Stuttgart - Punkteteilung im Abstiegskampf zwischen dem VfB Stuttgart und Werder Bremen. Für die Stuttgarter sicher eindeutig zu wenig. Die Bremer hingegen wirkten nach der Aufholjagd zufrieden.

Es war die Information, auf die man in den Katakomben der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena gewartet hat: Interims-Coach Jürgen Kramny wird die Stuttgarter auch in der nächsten Partie am kommenden Freitag beim 1. FSV Mainz 05 betreuen. So selbstverständlich, wie VfB-Sportvorstand Robin Dutt am Sonntagabend diese Nachricht verbreitete, war die Angelegenheit nach dem aus Stuttgarter Sicht enttäuschenden 1:1 gegen den Abstiegsrivalen aus Bremen freilich nicht. Denn: Ein Punkt ist für die Schwaben sicherlich mal wieder zu wenig.

"Ausgleich hat uns aus der Bahn gebracht"

"Kramny erreicht die Spieler. Er muss mit seinem Trainerteam Schwerstarbeit leisten", diktierte Dutt in die Mikrofone und Notizblöcke. "Er trifft den Ton bei jedem einzelnen Spieler momentan und bringt Struktur in die Mannschaft." Lobende Worte also für Kramny, der nach der Partie genau erkannte, an was es seiner Mannschaft, mittlerweile auf den vorletzten Tabellenplatz abgerutscht, auch gegen verunsichert wirkende Bremer mangelte. "Wir haben in der zweiten Halbzeit nicht mehr so zielgerichtet nach vorne gespielt und hatten den einen oder anderen Ballverlust zu viel im Aufbauspiel. Der Ausgleich hat uns dann etwas aus der Bahn gebracht", so Kramny.

Wieder einmal war es den Stuttgartern nicht gelungen, über 90 Minuten eine konstant gute Leistung zu zeigen. Nach einer ordentlichen ersten Hälfte und der Führung durch den guten Lukas Rupp konnte man quasi minütlich dabei zusehen, wie die Schwaben passiver wurden und den schwach ins Spiel gestarteten Bremern Raum und Luft gewährten. "Wir haben in dieser Saison schon schwere Heimspiel gehabt, in den wir ausgekontert wurden", so Dutt. Diese Negativerlebnisse stecken offenbar so tief in den Köpfen der VfB-Akteure, dass Sicherheit und Souveränität abhanden gekommen sind.

Skripnik mit passender Ansprache

Klar ist aber auch, dass der VfB im Kellerduell gegen Werder hätte siegen müssen, um einen Schritt nach vorne zu machen. Der Gegner aus Norddeutschland dagegen wirkte mit der Punkteteilung zufrieden. Zumal der Start ins Spiel alles andere als geglückt zu bezeichnen ist. Der in die Kritik geratene Trainer Viktor Skripnik aber hatte in der Halbzeitpause offenbar die richtigen Worte gefunden, in der zweiten 45 Minuten übernahm Werder das Kommando , erzielte den Ausgleich durch Anthony Ujah und hatte mit einem fulminanten Lattentreffer von Levin Öztunali kurz vor dem Ende sogar noch Pech.

So aber reichte es für beide Mannschaften nur zu einem Teilerfolg. Für beide bleibt der Weg der kleinen Schritte, den der VfB derzeit sicher weniger gut gehen kann. "Kurz nach dem Spiel fühlt sich das Ergebnis eher nach zwei verlorenen Punkten, als nach einem gewonnen Zähler an", analysierte Kapitän Christian Gentner. "Wenn wir aus dem Tabellenkeller kommen wollen, müssen wir solche Spiele gewinnen." Bedenklich stimmt vor allem, dass es der VfB wieder nicht geschafft hat, das eigene Tor sauber zu halten. 36 Gegentore in 15 Spielen sprechen eine eindeutige Sprache  - leider die eines potenziellen Absteigers.

Nun wartet auf den VfB die schwere Auswärtsaufgabe bei den Mainzern, die gerade mächtig die Liga aufmischen. Vor allem deren schnelle, trickreiche Angreifer werden für die Schwaben eine Herausforderung werden – zu instabil wirkt momentan die VfB-Defensive. Die Bremer dagegen haben es leichter. Gegen die Kölner ist ein Sieg in Reichweite. Gelingt dieser, wäre das zumindest ein kleiner Befreiungsschlag im Kampf um den Bundesliga-Verbleib.      

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer