Stuttgart - Bruno Labbadias Bitten sind erhört worden. Acht neue Spieler verstärken den VfB Stuttgart zur neuen Saison. Der Trainer hatte ja auch häufig genug moniert, dass sein Kader zu klein sei: nicht ausgelegt für die Belastung in drei Wettbewerben, zu schmal für die hohen Ansprüche. Die Klagen gehören der Vergangenheit an - aber auch die Ausreden bei Misserfolg.

52 Pflichtspiele spulten die Stuttgarter im Vorjahr ab, einzig der FC Bayern musste häufiger ran. Stuttgart schleppte sich auf dem Zahnfleisch durch die Endphase. Besonders deutlich wurde das in der vergangenen Rückrunde, wo Kraft, Konzentration und Alternativen fehlten. In der Rückserie holte Labbadias Mannaschaft sieben Punkte weniger als in der Hinrunde. Es hagelte zehn Gegentore nach Ballverlusten - die meisten aller Teams. Und nach der Halbzeitpause verlor die Mannschaft regelmäßig die Ordnung: 20 Gegentreffer kassierten die Schwaben nach dem Seitenwechsel.

Nun hat sich der VfB neu aufgestellt, alle Positionen im Kader sind mindestens doppelt besetzt. Plötzlich herrscht Konkurrenzkampf. Sportvorstand Fredi Bobic sagt: "Wir wollen wieder da rein, wo wir uns selbst sehen, in den Kampf um die europäischen Plätze." Dafür mussten neue Spieler her. Das Anforderungsprofil: talentiert, entwicklungsfähig, deutschsprachig.

Neuzugänge: Breiterer Kader, mehr Alternativen



Das erfüllen alle Neuzugänge. Nur beim Norweger Mohammed Abdellaoue, der aus Hannover kam, und dem neuseeländischen Youngster Marco Rojas hapert es noch an der Sprache. In Konstantin Rausch, Daniel Schwaab und Moritz Leitner lotste Bobic drei Profis in den Süden, die direkt in die Startelf rutschen könnten. Alle drei sind auf verschiedenen Positionen einsetzbar. Rausch und Schwaab sind Kandidaten für die Abwehrkette, können aber auch im Mittelfeld auflaufen. Leitner kann im Mittelfeld defensiv und offensiv spielen. Bei Formtiefs oder Verletzungen verfügt Labbadia künftig also über hochwertige Alternativen.

Das gilt auch für den Sturm, wo Abdellaoue als erster Konkurrent von Ibisevic bereitsteht. Mit dem genesenen Cacau hat Labbadia einen motivierten Routinier in der Hinterhand. Nötig waren frische Kräfte: Stuttgart blieb als einzige Mannschaft komplett ohne Jokertor und erzielte ligaweit die wenigsten Treffer in der Schlussviertelstunde.

Im Schatten der Etablierten sollen sich Talente weiterentwickeln: Patrick Funk (23), nach Leihe aus St. Pauli zurück, und Rani Khedira (19) aus der eigenen Jugend sind Alternativen fürs defensive Mittelfeld. Die dribbelstarken Rojas (21) und Sercan Sararer (23) dürften offensiv zu Einsatzzeiten kommen.

Trainer Labbadia ist zuversichtlich, dass das neue Jahr mit dem breiteren Kader erfolgreicher verläuft. "Wir wollen weit nach vorne kommen", sagt der 47-Jährige, der mit dem VfB in der Liga zuletzt nur auf Rang 12 landete. Labbadias Anspruch für die kommende Spielzeit: raus aus der Grauzone, mehr Highlights setzen - so wie am Ende der Vorsaison. "Das Pokalendspiel hat richtig Hunger gemacht", sagt Labbadia: "Wir haben unheimlich viel daraus mitgenommen."

Mögliche Formation:

Andreas Messmer