Dortmund - Schock für Borussia Dortmund: Der japanische Fußballverband hat Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc am heutigen Mittwochnachmittag darüber informiert, dass sich Shinji Kagawa beim Asien-Cup im Halbfinalspiel gegen Südkorea (3:0 i.E.) verletzt hat und ausgewechselt werden musste. Es besteht der Verdacht, dass der rechte Mittelfuß gebrochen sein könnte.

Der BVB hat umgehend mit Shinji Kagawa Kontakt aufgenommen. Der Mittelfeldspieler kehrt so schnell wie möglich nach Dortmund zurück, damit sich Mannschaftsarzt Dr. Markus Braun ein genaues Bild über die Schwere der Verletzung machen kann.

"Das trifft uns schwer"

"Das trifft uns schwer. Er war die prägende Figur in der Hinrunde. Die Saison ist in dreieinhalb Monaten zu Ende, und ein Mittelfußbruch ist keine unerhebliche Verletzung. Es wird eng", sagte BVB-Vorstandschef Hans-Joachim Watzke.

Aus sportlicher Sicht wiegt der Verlust Kagawas schwer. "Geschockt war ich, als ich vom Tod von Bernd Eichinger erfahren habe", sagte Klopp auf die Frage nach seinen Gefühlen und ergänzte: "Das ist eine unerfreuliche Nachricht. Aber wir warten ab, bis wir eine seriöse Untersuchung haben."

Kagawas Berater Bernhard Schmittenbecher, der für die Agentur Pro Profil GmbH den Spieler betreut, sagte: "Für den Jungen ist es natürlich ein bitterer Schlag. Möglicherweise kann er die Meriten nicht selbst einsammeln, sondern muss zuschauen."

Star aus dem Nichts

Kagawa war quasi aus dem Nichts zum Bundesliga-Star geworden, in der Hinrunde trieb er die junge Dortmunder Mannschaft als Motor zur Höchstleistung. In 17 Bundesliga-Spielen erzielte er insgesamt acht Tore, präsentierte sich trickreich, technisch und taktisch versiert, dazu kaltschnäuzig im Abschluss.

Auch abseits des Platzes hat sich Kagawa schnell eingelebt. "Ich liebe Bratwurst und bin beeindruckt von den vielen blonden Frauen", sagte er jüngst. Die wichtigsten Begriffe wie Abseits, Außenlinie, Abspiel hat er längst auch in deutscher Sprache parat. Seine Fans lieben ihn sowieso seit der ersten Minute - und erst recht, seit er das Derby gegen Schalke 04 entschied. "Kagawa passt zum BVB wie Soja-Sauce zum Sushi", schrieb eine Zeitung.

Jugend beim "FC Miyagi Barcelona"

Der 21-Jährige verbrachte seine Kindheit in Kobe, kickte mit Freude und Freunden. Es war nicht weit zum Meer in Tarumi-ku, dem westlichsten Teil der Großstadt in der Präfektur Hyogo. Zwischen Hügeln und Wasser schlängelt sich dort die Nationalstraße 2 entlang, und auch der Aufstieg Kagawas verlief nicht geradlinig. Noch 2009 spielte er in der 2. Liga für seinen Klub, der übersetzt "Kirschbaum" heißt, vorher für den FC Barcelona. Zumindest durfte er sich das einbilden, denn "FC Miyagi Barcelona" nannte sich sein Jugendverein.

1995 überstand er mit seiner Familie in Kobe das verheerende Erdbeben. Tausende Menschen starben, der kleine Shinji war fünf Jahre alt. "Mein Vater musste sich an einen Schrank klammern, um nicht durch das Zimmer geschleudert zu werden", erzählt er. Das Elternhaus hielt stand, und aus dem kleinen Stöpsel konnte sich ein Fußballer entwickeln, der Japan verzaubert - und die Bundesliga obendrein. Jetzt ist der Höhenflug vorerst gestoppt.