Zusammenfassung

  • Stuttgart ist nach Bayern die zweitbeste Rückrundenmannschaft

  • Tayfun Korkut hat das Team vom Abstiegskampf auf Platz sieben geführt

  • Nun ist der Einzug in die Europa League vom Pokalfinale abhängig

München - Tayfun Korkut wird es sich am kommenden Samstag auf der Couch bequem machen. "Ich werde mich vor den Fernseher setzen und mit einem Glas Rotwein dieses Spiel anschauen", sagte der Trainer des VfB Stuttgart. Sollte der FC Bayern München dann "dieses Spiel", das Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt, gewinnen, hätte Korkut allen Grund, sich vielleicht noch ein zweites Glas zu gönnen. Denn dann würde sein VfB als Tabellensiebter der Bundesliga an der Qualifikation zur Europa League teilnehmen.

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"Das wäre ein unerwartetes Zuckerl", sagte Kapitän Christian Gentner nach dem ebenso überraschenden 4:1-Erfolg beim Deutschen Meister FC Bayern. Und während der Ex-Stuttgarter Sven Ulreich auf dem Zaun der Südkurve den Titelgewinn feierte, stieg in den Katakomben der Allianz Arena eine spontane Kabinenparty. Mit "Europapokal, Europapokal"-Gesängen stimmten sich die VfB-Profis auf ein mögliches Highlight in der kommenden Saison ein.

Stuttgart feiert das i-Tüpfelchen

Doppeltorschütze Daniel Ginczek und Techniker Erik Thommy, zwei Typen des Stuttgarter Aufschwungs, drehten auf dem Weg zum Mannschaftsbus die Musikbox laut auf und läuteten Teil zwei der Party ein. Einzig die Frage nach dem Getränkevorrat war bei der Abfahrt des Busses noch nicht abschließend geklärt. "Mal schauen, was alles kühlgestellt ist", sagte Gentner. "Wir haben noch nichts Offizielles geplant, aber es ist definitiv erlaubt, zu feiern. Heute war es das i-Tüpfelchen, da wird sicherlich noch gute Stimmung sein."

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Der höchste Sieg der Vereinsgeschichte gegen den Rekordmeister war der krönende Abschluss eines starken Endspurts mit vier Siegen in Folge. Dieser war aufgrund brillant ausgespielter Konter absolut verdient. Auch dank des überragenden Sprinters Anastasios Donis, der Ginczeks Führung vorbereitete, das zweite Tor der Gäste selbst erzielte und auch am letzten Treffer beteiligt war, katapultierte sich der VfB zum Abschluss der Saison noch auf Platz sieben. "Unser Hauptziel war, in der Bundesliga zu bleiben, nun spielen wir europäisch. Das wäre fantastisch", sagte Donis.

Korkut verhilft VfB zu sensationellem Aufschwung

Kapitän Gentner konnte die Abschlusstabelle noch gar nicht so recht realisieren. "Weihnachten war nicht absehbar, dass wir jetzt da stehen, wo wir stehen", sagte der 32-Jährige. Die Hinrunde schlossen die Schwaben auf Platz 14 ab, mit gerade einmal zwei Punkten Vorsprung vor der Abstiegszone. Auch der Start in die Rückrunde verlief holprig. Nach der Trennung von Aufstiegstrainer Hannes Wolf übernahm Anfang Februar Tayfun Korkut den Job. Und der 44-Jährige verhalf den Stuttgartern zu einem sensationellen Aufschwung.

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Von den 14 Bundesligaspielen unter seiner Regie verlor der VfB nur eins. 31 Punkte holte Stuttgart in diesem Zeitraum, nur den Bayern gelangen mehr. Hinter dem Rekordmeister belegte der Aufsteiger Platz zwei der Rückrundentabelle. In einem Punkt knackten die Stuttgarter sogar eine über 50 Jahre alte Bestmarke der Münchner: Mit nur 36 Gegentoren stellten die Schwaben die beste Defensive eines Aufsteigers in der Ligahistorie, den bisherigen Rekord hatten die Bayern in der Saison 1965/66 mit 38 Gegentreffern aufgestellt.

Fans träumen - Gentner bleibt realistisch

Das ist vor allem Korkuts Stabilisierung der Defensive zu verdanken, nur zehn Gegentore musste Stuttgart seit dem 21. Spieltag hinnehmen. Und die Offensive stellte in München einmal mehr ihre Kaltschnäuzigkeit unter Beweis. "Wir haben die Nadelstiche, die wir setzen wollten, unheimlich effektiv ausgespielt", resümierte Korkut. "Dann kommt so ein Ergebnis zustande." Ein Resultat, das die Fans bereits träumen ließ. "Deutscher Meister wird nur der VfB", schallte es im Überschwang der Emotionen nach dem Treffer zum 4:1 aus der Gästekurve.

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Doch Gentner bremste etwas die Euphorie. "Es liegt an uns selbst, dass wir trotz des Erreichens der Europa League nicht drei Schritte auf einmal machen, sondern die kommende Saison nicht mit der Euphorie angehen, dass wir die jetzige mit vier Siegen abgeschlossen haben und nächstes Jahr zu den Topmannschaften zählen." Eine mögliche Qualifikation für den Europapokal sei aber "keine Last, sondern eine Chance für jeden Einzelnen", ergänzte Gentner. "Eine sorgenfreie Saison wäre ein Riesenerfolg. Wenn wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben sollten, wäre das herausragend." Dann dürfte sich auch Tayfun Korkut wieder ein Glas Rotwein gönnen.

Aus München berichtet Maximilian Lotz