Stuttgart - Gut gekämpft und ein wenig Glück gehabt – fertig war der erste Heimsieg des VfB Stuttgart in dieser Saison. Die Erleichterung bei den Schwaben war groß, auch wenn noch Luft nach oben ist.

Als 90 Minuten zittern, hoffen und bangen vorüber waren, ging ein einziger Aufschrei durch das Stuttgarter Stadion. Nach großem Kampf und mit ein wenig Glück hatte der VfB sein erstes Heimspiel in dieser Saison gewonnen und sich mit den drei Punkten gegen den FC Ingolstadt 04 zumindest vorerst aus den Abstiegsrängen verabschiedet.

Defensive Stabilität statt Pressing

Vor allem bei einem konnten sich die Schwaben bedanken: Torhüter Przemyslaw Tyton, zuletzt oft gescholten, hielt bereits in der vierten Spielminute einen schwach geschossenen Foulelfmeter des Ingolstädters Matthew Leckie und legte so den Grundstein für den Erfolg.

"Natürlich ist es ein gutes Gefühl, den Elfmeter zu halten, aber in der vierten Minute ist es noch nicht an der Zeit, glücklich zu sein", sagte der bescheidene Tyton nach dem Spiel. In der Tat hatten seine Stuttgarter Mannschaftskollegen in den folgenden 86 Minuten alle Hände voll zu tun, den Sieg nach Hause zu bringen. Der Aufsteiger von der Donau wirkte optisch überlegen und hatte viele gute Gelegenheiten, am Ende aber siegten Kampfkraft und Wille des VfB. "Wir wollten auch mal ein solch erkämpftes 1:0. Jetzt haben wir es endlich und das freut uns sehr. Endlich haben wir auch zu Hause gewonnen", sagte ein sichtlich erleichterter Sportdirektor Robin Dutt.

Ingolstadt von VfB-Taktik überrascht

Trainer Alexander Zorniger versuchte es am Sonntagabend mit einem leicht veränderten System. Statt starkem Pressing setzten die Stuttgarter ihre Prioritäten diesmal auf eine verstärkte Defensive, verlegten sich aufs Abwarten und ließen die Ingolstädter auch einmal das Spiel bestimmen. Die wirkten zeitweilig überrascht: "Natürlich hatten wir mit einem Pressing der Stuttgarter gerechnet, das kam aber nicht und so hatten wir jede Menge Ballbesitz", analysierte der Ingolstädter Moritz Hartmann (Statistiken zum Spiel VfB Stuttgart - FC Ingolstadt).

Der VfB Stuttgart machte gegen den Aufsteiger sicher nicht sein bestes Saisonspiel, zeigte sich aber deutlich stabiler als zuletzt und feierte so den so dringend benötigten Erfolg. "Spielerisch war noch Luft nach oben, kämpferisch haben wir aber gut dagegengehalten", sagte Spielgestalter Daniel Didavi im Anschluss. Vor allem das verletzungsbedingte Fehlen von Kapitän Christian Gentner und Flügelflitzer Filip Kostic machte sich bemerkbar.

Ein Anfang, mehr noch nicht

Nun aber geht der Blick nach vorne zur nächsten Auswärtspartie in Leverkusen. "Wenn wir den Einsatz aus dieser Begegnung auch in den kommenden Spielen abrufen, holen wir auch gegen die kommenden Gegner Punkte", meinte Angreifer Timo Werner, der in der noch jungen Ära Zorniger sicher zu den Gewinnern zählt. Nur Kampf allerdings wird in Leverkusen nicht reichen. Vor allem im Aufbauspiel leisteten sich die Schwaben zahlreiche Fehler, die Ingolstadt immer wieder ins Spiel brachte und von Leverkusen sicherlich bestraft werden.

Dennoch: Der Sieg war für Stuttgart enorm wichtig, denn er bringt auch ein wenig Ruhe ins Umfeld. Das weiß auch Trainer Zorniger, der bei der Pressekonferenz enorm erleichtert wirkte. "Wir sind froh über diesen Dreier, der uns erst einmal durchatmen lässt", so Zorniger, der aber genau weiß, dass auf ihn und seine Mannschaft noch ein langer Weg wartet. Ingolstadt war ein Anfang – mehr aber auch nicht.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer