Rekord verpasst, Siegesserie gerissen, Höhenflug beendet - doch für Louis van Gaal war das alles kein Beinbruch.

Im Gegenteil: Nach dem 1:1 des deutschen Rekordmeisters im 180. Derby beim 1. FC Nürnberg lobte Bayern-Trainer seine Mannschaft in den höchsten Tönen: "Ich denke, dass dies eines unserer besten Spiele in dieser Saison war. Es war von uns ein schönes Positionsspiel mit vielen Chancen. Wir haben nur kein zweites Tor gemacht."

Den kleinen Dämpfer nach zuletzt 13 Pflichtspielsiegen in Folge im Fernduell mit Bayer Leverkusen um die Bundesligaspitze wollte van Gaal ohnehin nicht überbewerten: "Das ist nicht entscheidend. Am Ende ist es wichtig und nicht an diesem Wochenende. " Dass die Bayern zudem die Einstellung des Liga-Rekords von zehn Siegen in Folge verpassten, war für den Bayern-Coach überhaupt kein Thema.

"Da kam ein Fehler zum anderen"

Vielmehr war van Gaal bemüht, den zwar überlegen geführten, insgesamt aber recht glanzlosen Auftritt seines Starensembles im ausverkauften Nürnberger easyCredit-Stadion ins rechte Licht zu rücken: "Nürnberg hatte nur eine Chance. Die standen mit elf Spielern in der eigenen Hälfte. Wir waren sehr dominant und haben 90 Minuten minus fünf Sekunden alles gemacht."

Mit fünf Sekunden meinte er den Ausgleich durch Ilkay Gündogan in der 54. Minute, der mit seinem ersten Bundesligatreffer das verdiente 1:0 von Thomas Müller (38.) egalisierte und dem "Club" einen wichtigen und überraschenden Zähler im Abstiegskampf bescherte. Das Gegentor sei "ein Schlag ins Gesicht" gewesen, meinte Mario Gomez, "da kam bei uns ein Fehler zum anderen".

Ohne "Robery" zu wenig Überraschungsmomente

Das Remis sei "ärgerlich. Wir hätten sicherlich einen Riesenschritt machen können", analysierte Torwart Jörg Butt. Kapitän Mark van Bommel war ebenfalls "verärgert". Aber auch er verteidigte das Spiel der Bayern: "Es ist eben schwierig gegen Mannschaften, die nur verteidigen. Wir können uns fast keinen Vorwurf machen."

Die Bayern verzeichneten zwar 67 Prozent Ballbesitz, ihr Spiel war aber zu oft in die Breite angelegt. Ohne den verletzten Franck Ribery und nach der Pause ohne den leicht angeschlagenen Arjen Robben fehlten dem Rekordmeister in vielen Situationen die Überraschungsmomente. Viele Pässe in die Spitze fanden keine Abnehmer.

"Einen glücklichen Punkt erkämpft"

Der in der ersten Hälfte zögerlich agierende FCN hatte deshalb wenig Mühe, die Münchner weitgehend in Schach zu halten. "Wir haben in der ersten Halbzeit defensiv viel richtig gemacht - bis auf einen Fehler", meinte Club-Coach Dieter Hecking. Nach vorne habe vor der Pause allerdings der Mut gefehlt. Dies sei in der zweiten Hälfte besser gewesen, "da haben wir uns mit Leidenschaft einen glücklichen Punkt erkämpft. Das ist gut für die Moral und das Selbstvertrauen."

Am kommenden Samstag wollen die Franken im Abstiegskampf beim VfL Bochum erneut für positive Schlagzeilen sorgen. Die Bayern erwarten am Sonntag den Hamburger SV zum Spitzenspiel - mit einem klaren Ziel, wie Ivica Olic verdeutlichte: "Wir müssen wieder eine Serie starten."