Wolfsburg - "Wir haben uns die Vorrunde kaputtgemacht", ärgerte sich Bruno Labbadia nach dem 0:1 seines VfB Stuttgart beim VfL Wolfsburg. "Wir müssen uns in den Hintern beißen."

Was den Trainer so in Rage brachte? "Wir haben in den letzten Wochen zu wenig Ertrag für unsere gute Arbeit. Wir haben in der ersten halben Stunde das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben, aber unsere Chancen nicht genutzt."

Was Labbadia bei seinen Spielern vermisst, ist Konzentration über 90 Minuten und Geduld. "Wir haben zu viel zu schnell gewollt, ohne den Angriff richtig vorbereitet zu haben und zu einfach den Ball verloren. Dadurch haben wir die Gegner zu Kontern eingeladen. Nur fünf Prozent Nachlässigkeit werden in dieser Liga bestraft."

"Nach unten schauen"

Nur einen Sieg konnten die Schwaben in den letzten acht Partien der Vorrunde feiern. Statt Kurs Champions League muss der VfB "nach unten schauen", wie Labbadia zugibt. Aber "Sorgen mache ich mir nicht", ist der 45-Jährige optimistisch. "Wir spielen besser als unsere Gegner."

Wie Labbadia waren sich auch die Profis einig, dass sie mit einer "unnötigen Niederlage" (Timo Gebhardt) den Anschluss an die Europapokalplätze verpasst hatten. "Ärgerlich, wenn man sieht, dass Leverkusen verloren hat", war Serdar Tasci mehr enttäuscht als sauer. "Wir haben 20 Minuten gespielt, was wir uns vorgenommen hatten. Wir wollten nach sieben Spielen ohne Sieg unbedingt gewinnen. Dann haben wir Wolfsburg stark gemacht", so der Nationalspieler. Woran es lag, konnte er sich nicht erklären.

Harnik nimmt Schuld auf sich

Da ging Team-Kollege Martin Harnik schon einen Schritt weiter. "Wir haben Wolfsburg 30 Minuten voll im Griff gehabt", analysierte der 24-Jährige und übte sich in Selbstkritik: "Die Niederlage kann man ganz klar an mir festmachen. Ich muss einfach ein zwei Tore machen. Dann brennt hier nichts mehr an. Wolfsburg war doch nur stark bei Standards."

Auch Christian Gentner war ratlos. "Wir haben gut begonnen. Dann haben wir nur noch lange Bälle gespielt. Das ist überhaupt nicht unser Spiel", so der "Ex-Wolf", der bei seiner Rückkehr nach Wolfsburg seinem ehemaligen Mitspieler Marel Schäfer die Vorlage zum 0:1 nicht verzeihen wollte. "Das war unsportlich."

"Wir machen unsere Chancen nicht rein. Das war ja nicht nur heute so", vermisste Cacau Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und forderte: "Wir müssen mutiger spielen und noch mehr Chancen kreieren."

Cacau: "Angst habe ich nicht"

Den VfB Stuttgart trennen nach einem starken Start in die Saison zur Winterpause nur noch sechs Punkte von Relegationsplatz 16. Doch einen Absturz des Deutschen Meisters von 2007 in den Abstiegskampf wie in der Vorsaison befürchtet der Nationalstürmer nicht.

"Angst habe ich nicht, aber die letzten Wochen sollten uns zum Nachdenken bringen", will der Spielführer auf entsprechende Nachfrage von bundesliga.de davon nichts hören.

Hoffnung auf Wiedergutmachung im Pokal

Bei aller Ratlosigkeit über den Einbruch nach 30 Minuten, den unbefriedigenden Ergebnissen der letzten Wochen sowie der Konzentrationsmängel bei seinen Spielern hat Labbadia noch einen Weihnachtswunsch: Glücksgöttin Fortuna möge sich mal wieder nach Stuttgart verirren. "Wir haben einfach kein Glück - und das nicht nur heute. Nehmen Sie das Spiel gegen Köln. Da waren wir klar überlegen und kassieren kurz vor Schluss den Ausgleich."

Vielleicht kommt das Glück ja schon am Mittwoch zurück. Da kommt der Hamburger SV zum DFB-Pokalsspiel an den Neckar. Und "der Pokal ist für und die größte Chance auf einen Platz in Europa", weiß Tasci: "Da werden wir noch einmal alles geben - und dann geht s in der Rückrunde von vorne los."

Die Vorrunde haben sich die Schwaben kaputtgemacht. Am Mittwoch haben sie die Gelegenheit, sich wenigstens noch ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs