Beim VfL Wolfsburg geben sich zur Saison 2009/10 zwei Meister-Macher die Klinke in die Hand. Armin Veh, der den VfB Stuttgart 2007 zum Titel führte, tritt das schwere Erbe von Trainer Felix Magath an.

Wie der zukünftige Schalke-Coach wird Veh bei den "Wölfen" als Trainer, Geschäftsführer und Manager arbeiten. Sein Vertrag läuft bis 2011.

"Es ist eine schöne und reizvolle, wenngleich auch schwierige Aufgabe", erklärte Veh bei seiner offiziellen Vorstellung. Die "Wölfe" will er dauerhaft in der Spitzengruppe etablieren: "Wir werden uns, weil wir oben weiter mitmischen wollen und auch Champions League spielen, sicher verstärken."

bundesliga.de stellt den 48-Jährigen sowie die Höhen und Tiefen seiner Karriere vor.

Aktive Laufbahn ohne große Highlights

Armin Veh, der zwischen 1979 und 1985 insgesamt 65 Bundesliga-Spiele für Borussia Mönchengladbach bestritt, blieb als Profi der ganz große Erfolg verwehrt. Die "Fohlen" erreichten 1980 zwar das Uefa-Cup-Finale, unterlagen aber nach Hin- und Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt (3:2/0:1). Auf dem Platz stand Veh dabei allerdings nicht.

Die Karriere des Augsburgers endete schließlich bei der SpVgg Bayreuth in der 2. Bundesliga. Nach einem Gastspiel bei seinem Heimatklub FC Augsburg, für den er 1978/79 auch sein Profi-Debüt feierte, war Veh 1987 bis 1990 bei den Oberfranken aktiv. Anhaltendes Verletzungspech zwang ihn jedoch zum Aufhören.

Erfolgreiche Arbeit in den unteren Klassen

Der damalige Bayernligist FC Augsburg ermöglichte Veh 1990 den Einstieg in den Trainerjob. Vier Jahre später führte er die Schwaben in die Regionalliga, ehe er sich zur Saison 1996/97 bei Greuther Fürth anheuerte. Mit den "Kleeblättern" schaffte der Coach den sofortigen Aufstieg in die 2. Bundesliga, doch als es in der Folgesaison nicht so gut lief, wurde er entlassen.

Von Juli 1998 bis Dezember 2001 war Veh für den SSV Reutlingen tätig, mit dem er 2000 ebenfalls in die 2. Bundesliga aufstieg. Am 12. Dezember 2001 trat der zweifache Familienvater von seinem Posten zurück, um ab Januar 2002 den Trainerposten beim damaligen Bundesligisten Hansa Rostock zu übernehmen.

Der Club von der Ostsee sollte zum Sprungbrett auf die große Fußballbühne werden, führte letztendlich aber zum größten Karriere-Rückschlag.

Heimweh führt zur größten "Dummheit"

Mit Hansa Rostock schaffte Veh zwei Mal in Folge den Klassenerhalt, doch als es zu Beginn der Saison 2003/04 nicht rund lief, warf er nach vier Niederlagen in Serie das Handtuch. "Damals in Rostock aufzuhören, war eine Dummheit. In unserem Geschäft darfst du nicht von selbst aufhören - so wie ich", sagt Veh heute über seinen damaligen Entschluss.

Veh, den es wieder in seine Heimat zum FC Augsburg zog, galt im Profibereich trotz seines Fingerspitzengefühls im Umgang mit jungen Talenten, als nicht mehr vermittelbar. Experten schrieben den damals 42-Jährigen ab, zumal er mit den Augsburgern 2004 am Aufstieg in die 2. Bundesliga scheiterte und schon im Oktober wegen Erfolglosigkeit entlassen wurde.

Eineinhalb Jahre war Veh arbeitslos, ehe ihm der VfB Stuttgart überraschend die Rückkehr auf die Bundesliga-Bühne anbot.

Offensive ist Trumpf

Beim VfB trat Veh im Februar 2006 die Nachfolge von Startrainer Giovanni Trapattoni an, der für viele im Verein zu defensiv spielen ließ. Der neue Trainer versprach attraktiven Offensivfußball. Mit dem SSV Reutlingen hatte Veh in der Aufstiegssaison 1999/2000 sogar die 100-Tore-Marke geknackt (102 Tore/87 Punkte).

Zwar landete Veh mit den Schwaben im ersten Jahr nur auf Rang neun, doch in der Folgesaison startete er durch - und dass, obwohl er als einer der größten Wackelkandidaten auf dem Trainerstuhl gehandelt wurde. Stuttgart bejubelte am Saisonende die Meisterschaft und brachte Bundesliga-Stars wie Thomas Hitzlsperger, Christian Gentner oder Mario Gomez hervor. Gentner trifft Veh in Wolfsburg nun wieder.

Erfolg muss auch bestätigt werden

Den überraschenden Erfolg konnte Veh mit seiner Meister-Mannschaft allerdings nicht bestätigen. In der folgenden Spielzeit reichte es nur zu Rang sechs in der Tabelle und als die Stuttgarter 2008/09 bis auf Platz elf abrutschten, zogen die Vereinsbosse die Notbremse.

Ein sich wiederholendes Szenario, denn auch bei Greuther Fürth hatte er den Erfolg des Aufstiegsjahrs nicht wiederholen können. Jetzt übernimmt Veh mit den "Wölfen" den amtierenden Deutschen Meister und steht von Beginn an unter großem Druck. Das "Magath-Erbe" lastet schwer auf seinen Schultern.

Der Schwabe selbst legt die Messlatte hoch an."Auch wenn es nicht einfach wird, so etwas will man natürlich wiederholen", sagt Veh mit Blick auf den Wolfsburger Meistertitel.

Andreas Gellrich