München - Durchatmen ja, Zurücklehnen nein. Der Hamburger SV feierte zwar am vergangenen Samstag mit dem 2:1 gegen Kaiserslautern nach vier sieglosen Spielen endlich wieder einen "Dreier", aber nach zwei Tagen der Erholung stand wieder das Training im Mittelpunkt.

Aufgrund der Länderspielpause steht Armin Veh nur eine kleine Spielergruppe zur Verfügung. "Das kennen wir ja schon und natürlich ist es nicht optimal. Wir können wenig spieltaktische Dinge trainieren", ist der Trainer nicht begeistert.

Denn obwohl der HSV mit elf Zählern auf Platz 7 noch ganz ordentlich dasteht, bisher ist Veh noch auf der Suche nach einem eingespielten und schlagkräftigen System in der Offensive. bundesliga.de nimmt die verschiedenen Aufstellungen des HSV unter die Lupe und präsentiert wissenswerte Fakten.

"Bäumchen-wechsel-dich" auf der "Zehn"

In den acht Pflichtspielen dieser Saison (Bundesliga und DFB-Pokal) versuchte es der "Rothosen"-Coach in sieben Partien mit einem 4-2-3-1. Als einzige Spitze stand in allen acht Fällen Ruud van Nistelrooy in der Startelf. Der Niederländer weist mit vier Toren und einem Assist eine sehr ordentliche Bilanz vor.

Hinter "Van the Man" allerdings, auf der Position des "Zehners", wurde eher "Bäumchen-wechsel-dich" gespielt. Paolo Guerrero (3 Mal), Mladen Petric (2), Piotr Trochowski (1) und Eljero Elia (1) durften sich als Spielmacher versuchen - mit durchwachsenem Erfolg in den sechs Ligaspielen in diesem System.

Umstellung auf 4-4-2

Guerrero führte das Team zu vier Zählern, mit Petric, dem nächsten gelernten Stürmer, gab es drei Punkte. Die beiden Mittelfeldspieler Trochowski (1 Remis) und Elia (1 Niederlage) überzeugten gar nicht als Regisseure.

Zuletzt gegen den FCK (2:1) stimmte zwar das Ergebnis endlich wieder, es fehlten aber weiterhin zündende Ideen und spielerischer Glanz. "Wenn du solche Spiele gewinnst, kann es plötzlich wieder in die andere Richtung gehen", hofft Veh nach dem hart erarbeiteten dritten Saisonsieg.

Er probierte erstmals ein 4-4-2 mit zwei echten Angreifern aus. Eric Maxim Choupo-Moting rückte neben van Nistelrooy in den Sturm, als offensive Außen wirbelten Elia und Jonathan Pitroipa. Dahinter agierten mit Robert Tesche und David Jarolim zwei "Sechser" - Veh verzichtete also auf einen klassischen Spielmacher. Pitroipa gefiel die Veränderung.

"In der Offensive mehr Präsenz"

"Dadurch, dass wir mit zwei Stürmern gespielt haben, hatten wir in der Offensive natürlich mehr Präsenz. Das hat sich schon bemerkbar gemacht, schließlich haben wir auch zwei Tore geschossen", so Pitropas Fazit im bundesliga.de-Interview: "Die Systemumstellung hat uns gut getan. Ich denke, dass das die richtige Entscheidung des Trainers war."

Mit dem Fünfer-Mittelfeld spielte der HSV im Vergleich zum Sieg gegen Lautern im Schnitt mehr Pässe (480:444), hatte eine höhere Passgenauigkeit (85,6:78,2 Prozent) und gab mehr Torschüsse ab (13,7:12,0). Aber sowohl die Schussgenauigkeit (50:39,4 Prozent) und vor allem die Chancenverwertung (20:15,2 Prozent) der "Rothosen" waren höher.

Mainzer Wechselspiele erfolgreich

Sollte Veh seine Hamburger also dauerhaft im 4-4-2 mit Viererkette im Mittelfeld auflaufen lassen, weil das System generell erfolgreicher ist? Ein Patentrezept gibt es wohl nicht, schon der nächste Gegner verdeutlicht das. Trotz viel Rotation kristallisierte sich bei Thomas Tuchels furiosen Mainzern Lewis Holtby als offensiver Fixpunkt heraus - sei es in einem 4-3-2-1, im drei Mal praktizierten 4-2-3-1 oder im vier Mal gespielten 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld.

Mit zwei Toren und sechs Assists war Holtby an acht der 18 Treffer der 05er direkt beteiligt - und die acht Scorerpunkte sowie die sechs Vorlagen sind jeweils die Bestwerte der Liga.

Klopp und die Dortmunder Anti-Roatation

Die zweite Torfabrik mit ebenfalls 18 erzielten Treffern, Borussia Dortmund, setzt im Gegensatz zu den rotierenden 05ern auf ein eingespieltes Team mit festem System. In allen zwölf Pflichtspielen der Saison schickte Jürgen klopp eine 4-2-3-1-Formation aufs Feld, zehn Siege sprangen dabei heraus. Acht Akteure standen in allen sieben Bundesliga-Spielen immer in der Startelf.

Shinji Kagawa absolvierte den Part in der Offensiv-Zentrale ähnlich überragend wie Holtby. Vier Treffer und ein Assist gehen auf das Konto des jungen Japaners. Sowohl der BVB als auch die 05er haben also unabhängig vom System einen dominierenden Regisseur in ihren Reihen - das scheint das Erfolgsrezept zu sein.

Nach dem Kampfsieg gegen den Aufsteiger bereitet sich der HSV auf das Gastspiel bei Spitzenreiter Mainz vor. "21 Punkte nach sieben Spielen sind schon eine Hausnummer. Begeisterung kann ja bekanntlich Berge versetzen", hat Veh Respekt und feilt vor dem Härtetest natürlich weiter an der Mannschaft. "Unser Anspruch ist es, gute Spiele auch in Ergebnisse umzusetzen", so seine Zielsetzung für die nahe Zukunft.

Tim Tonner