Fürth - Es war das erwartet schwere Spiele. Mit einer immensen Kraftanstrengung konnte sich Borussia Dortmund im DFB-Pokal-Halbfinale gegen die starke Fürther Elf durchsetzen. Nach getaner Arbeit wäre man dann allerdings fast ohne den Torschützen zurück ins Ruhrgebiet geflogen.

Jürgen Klopp war des Lobes voll über den Gegner. "Ich bin beeindruckt. Das ist die beste Mannschaft, die je in Fürth gespielt hat. Sie ist toll zusammengestellt und hat ein tolles Umschaltspiel." Mit dieser "fantastischen Qualität", so der BVB-Trainer, "gehört man absolut in die Bundesliga." Der eigene Sieg sei dennoch "nicht unverdient", schließlich habe man "die besseren Torgelegenheiten" gehabt.

BVB-Glückspilz und Fürther Pechvogel



Tatsächlich vergaben Kevin Großkreutz (31.), Marcel Schmelzer (56.) und Shinji Kagawa (58.) einige gute Möglichkeiten, während die sowohl läuferisch als auch spielerisch überzeugenden Fürther sich im ersten Durchgang keine nennenswerten Torchancen erarbeiten konnten.

Insgesamt zeigte sich dennoch, dass beide Teams in ihren jeweiligen Ligen aus ähnlichen Gründen an der Tabellenspitze stehen. Sowohl die Fürther als auch die Dortmunder Equipe besteht aus ballsicheren, technisch gut geschulten Spielern, die ein Tempo vorlegen, das für die meisten Konkurrenten ihrer Spielklasse schlicht zu hoch ist. Das bessere Ende hatte dennoch der BVB für sich. Beim Stande von 0:0 hatte Fürth-Trainer Mike Büskens in der 118. Spielminute Jasmin Fejzic für Max Grün eingewechselt - der 26-Jährige gilt als Elfmetertöter und schien deswegen wie prädestiniert für das, womit auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke "felsenfest" gerechnet hatte: "Ich hatte mich schon auf das Elfmeterschießen eingerichtet."

Doch wenige Sekunden nach dem Torwart-Wechsel schnappte sich Dortmunds Ilkay Gündogan den Ball, es sollte der allerletzte Angriff des Spiels werden. Gündogans Schuss krachte an den Pfosten, von dort an den Rücken des am Boden liegenden Fejzic - und schließlich ins Netz. Das DFB-Pokal-Halbfinale zwischen dem Tabellenführer der Bundesliga und dem Ersten der 2. Bundesliga war entschieden. Der Favorit hatte sich durchgesetzt.

Gündogan spricht von "unbeschreiblichem Glücksgefühl"



Gündogan, der wegen seiner Vergangenheit in Nürnberg einigen Pfiffen ausgesetzt war, freute sich umso mehr über den Treffer, den Klopp ("Er hat Geschichte geschrieben") als "Eintrittskarte zu Borussia Dortmund" bezeichnete. Der Schütze selbst war nach dem Schlusspfiff noch ganz entrückt und sprach von einem "unbeschreiblichen Glücksgefühl. Man muss so etwas selbst erlebt haben, um das begreifen zu können."

Auch Innenverteidiger Neven Subotic war überglücklich: "Erleichterung ist das falsche Wort für das, was dieser Adrenalinstoß nach dem Tor bewirkte." Der Erfolg sei auch ein Resultat der guten Dortmunder Defensivarbeit. "Wir haben in der gesamten Pokalrunde kein einziges Gegentor kassiert: Das zeigt, wie die Mannschaft nach hinten arbeitet. Das ist eine unserer großen Stärken."

Fast den Matchwinner vergessen



Ob er eine Präferenz bezüglich des kommenden Finalgegners habe, wurde Subotic dann noch gefragt. "Wenn ich einen hätte, würde ich ihn nicht verraten", antwortete Subotic, der die zweite Halbfinalpartie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München vor dem heimischen Fernsehgerät verfolgen wird.

Das wird wohl auch Ilkay Gündogan tun. Der Siegtorschütze hatte am Dienstagabend eine Schrecksekunde zu überstehen. Als er nach dem Interviewmarathon aus dem Innenraum des Stadions trat, war der Dortmunder Mannschaftsbus gerade ohne ihn abgefahren. Seine Teamkollegen bemerkten den Irrtum allerdings kurz darauf. Und nahmen den Mann des Tages dann doch noch mit zum Nürnberger Flughafen.

Aus Fürth berichtet Christoph Ruf