfeld und vorne trifft Mario Gomez derzeit wie er will. Sein Dreierpack gegen Köln waren seine Saisontreffer 16 bis 18. Damit rückt er auf Platz zwei der Torjägerliste vor.

Lob für bescheidenen Torjäger

Während sich der 23-jährige Goalgetter brav bei der Mannschaft bedankte, sang Hitzlsperger ein Loblied auf den Nationalstürmer. "Mario Gomez spielt schon sehr gut, hat jetzt wieder drei Tore gemacht. Er hat sehr viel Qualität. Das freut mich für ihn. Er hatte vor ein paar Wochen keine so leichte Zeit. Aber er ist so professionell und erfahren, dass er sich nichts anmerken lässt und dann dreimal trifft. Respekt."

Den Respekt der Konkurrenz kann sich VfB Stuttgart inzwischen sicher sein. Am nächsten Spieltag gastiert Eintracht Frankfurt im Gottlieb-Daimler-Stadion. "Ein ganz schwerer Gegner", betont Babbel. "Da müssen wir nachlegen", fordert Heldt. Damit man sich dann bald nach ganz oben orientieren kann?

Tobias Gonscherowski