München - Er ist bereits ein Mal Deutscher Meister geworden, der Liga-Pokal-Titel 2007 steht auch in seinem Lebenslauf und 2009 gewann er mit der U 21 die Europameisterschaft: Sandro Wagner hat mit seinen 23 Jahren schon auf vielen Fußball-Bühnen gespielt, doch eine neue Hauptrolle scheint den Stürmer von Werder Bremen derzeit zu beflügeln.

Vor ein paar Wochen ist Wagner Vater einer Tochter geworden und seit Luca-Marie auf der Welt ist, läuft es für den Werderaner.

Vier Tore in drei Spielen

Am 25. Spieltag schoss Wagner gegen den SC Freiburg sein erstes Bundesligator, am 26. Spieltag folgte der erste Kopfballtreffer hinterher, und am vergangenen 27. Spieltag sorgte der Stürmer mit zwei Toren vom Elfmeterpunkt für seinen ersten "Doppelpack".

Auch dank seiner Tore kletterte der SV Werder im März von Platz 15 auf Rang 12, der Relegationsplatz ist nicht mehr einen, sondern mittlerweile vier Zähler entfernt. Und die Hanseaten haben nach dem Weggang von Hugo Almeida im Winter neben Claudio Pizarro endlich wieder einen zweiten Stürmer, der derzeit trifft.

Allofs: Wagner holt sich Selbstvertrauen durch "einfache Dinge"

Klaus Allofs erkennt im aktuellen Lauf von Wagner einen Trend für die gesamte Mannschaft. "Bei ihm lief nichts zusammen, bis er es verstanden hat, dass er sich über einfache Dinge Selbstvertrauen holen muss, mehr Laufbereitschaft, mehr Einsatzbereitschaft", meinte Bremens Geschäftsführer nach dem 3:1 beim 1. FC Nürnberg. "Vielleicht fallen dann nicht gleich die Tore, aber sie fallen irgendwann. Und plötzlich bist du soweit und trittst in so einem Spiel zu zwei Elfmetern an."

Selbstvertrauen hat der 23-Jährige, der seinem Torjubel als tanzender Roboter nun auch ein Daumennuckeln als Gruß an die Tochter folgen lässt, in den vergangenen Wochen ausreichend getankt und sich damit wohl neben Routinier Pizarro einen Stammplatz im Sturm gesichert.

Lange Verletzungspause für Wagner

Dabei war der Start des Stürmers beim SVW holprig. Wagner verdiente sich viele Vorschusslorbeeren durch seine sportliche Ausbildung beim FC Bayern München, wo er 2007/2008 im erweiterten Kader stand, vier Mal auflief und dort erstmals Bundesligaluft schnupperte.

Anschließend folgte eine erfolgreiche Zeit beim Zweitligisten MSV Duisburg, in der er nicht nur Stammspieler war, sondern auch in 36 Ligaspielen auf zwölf Tore und neun Vorlagen für die "Zebras" kam. Zudem gewann Wagner während dieser Zeit den U-21-Europameistertitel mit Deutschland, erzielte im Finale sogar zwei Treffer.

Im Januar 2010 holten die "Grün-Weißen" den Stürmer dann an die Weser, obwohl er zu dem Zeitpunkt einen Kreuzbandriss auskurierte. Wagner absolvierte in der vergangenen Saison kein einziges Bundesligaspiel mehr für Werder.

"Irgendwann macht es klick"

In dieser Saison sollte sich das ändern. Trainer Thomas Schaaf setzte den Angreifer bis Ende Februar 15 Mal in der Bundesliga und insgesamt fünf Mal in Champions League und DFB-Pokal ein. Doch das erste Tor wollte nicht fallen - bis zum Spiel in Freiburg.

"Ich bin ein Spieler, der immer Gas gibt. Als Stürmer braucht man manchmal auch Glück und Selbstvertrauen. Deshalb darf man keinem böse sein, wenn er nicht trifft", erklärte Wagner: "Irgendwann macht es klick und dann läuft es auch wieder."

Für die Bremer darf der Lauf ruhig noch weitergehen, denn noch hat der Club die Gefahrenzone im Tabellenkeller nicht vollständig hinter sich gelassen. Zudem fehlt beim nächsten Spiel gegen den VfB Stuttgart Sturmkollege Pizarro gelb-gesperrt. Aber Trainer Schaaf hat ja noch den "nuckelnden Roboter" in der Hinterhand.

Jessica Pulter