Hannover 96 und Energie Cottbus haben beide zum Auftakt mit 0:3 verloren. Am Freitag (ab 20 Uhr im Live-Ticker ) treffen sie im direkten Duell aufeinander.

Den Saisonstart hatte sich Energie Cottbus ganz anders vorgestellt. Rein tabellarisch betrachtet befinden sich die Ostdeutschen nach ihrer 0:3-Heimniederlage gegen Hoffenheim auch in ihrem sechsten Jahr in der Bundesliga direkt mitten im sportlichen Überlebenskampf.

Zu viele Fehler

"Wir haben nicht unser wahres Gesicht gezeigt", meinte Cottbus-Trainer Bojan Prasnikar nach der enttäuschenden Vorstellung seiner Mannschaft. "Keine Bewegung, keine Aggressivität, viel zu langsam. Zu viele Fehler, zu weit weg von den Gegenspielern. Das wurde sofort bestraft."

Erinnerungen an das Vorjahr werden wach, als Energie den Saisonstart völlig verpatzte und erst am 12. Spieltag den ersten Sieg einfuhr. Doch während damals der Fehlstart mit dem sportlichen Aderlass durch viele Spielerabgänge begründet wurde, passt diese Erklärung diesmal nicht. Nur einen Neuzugang (Außenverteidiger Savo Pavicevic) präsentierte Prasnikar in der Startaufstellung seiner eingespielten Elf.

Wieder kämpfen und zerstören

Auf die fehlende Durchschlagskraft im Angriff reagierte der Coach unter der Woche mit gezieltem Training von Standardsituationen. Wenn es aus dem Spiel heraus nicht klappt, muss es eben über den ruhenden Ball gehen. Außerdem muss sich die Truppe schleunigst auf ihre Tugenden besinnen. "Unsere Stärke war stets, die Zweikämpfe zu gewinnen und das Spiel des Gegners zu zerstören", fordert Energie-Kapitän Timo Rost.

Für das Spiel in Hannover kündigte Prasnikar personelle Änderungen an, da Pavicevic angeschlagen ist und einige der sechs abgestellten Nationalspieler bis Freitag nicht schnell genug regenerieren können. "Es wäre zu riskant, alle sechs zu bringen", so der Slowene. "Aber wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet."

Schlechte Erinnerungen

Am letzten Spieltag der vergangenen Saison kam Cottbus in Hannover mit 0:4 unter die Räder. "Das 0:4 konnten wir mit der vorangegangenen Klassenerhaltsfeier erklären. Diesmal gibt es keine Entschuldigung, wir wollen mit voller Kraft und Konzentration in Hannover bestehen", verlangt Prasnikar.

Statistisch gesehen müsste es in der AWD-Arena einen Sieger geben. Denn in den bisherigen sechs Begegnungen gab es noch kein Unentschieden und jeweils drei Siege für Hannover und Cottbus, bei einem Torverhältnis von 11:9 für den FC Energie.

Selbstbewusst

96-Trainer Dieter Hecking ist felsenfest davon überzeugt, dass seine Mannschaft die drei Punkte holen wird: "Zwar gibt es in der Bundesliga keine Selbstläufer, aber ich bin mir trotzdem sicher, dass Cottbus geschlagen wird." Der Coach der "Roten" tendiert dazu, der gleichen Elf, die zum Saisonstart beim 0:3 in Schalke chancenlos blieb, die Chance zur Wiedergutmachung zu geben.

Ein Fragezeichen steht allerdings noch hinter Steven Cherundolo, der am Mittwoch noch mit der US-Nationalmannschaft in Guatemala ein WM-Qualifikationsmatch bestritt. "Er ist sehr erfahren und ich kann mir denken, dass er das Reisen und das Spiel unter der Woche gut wegsteckt", hofft Hecking auf den Einsatz seines dienstältesten Profis, der wie sieben weitere 96-Nationalspieler auf Reisen war.

Startschuss gegen Energie

"Klar wäre es besser, wenn wir mit dem vollen Kader trainieren könnten. Aber die Tatsache, dass wir viele Spieler bei ihren Nationalmannschaften haben, macht uns schon stolz."

Zum Spiel gegen Energie Cottbus erwartet Hannover 96 rund 36.000 Zuschauer und eine bis in die Haarspitzen motivierte Mannschaft, die mit einem Sieg einen klassischen Fehlstart vermeiden will. "Gegen Cottbus müssen wir punkten", fordert Hannovers Nationalstürmer Mike Hanke. "Da fängt die Saison für uns erst richtig an."

Tobias Gonscherowski