Berlin – Was für ein verdienter 2:0-Sieg für Hertha BSC gegen den 1. FC Köln am Dienstagabend im Olympiastadion. Und wie jeder richtig gute Show hatte auch diese ihren Helden. Der hieß Vedad Ibisevic.

Der bosnische Last-Minute-Neuzugang brachte die "Alte Dame" kurz vor der Pause mit 1:0 in Führung. Praktisch mit dem Schlusspfiff erhöhte der Stürmer noch zum 2:0-Endstand. So sorgte der 31-Jährige bei allem, was Blau-Weiß trug, für richtig gute Laune. Erstmals nach 20 Monaten oder über 600 Tage oder 1427 Bundesliga-Minuten durfte Ibisevic wieder über einen Treffer im Oberhaus jubeln.

Große Erleichterung für den Bosnier

"Das ist eine große Erleichterung", freute sich der vom VfB Stuttgart an die Spree gewechselte Goalgetter und fügte an: "Für mich ist das schön, zwei Tore geschossen zu haben." So ein Doppelpack tue schließlich jedem Stürmer gut fürs Selbstvertrauen. "Auf dem Platz fühle ich mich wohl", sagte ein sichtlich erleichterter Ibisevic. Jetzt fehlt dem bosnischen Nationalspieler nur noch ein richtiges Zuhause in Berlin: "Meine Familie ist noch nicht hier", so der Stürmer, und auch eine eigene Wohnung fehle noch. 

Seine Vorgesetzten jedenfalls waren voll des Lobes: "Eine tolle Leistung, ein gutes Spiel gegen einen guten Gegner", sagte Pal Dardai über die Mannschaftsleistung. Seinen Doppelpacker hob der Hertha-Trainer aber besonders heraus: "Wir haben Vedad nicht umsonst geholt. Genau das hat uns gefehlt, einen Spieler mit dem Profil hatten wir vorher nicht", so der Ungar. "Salomon Kalou und Ibisevic haben gut funktioniert." Damit wurde auch Dardais Mut belohnt, mit zwei Stürmern in der Anfangsformation zu starten. Welchen Unterschied das für einen Angreifer macht, brachte Ibisevic auf den Punkt: "Alleine spielt man gegen zwei Innenverteidiger", mit zwei Stürmern hingegen käme man öfter in Eins-gegen-eins-Situationen.

Preetz: "Toreschießen verlernt man nicht"

© imago / Matthias Koch

Dafür ist aber auch nötig, zwei Stürmer in Topform zu haben. "Salomon hat viel gearbeitet, sein körperlicher Zustand ist richtig gut", sagte Dardai über Salomon Kalou, den Nebenmann von Ibisevic. "Sie sind zwei verschiedene Spielertypen". Während Ibisievic "ein richtiger Mittelstürmer" sei, könne sich Kalou gut "absetzen und  drumherum immer wieder Wege finden". Voraussetzung, damit es mit zwei Angreifern funktioniert: "Beide haben auch defensiv gut mitgemacht." Dardai bedauerte lediglich, "dass Salomon nicht getroffen hat." 

Auch Sportdirektor Michael Preetz freute sich mit Ibisevic: "Ich habe gewusst, dass man das Toreschießen nicht verlernt", erklärte der frühere Bundesliga-Torschützenkönig. Ohnehin war der Abend für den Hertha-Manager eine Genugtuung: Mit Ibisevic, Vladimir Darida, Mitchell Weiser sowie Startelfdebütant Niklas Stark standen alle vier Neu-Herthaner in der Startelf – und alle machten ein gutes Spiel. Alles richtig gemacht also bei den Sommer-Verpflichtungen. Und auch Kraft-Vertreter Rune Jarstein sowie Alexander Baumjohann, der nach seiner langen Verletzungszeit durch kürzere Einsätze langsam aufgebaut werden soll, wussten zu gefallen.

Bester Saisonstart seit 2007/08

Nun freuen sie sich bei den Hauptstädtern über den besten Saisonstart seit acht Jahren. Mit dem zweiten Heimdreier in Folge, was es seit fast einem Jahr nicht mehr gab, schraubte Hertha das Punktekonto auf zehn Punkte aus sechs Spielen. Lediglich gegen die Topteams Dortmund und Wolfsburg verloren die Berliner. 

Grund genug für Dardai, seinen Schützlingen am Mittwoch erstmal frei zu geben. Einer hatte das besonders nötig: Vedad Ibisevic, der sowohl gegen Köln als auch zuvor in Wolfsburg jeweils die volle Distanz absolviert hatte. Und das, nachdem er bei seine Ex-Club Stuttgart zuletzt sehr wenig Spielpraxis bekommen hatte. Nicht von ungefähr räumte er nach seinem Galaauftritt gegen den FC ein: "Ich bin total kaputt." Bis Sonntag sollte Ibisevic sich aber wieder erholt haben. Dann steht das Gastspiel seiner Hertha bei Eintracht Frankfurt auf dem Plan.

Aus berichtet Berlin André Anchuelo