Hannover - Wem das Ergebnis nicht bekannt war, konnte nach dem 1:0 von Hannover 96 gegen den 1. FC Köln in der Mixed Zone nur den Eindruck gewinnen, dass die Gäste drei Punkte aus der HDI Arena entführt hatten.

Während die Kölner sich gelöst den Journalisten stellten, wirkten die Gastgeber ratlos. "Mega-Glück und ein Tor mehr", war für Leonardo Bittencourt das Positive, aber "damit darf man nicht zufrieden sein". "Es war bestimmt nicht unse bestes Spiel", gab Kapitän Christian Schulz zu. "Die Pfiffe der Fans kann ich verstehen, aber in ein, zwei Tagen redet keiner mehr darüber, wie die Punkte geholt wurden."

96-Einbruch nach starkem Beginn

"Wir haben stark begonnen und die ersten 30 Minuten das Spiel kontrolliert", analysierte Tayfun Korkut. "In der zweiten Halbzeit haben wir uns entschieden, tiefer zu stehen und über die Runden zu kommen. Köln war der erwartet starke Gegner."

Eine Analyse, die von der Statistik gedeckt wird. 71 Prozent Ballbesitz für Hannover wurde nach einer halben Stunde vermeldet, am Ende der Partie waren es nur noch 45 Prozent. Die meisten Ballkontakte in den Reihen der Niedersachsen hatte bezeichnenderweise Keeper Ron-Robert Zieler.

Korkut: "Sind keine Spitzenmannschaft"

Mit zehn Punkten liegt Hannover auf Champions-League-Rang drei. Doch davon will Korkut nichts wissen. "Wir sind keine Spitzenmannschaft", konstatiert der 96-Trainer. "Wir befinden uns im Umbruch und wollen hier was aufbauen. Unser Saisonziel ist eine bessere Platzierung als in der Vorsaison." Die hatte Hannover auf Rang 10 beendet.

Eine Sichtweise, die seine Spieler verinnerlicht haben. "Die Tabelle interessiert uns im Moment nicht", so Bittencourt. "Wir haben jetzt zwei schwere Auswärtsspiele vor uns." Hannover muss am Samstag beim VfB Stuttgart antreten und dann zum Rekordmeister Bayern München. "Danach können wir mal auf die Tabelle schauen."

Ergebnis ärgert Horn mehr als Serien-Ende

Fünf Minuten und zwei Sekunden waren gespielt, als Joselu die Serie von Kölns Timo Horn, der als erster Torwart der Bundesliga-Geschichte seine ersten vier Spiele im Oberhaus zu Null gespielt hatte, beendete. "Irgendwann musste es ja so kommen", hakte der U21-Nationaltorwart den Gegentreffer schnell ab. "Ärgerlicher ist, dass wir hier nichts geholt haben. In der zweiten Halbzeit hat Hannover doch nichts mehr nach vorn gebracht."

"Es geht nicht um die Serie", sagte auch Marcel Risse. "Wir hätten trotz des Gegentores noch gewinnen können. Das war eine absolut unnötige Niederlage. Wir hatten Chancen genug. Ich habe lange keine Mannschaft gesehen, die so ein Spiel gewinnt."

"Wir werden den Bayern nichts schenken"

Noch krasser drückte es Jörg Schmadtke aus. "Wir haben sie an die Wand gespielt. Wenn wir am Ende ein Tor machen, kippen die aus den Latschen", so Kölns Sportdirektor nach dem Spiel bei seinem Ex-Club.

Lob für seine Spieler gab es von Peter Stöger: "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, waren in der zweiten Halbzeit dominant", so Kölns Trainer: "Auf Sicht tut es gut. Meine Jungs haben gemerkt, dass sie mithalten können." Gemerkt und verinnerlicht. "Wir müssen aus diesem Negativerlebnis das Positive mitnehmen", blickte Daniel Halfar voraus auf die Kommenden Partien. Am Samstag kommt der FC Bayern München in die Domstadt (Duell-Vorschau).

"Vor dem Spiel gegen Bayern einen Aufsteiger zu fragen, ob was drin ist...", schüttelte Schmadtke auf die entsprechende Frage den Kopf. "Sagen wir mal so: Wir werden ihnen nichts schenken."

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs