Als vor einigen Wochen im kleinen Kreis der Name Edson Braafheid fiel, waren vermutlich auch die Verantwortlichen des FC Bayern München zunächst einmal überrascht. Wen auch immer Trainer Louis van Gaal da zum Kauf empfahl, in das bisherige Beuteschema des deutschen Fußball-Rekordmeisters passte er eigentlich nicht.

In der Bundesliga ist Braafheid bislang nicht auffällig geworden, gegen den FC Bayern schon gleich gar nicht, seine internationale Erfahrung ist überschaubar, und ein Talent ist er auch nicht mehr.

Wunschspieler von van Gaal

Doch Trainer van Gaal wollte Braafheid, geboren vor 26 Jahren in Paramaribo in Surinam, unbedingt haben. Folgerichtig bekam der Niederländer einen Vertrag bis 2013, und obwohl er noch gar nicht gespielt hat, sorgt der Wunschspieler bei den Etablierten schon für Unruhe.

Dabei wirkt Braafheid zunächst so, als könne er keiner Fliege etwas zu Leide tun. Er kommt ruhig, unaufgeregt und bescheiden daher und weiß offensichtlich selbst noch nicht so recht, wie ihm geschieht. Ja, er sei schon sehr "überrascht" gewesen, als das Angebot der Bayern kam.

"Komme mir vor wie in einem Traum"

Jetzt, nachdem er ein paar Tage da ist, staunt er immer noch wie ein kleines Kind. "Ich komme mir vor wie in einem Traum", beginnt er die Schilderung seiner ersten Eindrücke.

Alles sei so groß, berichtet er mit sanfter Stimme und gewitztem Lächeln, er hat freilich auch schon mitbekommen, dass "groß" auch für den Druck beim FC Bayern gilt.

Vorteil für den Linksfuß

Braafheid bekommt es vielleicht noch nicht so recht mit, aber seine Verpflichtung und Aussagen von van Gaal haben das etablierte Personal beim FC Bayern in Unruhe versetzt. Braafheid selbst sieht sich als linker Außenverteidiger - was Philipp Lahm den Wechsel auf die rechte Seite ermöglichen könnte.

Braafheid kann allerdings auch als Innenverteidiger spielen. Van Gaal bevorzugt auf der linken Position in der Zentrale einen Linksfuß. Braafheid ist Linksfuß. Lucio, Daniel van Buyten, Martin Demichelis, Breno - jeder ein Rechtsfuß.

Flink, zweikampfstark, technisch beschlagen

Ansprüche zu stellen, verbietet sich für einen wie Braafheid aber ganz offensichtlich. Der Trainer werde schon feststellen, "auf welcher Position ich für die Mannschaft am besten bin", sagte er und betonte: "Der Schritt zum FC Bayern ist sehr groß. Mein erstes Ziel ist es, so viel wie möglich zu lernen und dann so viel wie möglich zu spielen. Aber das wird schwer."

Das sagt einer, der zwei Länderspiele für die Niederlande, neun UEFA-Pokal-Spiele und zwei Spiele in der Qualifikation zur Champions League absolviert hat.

Eines hat Edson Braafheid, nur 176 Zentimeter groß, dafür flink, zweikampfstark und technisch beschlagen, in München schnell gelernt. Neulich ist er dem Rekonvaleszenten Bastian Schweinsteiger im Kraftraum begegnet.

Der hat ihm mit einem Spruch und einer Geste verdeutlicht, was von einem Spieler des FC Bayern nach der Saison erwartet wird: eine Trophäe in die Luft zu stemmen. Deshalb sagt Braafheid auch brav: "Mein erstes Ziel ist es, mit dem FC Bayern Meister zu werden. Ich glaube, wir müssen das auch."