Zusammenfassung

  • Der VfB Stuttgart hat sich nach dem 0:2 gegen Schalke von Trainer Hannes Wolf getrennt

  • Die Lage der Schwaben im Abstiegskampf ist aber keineswegs hoffnungslos

  • Dringliche Ziele: Junge Spieler stabilisieren und die Auswärtsschwäche abstellen

Stuttgart - Der VfB Stuttgart ist doch noch für Überraschungen gut. Wenn auch derzeit nicht unbedingt auf dem grünen Rasen, so doch abseits hinter den Kulissen. Mit der Entlassung von Trainer Hannes Wolf am Sonntagmorgen war ob der ersten Eindrücke nach der klaren 0:2-Niederlage gegen den FC Schalke 04 nicht dringend zu rechnen. Am Samstagabend analysierte VfB-Sportvorstand Michael Reschke gewohnt ruhig und sachlich die missliche Lage der Schwaben. Auch wenn ihm dabei Zweifel anzumerken waren, alles lief auf ein "Finale" für Trainer Wolf in Wolfsburg hinaus. Nun ist klar: Der Eindruck hat getäuscht.

Bis tief in die Nacht hatten die Stuttgarter Verantwortlichen am Samstag diskutiert und sich dabei immer wieder die entscheidende Frage gestellt: Erreicht Wolf die Mannschaft noch? Am Ende war man gegenteiliger Ansicht. "Wir sind gemeinsam zu der Überzeugung kommen, dass die Gefahr, dass wir die Situation in der bestehenden Konstellation nicht mehr gedreht bekommen, zu groß ist und wir einen neuen Impuls brauchen, um wieder in die Erfolgsspur zu finden", erklärte Reschke, der Wolf als "hervorragenden Trainer mit einem tollen Charakter" lobte.

>>> VfB Stuttgart trennt sich von Trainer Hannes Wolf

Hannes Wolf führte den VfB Stuttgart zurück in die Bundesliga - nach dem 20. Spieltag jetzt die Trennung
Hannes Wolf führte den VfB Stuttgart zurück in die Bundesliga - nach dem 20. Spieltag jetzt die Trennung © gettyimages / Alex Grimm

Wie geht es nun weiter mit dem VfB? Die Lage ist alles andere als aussichtslos. Immerhin hat man als Tabellen-15. immer noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und damit noch bessere Rettungsaussichten als Werder Bremen, der Hamburger SV oder der 1. FC Köln. Zumal die direkten Kontrahenten sich derzeit auch nicht gerade in brillanter Verfassung präsentieren. Allerdings ist auch nicht wegzureden, dass sich die Stuttgarter seit einiger Zeit in einer Abwärtsspirale befinden. Von den letzten sieben Bundesliga-Partien wurden sechs verloren – eine Bilanz, die Wolf jetzt zum Verhängnis wurde.

Kampf der Auswärtsschwäche

Wo aber muss der neue Trainer künftig ansetzen? In erster Linie einmal bei der Auswärtsschwäche. Ein Punkt bislang auf fremden Platz in der bisherigen Saison ist eine Horrorzahl.

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Viel zu oft agierten die Schwaben auswärts zu ängstlich und mutlos. Zu defensiv waren sie eingestellt, nach vorne lief nicht viel zusammen. Der Offensive gelang es viel zu selten, kreativ zu sein, Chancen zu entwickeln und damit die Defensive zu entlasten. So fielen – auch nach schweren Fehlern - quasi zwangsläufig die Gegentore, oft waren die Niederlagen knapp, in den Händen hielt man aber dennoch nichts.

Stabilisierung junger Spieler

Der neue Trainer muss die Offensive stärken, die Kreativ-Abteilung beleben. Vor allem aus der Mittelfeld-Zentrale heraus passiert zu wenig, Ideen und Überraschungen sind Mangelware. Viel zu oft wird quer und nach hinten gespielt, anstatt schnell und direkt in die Spitze.

Mario Gomez (M.) wechselte im Wibnter vom VfL Wolfsburg zu den Schwaben, wo einst sein Stern aufging
Mario Gomez (M.) wechselte im Wibnter vom VfL Wolfsburg zu den Schwaben, wo einst sein Stern aufging © imago / Pressefoto Baumann

So wird sich Reschke bis zum kommenden Mittwoch sicher auch noch auf dem Transfermarkt nach der einen oder Verstärkung umschauen. Viel Zeit hat er nicht mehr, aber einen erfahrenen Lenker im Mittelfeld könnte der VfB sicher gut gebrauchen. Auch um einen Mario Gomez im Sturmzentrum zu bedienen, der dort zuletzt doch recht verlassen wirkte.

>>> Mario Gomez im Interview nach der Niederlage gegen Schalke

Der neue Trainer braucht zudem ein Händchen für junge Spieler. Benjamin Pavard, Santiago Ascacibar, Chadrac Akolo, Berkan Öczan, Dzenis Burnic oder auch der zuletzt verpflichtete Jacob Bruun Larsen – sie alle sind große Talente, aber zuletzt auch großen Leistungsschwankungen unterworfen. Nicht immer wirkte es in den letzten Wochen so, als ob sie den nervlichen Belastungen im Abstiegskampf gewachsen wären. Diese jungen Spieler zu stabilisieren – auch das wird für den neuen Trainer eine große Aufgabe werden.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer

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