Ruud van Nistelrooy konnte einem Leid tun. Von allen Seiten prasselte es auf ihn ein. "Ruud, hier", "Bitte zur Mitte gucken", "Ruud, schau noch einmal" - dutzende Fotografen und Kameraleute riefen seinen Namen.

Sie drängten sich dicht an dicht um das Pult im Pressekonferenzraum in der HSH Nordbank Arena, um das beste Bild des prominenten Neuzugangs des Hamburger SV bei dessen offizieller Vorstellung zu ergattern. Insgesamt waren gut 200 Medienvertreter anwesend - so etwas gab es beim HSV noch nie.

"Wollten eine ganz besondere Qualität

Dass mit dem niederländischen Stürmer nicht irgendein Fußballer den Weg in die Hansestadt gefunden hat, stellte Bernd Hoffmann gleich zu Beginn klar. Der Vorstandsboss war für Trainer Bruno Labbadia eingesprungen, der bei der DFB-Trainertagung in Stuttgart weilt.

"Wir sind sehr stolz, dass es uns gelungen ist, so einen Spieler zum HSV und in die Bundesliga zu holen. Wir wollten eine ganz besondere Qualität und sind froh, dass die beste aller Optionen funktioniert hat", sagte Hoffmann.

"Bundesliga eine der stärksten Ligen Europas"

Seine internationale Klasse hat van Nistelrooy schon in drei europäischen Top-Ligen bewiesen. Sowohl in seiner Heimat mit dem PSV Eindhoven, in England mit Manchester United und zuletzt in Spanien bei Real Madrid wurde er Torschützenkönig.

Jetzt also Hamburg und die Bundesliga. "Meine Ambitionen passen zum HSV. Es wird eine schöne Erfahrung, in der Bundesliga zu spielen, einer der stärksten Ligen Europas", erklärte Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooij, wie der Niederländer mit vollem Namen heißt, mit fast perfektem Deutsch.

Labbadia und van Nistelrooy auf einer Wellenlänge

Van Nistelrooy machte trotz des immer wieder aufkommenden Dauerfeuers der Fotografen einen entspannten und gelösten Eindruck. Es wurde schnell klar, dass der 33-Jährige eine seiner wohl letzten Stationen seiner Karriere mit Bedacht gewählt hat.

So waren auch nicht die finanziellen Aspekte bei dem Transfer entscheidend, sondern die Ideologie des Trainers. "Ich habe sehr lange mit Bruno Labbadia gesprochen, über seine und meine Vorstellungen. Und das war sehr positiv. Denn für mich ist es wichtig, dass ich in dieser Phase meiner Karriere bei einem Verein spiele, der zu mir passt", so van Nistelrooy.

Hoffen auf Köln

Im Trikot der "Rothosen" wird der Stürmer zukünftig mit der 22 auflaufen. Eine besondere Bedeutung hat das aber nicht. "Ich habe immer die Nummer genommen, die mir der Verein zugewiesen hat. Und das wird sich auch nicht ändern, so lange ich hier spiele", sagte er. Als van Nistelrooy nach seiner ersten Saison die 9 bekommen sollte, lehnte er ab und behielt die 17.

Auf den ersten Auftritt im Dress mit der Raute auf der Brust müssen die Fans aber noch ein wenig warten. Bis zur Partie am Freitag gegen den VfL Wolfsburg reicht es noch nicht. Ein Muskelfaserriss in der Wade zwingt van Nistelrooy zu individuellem Aufbautraining. Die Woche darauf in Köln soll es dann aber zumindest mit einem Kurzeinsatz klappen.

Emotionaler Abschied

Seine Verletzung hinderte ihn auch daran, sich im Dress von Real Madrid aus Spanien zu verabschieden. Vor dem Ligaspiel am Sonntag gegen Malaga im Bernabeu Stadion wurde er in Zivil von 72.000 Fans dennoch mit stehenden Ovationen gefeiert.

"Diesen Moment werde ich immer in Erinnerung behalten. Aber ich habe mit dem Kapitel Real Madrid abgeschlossen. Jetzt habe ich einen neuen Start hier in Hamburg", stellte van Nistelrooy klar.

Und dass er sich dafür einiges vorgenommen hat, das ließ er auch durchblicken. "Der HSV hat eine gute, eine junge Mannschaft, die sich noch sehr weiterentwickeln kann. Und ich hoffe, dass ich dazu beitragen kann, dass hier nach langer Zeit wieder ein Titel gewonnen wird."

Aus Hamburg berichtet Michael Reis