Stuttgart - Der VfB Stuttgart steht nach dem 2:2-Remis gegen Braunschweig am Abgrund. Die Fans gehen auf die Barrikaden, der Sportvorstand versucht zu schlichten und der Trainer steht erneut in Frage. Klar ist: Auf den VfB warten schwere Wochen.

Umringt von zahlreichen Journalisten erklärt VfB-Sportvorstand Fredi Bobic im Presseraum des Stuttgarter Stadions noch einmal das ABC des Abstiegskampfs: "Jeder Punkt ist wichtig, jetzt werden keine Schönheitspreise mehr gewonnen. Noch sind wir nicht abgestiegen." Klar war nach einem aus Stuttgarter Sicht wieder einmal niederschmetternden Nachmittag aber auch: Der VfB steckt tiefer denn je im Keller der Liga, das letztlich unglückliche 2:2 gegen den tapferen Tabellenletzten Eintracht Braunschweig war ein erneuter Rückschritt im Kampf um den Klassenverbleib.

Bobic und Wahler suchen Gespräch mit Fans

Über eine Stunde hatte die Presse zuvor warten müssen, bis die beiden Trainer Thomas Schneider und Torsten Lieberknecht den Raum für die anstehende Pressekonferenz betraten. Zuvor hatten aufgebrachte VfB-Fans, die ihre Mannschaft über die 90 Minuten lautstark unterstützten, noch im Stadion das Gespräch mit Bobic und VfB-Präsident Bernd Wahler gesucht. Die zuvor positive Stimmung kippte.

Bobic und Wahler mussten erklären, wie die Schwaben in ein derart negatives Fahrwasser geraten konnten. Nach beinahe zwei Stunden verließen die Fans nach weiteren Unterredungen mit den Spielern das Stadion, die vielen Fragen rund um die Zukunft des VfB blieben.

Bobic: "Überlegen, was zu tun ist..." 

Die wichtigste Frage am Samstagabend: Wie geht es mit Trainer Schneider weiter? Nachdem er bereits in der vergangenen Woche heftig in Frage gestellt wurde, musste er auch auf der Pressekonferenz wieder über seinen Arbeitsplatz reden. "Ich bin nach dem Spiel einfach sehr enttäuscht. Alles andere wird man sehen", sagte Schneider. .

Bobic wollte das vorhergegangene Spiel und die Gesamtsituation erst einmal verdauen. "Ich versuche jetzt, den Kopf frei zu kriegen. Dann werden wir uns zusammensetzen und überlegen, was zu tun ist." 

Fest steht aber auch: Gegen den Trainer hat der VfB gegen Braunschweig nicht gespielt. Zwar starteten die Schwaben äußerst nervös und verkrampft in die Parte, gingen dann auch in Rückstand, zeigten dann aber, dass sie bereit zu kämpfen sind. Der gute Alexandru Maxim und der wiedererstarkte Martin Harnik brachten den VfB zur Halbzeit verdientermaßen in Führung.

War es am letzten Spieltag Maxim, der am leeren Frankfurt-Tor vorbeizielte, so wurde gegen die Braunschweiger ausgerechnet der Anführer Christian Gentner zum Pechvogel. Sein Elfmeter wäre das 3:1 gewesen, Gäste-Keeper Daniel Davari  parierte exzellent. Wieder einmal wirkten die Stuttgarter in der Folge verunsichert, der wieder einmal späte Ausgleich des Braunschweigers Ermin Bicakcic war die beinahe zwangsläufige Folge.

Enttäuschung überall

So hält die Stuttgarter Krise an. "Der Punkt ist eine gefühlte Niederlage. Wir hätten den Sieg verdient gehabt. Jetzt gilt es, die Fehler aufzuarbeiten, hart zu trainieren und das Glück wieder zu erzwingen", sagte ein sichtlich niedergeschlagener Rani Khedira. "Ich kann verstehen, dass die Fans sauer sind. Die gesamte Situation belastet einen, das tut weh."

Mannschaftskollege Harnik meinte: "Ich bin enttäuscht, weil wir es gegen einen direkten Konkurrenten verpasst haben, den Fans etwas zurückzugeben. Sie haben uns sensationell unterstützt." Es sieht nicht gut aus für den VfB. Das spielerische Potenzial scheint zwar vorhanden, zu viele individuelle Fehler gepaart mit einer psychischen Blockade verhindern allerdings den Erfolg. Nun warten mit Werder Bremen, dem Hamburger SV und dem 1. FC Nürnberg drei weitere Abstiegsendspiele. (Alle Abstiegsendspiele im März im Überblick)

"Der Verein steht vor einer Zerreißprobe", weiß deshalb auch Bobic, um sogleich anzufügen: "Der gesamte VfB ist wichtiger als jeder einzelne." 

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer