Hamburg/Augsburg - Rafael van der Vaart brauchte Platz. Seine Frau Sylvie war nicht zuhause und so konnten der Superstar und sein Söhnchen Damian die Wohnung umräumen, Tische und Stühle aus dem Weg schaffen und sich ein kleines Duell liefern. "Wir kicken oft quer durchs Wohnzimmer", sagte van der Vaart vor der Partie beim FC Augsburg am Freitag (Fr., ab 20 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio), "herrlich entspannend. Wir beiden Jungs hatten viel Spaß."

Der Spielmacher musste sich nach der schwachen Vorstellung seines HSV zuletzt gegen den VfB Stuttgart (0:1) ablenken. Die Schwaben hatten den Taktgeber aus dem Spiel genommen, und ohne die Ideen des Niederländers waren die Hamburger einmal mehr hilflos.

"Wir sind optimistisch"



Doch "bei Damian vergesse ich jede Pleite", sagte van der Vaart der "Bild" und so fordert der 29-Jährige trotzig den vierten Saisonsieg und den ersten Triumph überhaupt gegen Augsburg. "Jetzt müssen wir die drei Punkte holen. Wenn wir daran denken, dass wir kommende Woche Bayern München zu Gast haben, dann ist das Spiel enorm wichtig", sagte van der Vaart. Die Enttäuschung sei verarbeitet. "Wir brauchen die Köpfe nicht hängen lassen", so der Niederländer, "wir sind optimistisch."

Gegen Augsburg hofft der Mann mit dem begnadeten linken Fuß auf ähnliche Freiräume wie im Spielchen mit Damian, um wieder kreativ sein und die Nebenleute in Szene zu setzen. "Jede Mannschaft muss zuhause mehr nach vorne spielen, dadurch bekommen wir im Gegenzug mehr Räume", sagte van der Vaart, der sich wohl aus der Umklammerung von Kevin Vogt zu befreien hat.

"Wenn es uns gelingt, eng an ihm dran zu sein, dann sind wir auf jeden Fall einen Schritt weiter", sagte FCA-Trainer Markus Weinzierl über seine Pläne, van der Vaart an die Kette zu legen. Doch der "kleine Engel" bleibt trotz der Sonderbehandlung gelassen: "Es passiert ja oft, dass ich in Manndeckung genommen werde. Wenn die anderen mehr Platz haben, ist das auch okay. Ich brauche nicht immer zu glänzen."

Beister will sich empfehlen



Ein anderer brennt dagegen beim HSV auf sein Startelf-Debüt und will sich beweisen: Maximilian Beister. Der schnelle U21-Nationalspieler konnte sich nach seiner Rückkehr aus Düsseldorf bisher noch nicht wie erhofft durchsetzen, rückt gegen Augsburg aber für den verletzten Petr Jiracek ins linke Mittelfeld.

Mit seinen Attacken über den Flügel soll der Hobby-Koch dazu beitragen, dass der HSV mit einem Sieg vorerst bis auf Platz 4 vorrückt. Doch im Gegensatz zu den Fans verbietet sich Trainer Thorsten Fink das Träumen vom Europapokal. "Wir sind längst noch nicht so weit, uns solche Ziele zu setzen. Da sollte jeder realistisch sein", sagte der 44-Jährige, "für uns geht es darum, stabile Leistungen abzurufen. Das ist der nächste Entwicklungsschritt."

"Simon wird im Tor stehen"



Gut entwickelt hatte sich zuletzt in Augsburg auch Torhüter Mohamed Amsif. Mit dem 23-Jährigen holte der FCA alle seiner sechs Punkte. Doch gegen den HSV setzt Weinzierl wieder auf den erfahrenen Simon Jentzsch. Der 36-Jährige hat seine hartnäckige Fingerverletzung überwunden.

"Mo hat gut gehalten. Er ist ein junger Torhüter, ihm gehört früher oder später die Zukunft", sagte Weinzierl, "aber Simon wird im Tor stehen. Er ist meine Nummer eins." Dagegen fehlen Spielmacher Ja-Cheol Koo (Knöchelverletzung) und Kapitän Paul Verhaegh (Bänderriss). Für van der Vaart stehen die Chancen also nicht schlecht, wieder Spaß zu haben - wie im Wohnzimmer.



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