Stuttgart - Nochmal 90 Minuten zittern. Beim SC Paderborn kann der VfB Stuttgart (zur Vorschau) eine harte Saison zum glücklichen Ende führen (Samstag, ab 15 Uhr im Liveticker). Alle Spieler sind fit - der Respekt vor Samstag ist dennoch groß.

Zwei Heimsiege in Folge sowie 13 Punkte aus den letzten acht Spielen haben Wirkung hinterlassen: Der VfB Stuttgart strotzt in der Woche vor dem Spiel der Wahrheit in Paderborn vor Selbstvertrauen. So auch beim Training zu Wochenstart: Viele Scherze, viele lachende Gesichter und vor allem jede Menge Konzentration und fleißiges Arbeiten waren am Neckar zu beobachten.

Zuversicht im Ländle

Spätestens nach dem überlebenswichtigen Sieg gegen den Hamburger SV am letzten Samstag lebt der VfB Stuttgart wieder und glaubt an sich. "Der VfB ist wieder gut in Form, wir schaffen das", so unisono die Meinung am Trainingsgelände. Die Menschen im Ländle sind zuversichtlich.

Das dürfen sie auch sein. Schließlich zeigen die Kicker mit dem roten Brustring seit Wochen starke Leistungen und haben sich so ihr "Schicksals-Finale" beim Tabellenletzten aus Paderborn verdient. Mit einem Sieg würde der VfB auf jeden Fall in der Bundesliga bleiben (Die Analyse: Was wäre wenn?).

Die Anführer

Den Grund für den jüngsten Formanstieg haben die Verantwortlichen des VfB jedenfalls mittlerweile ausgemacht:  "Die komplette Achse funktioniert jetzt besser", analysiert Sportvorstand Robin Dutt. "Sven Ulreich strahlt Ruhe aus, auch die Rückkehr von Antonio Rüdiger tut uns gut", so der 50-Jährige. "Christian Gentner und Serey Dié sorgen für Stabilität im Mittelfeld, wovon auch andere wie Martin Harnik und Filip Kostic profitieren."

Diese Namen führen die Mannschaft derzeit auch an. Harnik, Dié und Co. sorgen auch beim Training für die Highlights. Die einen treffen, die anderen geben die Kommandos, wieder andere sorgen für defensive Stabilität - beim VfB haben sich die Spieler herauskristallisiert, die für den momentanen Aufschwung stehen.

Der Rasen brennt

Trainer Huub Stevens - der in dieser Trainingswoche bislang ruhig und besonnen wirkt - hat es geschafft, die notwendige Balance zwischen den Mannschaftsteilen zu erzeugen. Sichere Defensivarbeit gekoppelt mit schnellem, kreativem Angriffsspiel. So lautet die VfB-Erfolgsformel dieser Tage.

Alles schön und gut, nun aber zählen nur noch die 90 Minuten im kleinen Paderborner Hexenkessel. "Das haben wir noch lange nicht gewonnen", zeigten auch die Stuttgarter Fans auf dem Trainingsgelände Respekt vor dem vermeintlichen Underdog. Und auch die Stuttgarter Bosse wissen um die Schwere der Aufgabe, und versuchen die aufkeimende Nichtabstiegs-Euphorie zu ersticken.

"Jetzt gibt es eine Entscheidung, jetzt wird nichts mehr vertagt", so Dutt. "In Paderborn brennt schon jetzt der Rasen". Vor allem die Unberechenbarkeit der Aufgabe bereitet den Schwaben Sorge. "In diesen 90 Minuten kann alles passieren. Du kannst ohne Chance gewinnen, du kannst mit vielen Chancen verlieren."

"Kein Späßchen"

Hinzu kommt, dass die Paderborner alles andere als Kanonenfutter darstellen. "Das wird kein Späßchen", sagt beispielsweise Ex-VfB-Präsident Erwin Staudt, immer noch eine Ikone am Neckar. Und er hat wohl Recht. Schließlich zeigte der Aufsteiger bei der mehr als unglücklichen Niederlage auf Schalke eine starke Performance und hätte sich zumindest einen Punkt verdient gehabt.

Deswegen war Dutt in den letzten Tagen auch bemüht, die Konzentration hochzuhalten. "Paderborn hat ganz sicher noch nicht aufgegeben, sie werden heiß sein und alles reinwerfen", warnt der Sportvorstand. Und: "Ich will Paderborn nicht stark reden, aber sie haben ihre Rolle als Aufsteiger perfekt ausgefüllt."

Wendet sich alles zum Guten?

Klar ist vor dem Herzschlagfinale: Auf ihre Fans werden sich die Stuttgarter am Samstag nur bedingt verlassen können. Nicht viele von denen, die zuletzt beinahe alles für ihren Verein gegeben haben, werden auf Grund von Ticketmangel dabei sein können. Ein Nachteil für den VfB? Oder wendet am Ende doch das Stuttgarter Finale furioso alles zum Guten am Neckar?       

Jens Fischer