Köln – In der bundesliga.de-Serie über die Guardiolas Bayern war mehrfach die Rede davon, dass Pep Guardiola "dieses Tiki-Taka hasst". Außerdem wurden mehrere Ideen seines Spielsystems angerissen, ohne ins Detail zu gehen. In diesem Artikel stellen wir die Spielweise Guardiolas etwas genauer vor.

Dieser Artikel ist Teil der Serie "Guardiolas Bayern", die am Montag begonnen hat.

"Ich hasse dieses Tiki-Taka" haben sie in den letzten Tagen mehrfach auf bundesliga.de gelesen, wenn sie die Serie über Pep Guardiola verfolgt haben. Vielleicht haben sie sich gewundert, sind doch enorm viele Pässe ein Erkennungsmerkmal der Bayern. Und hat nicht Pep das Tiki-Taka beim FC Barcelona groß gemacht? Um das aufzuklären bedarf es zweierlei Erklärungen. Die eine ist ganz simpel. Denn in Spanien heißt der schnelle, direkte Spielstil, der bei Barca so faszinierend war "El Toque". Tiki-Taka wird dort spottend für Ballgeschiebe ohne Raumgewinn benutzt.

15 Pässe bevor der Angriff rollt

Die zweite Erklärung geht etwas mehr in die Tiefe und hat taktische Hintergründe. Das Spiel der Bayern ist selbstverständlich auf viele Pässe ausgelegt. Guardiola betonte aber schon mehrfach, dass "diese Pässe kein Selbstzweck" sind. Sie dienen dazu, einen Angriff vorzubereiten.

Dass sich die Zahl der Zuspiele dennoch in der letzten Saison auf 693 pro Spiel erhöht hat, liegt daran, dass laut Guardiola mindestens 15 Pässe gespielt werden müssen, bevor ein Angriff gestartet wird. Um diese Zuspiele schnell und flüssig spielen zu können, wird in so gut wie jede Einheit das "Rondo" trainiert.

Dabei stehen zwei Spieler in der Mitte, sechs bis acht im Kreis. Der Ball wird direkt gespielt, wer den Ball verliert muss in die Mitte.

Mit den erwähnten 15 Pässen werden die Verteidiger von ihren Positionen gelockt, Lücken geöffnet und die Außenbahnen von Gegenspielern befreit. Dann kommt die erste Welle. In dieser Angriffsaktion geht es darum, den Gegner noch weiter zu verwirren und auseinander zu ziehen. Aus den Pässen im Zentrum wird der Ball auf Außen gespielt, von wo aus er ins Zentrum geflankt wird. Ist der Ball schon im Tor, gut.

Wichtig ist aber, dass die Aktion nicht darauf ausgelegt ist. Es geht darum, dass die Abwehr den Ball zu klären versucht, die Bayern ihn dann erobern und eine Defensive ohne Ordnung überrennen. Der hohe Ballbesitz und die vielen Pässe ergeben sich zwangsläufig da der FCB den Ball schnell wieder hat und wenn sich die direkte Möglichkeit auf ein Tor nicht ergibt, wieder von vorne beginnt.

Möglichst geringe Entfernungen

Damit das funktioniert ist eine besondere Form der Verteidigung nötig. Im Vergleich zwischen dem System Guardiolas und dem von Jupp Heynckes haben wir festgestellt, dass Guardiolas Innenverteidiger über vier Meter weiter nach vorne rücken, als das bei Heynckes der Fall war.

Wie im (stark vereinfachten) Bild zu sehen ist, wird der Raum, den die Bayern abdecken müssen dadurch wesentlich kleiner (um die rote Fläche). Das ist elementar, da so die Entfernungen zwischen den einzelnen Spielern kleiner werden und sie sich gegenseitig unterstützen können, wenn der Ball verloren oder vom Gegner abgewehrt wird.

In der zweiten Darstellung sieht man, wie nah die Spieler beieinander stehen, wenn die Abwehr aufgerückt ist. Man sieht gut, dass bei Ballbesitz viele Dreiecke entstehen, die für schnelles, direktes Passspiel nützlich sind. Und sollte der Ball verloren gehen, haben die Münchener überall Spieler, die die Räume verdichten und den Gegner daran hindern, schnell und präzise zu spielen.

Lange Bälle fängt Manuel Neuer ab. So soll das Konterspiel unterbunden werden, das Guardiola durchaus fürchtet.

Diese Spielweise erfordert zum einen ein hohes Maß an Organisation auf dem Feld. Desweiteren müssen die Spieler die taktische Intelligenz besitzen, um das System zu verinnerlichen. Wenn nicht alle Spieler mitarbeiten, kann schnell viel passieren. Das sieht man beim FCB in den schwächeren Spielen, wenn der Gegner zu vielen Chancen kommt. Und es bedarf einer starken Defensive um auf jede Abwehraktion des Gegners eine passende Reaktion zu finden. In diesem Zusammenhang ist auch die Verpflichtung Xabi Alonsos zu sehen.

Sebastian Stenzel

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