Der Aufschwung des FC Bayern München ist eng mit Bastian Schweinsteigers ansteigender Form verknüpft. Der Nationalspieler überragte zuletzt bei den Kantersiegen in Turin und Bochum.

Bei einem Sponsortermin mit EA stand Schweinsteiger bundesliga.de Rede und Antwort. Dabei sprach er über seine neue Position im Mittelfeld, die "Unzufriedenheit" des Trainers und darüber, wer den Bayern im Champions-League-Achtelfinale möglichst erspart bleiben sollte.

bundesliga.de: Herr Schweinsteiger, der FC Bayern hat zuletzt zwei Spiele hoch gewonnen: 4:1 gegen Juventus und 5:1 gegen Bochum. Was hat sich im Vergleich zum Beginn der Saison verändert?

Bastian Schweinsteiger: Die Automatismen greifen besser als in den ersten Spielen, beispielsweise vom Flankengeber zum abschließenden Spieler. Dadurch machen wir jetzt die Tore, die am Anfang gefehlt haben. Wir hatten auch in den ersten Spielen unsere Chancen, mehr Ballbesitz und waren dominanter als der Gegner, aber wir haben unsere Tore nicht gemacht. Jetzt ist es endlich so, dass wir für den Aufwand belohnt werden, den wir betreiben.

bundesliga.de: Der Erfolg kam auch mit der Systemumstellung. Sie spielten zuletzt auf Ihrer neuen Position im zentralen defensiven Mittelfeld stark auf. Ihre Wunschposition?

Schweinsteiger: Das ist ein Missverständnis. Die Position ist für mich nicht neu. Schon in der Jugend habe ich meist auf der 6 oder der 8 gespielt. Im letzten Jahr unter Jupp Heynckes bin ich ebenfalls im defensiven Mittelfeld aufgelaufen. Ich war nicht als Spielmacher vorgesehen, wie immer behauptet wird. Wir haben vorne Spieler, die immer für ein Tor gut sind. Da ist es die halbe Miete, wenn wir hinten gut stehen. Ich denke nicht rein offensiv, mein Augenmerk liegt auch auf der Defensive.

bundesliga.de: In der Nationalelf ist diese Position gleich mehrfach besetzt, Sie sind auf dem Flügel eingeplant. Würden Sie auch in der DFB-Elf gerne im defensiven Mittelfeld auflaufen?

Schweinsteiger: Ich hoffe, dass ich auch in der Nationalmannschaft auf einer zentralen Position spielen kann. Es ist natürlich kein Wunschkonzert, aber dort komme ich am liebsten zum Einsatz.

bundesliga.de: Nach dem durchwachsenen Start haben Sie mit dem FC Bayern in der Bundesliga zuletzt rasant aufgeholt. Am letzten Spieltag der Hinrunde kommt nun die angeschlagene Hertha...

Schweinsteiger: Wir haben am Anfang eigentlich schon zu viele Punkte liegen lassen, das tat weh. Jetzt sind wir Gott sei Dank wieder rangekommen. Mit einem Sieg am Wochenende ist in der Rückrunde wieder alles drin.

bundesliga.de: Haben Sie das Gefühl, dass sich seit Beginn der Saison in Bezug auf den Teamspirit etwas verändert hat?

Schweinsteiger: Wir hatten einige Neuzugänge, auch die jungen Spieler wie Thomas Müller oder Holger Badstuber waren vorher noch nicht da. Am Saisonanfang weiß man nicht, wie der eine oder andere tickt. Für den Trainer war es ebenfalls nicht leicht, seine neue Philosophie umzusetzen und den Spielern näher zu bringen. Das haben wir nun geschafft. Durch die Erfolge in den letzten Wochen ist das Selbstvertrauen bei jedem gewachsen und das zeigen wir jetzt auch auf dem Platz.

bundesliga.de: Sie haben die Neuzugänge angesprochen. Unter anderem kam Arjen Robben als Hoffnungsträger zum FC Bayern. Was ist das Besondere, mit ihm zusammenzuspielen?

Schweinsteiger: Er hat eine enge Ballführung, er ist unheimlich schnell und kann an drei, vier Mann vorbeigehen. Wenn er drei Leute ausspielt, entstehen natürlich an anderer Stelle Lücken. Er kann dann den Kopf hochnehmen und den finalen Pass spielen. Mit ihm und Franck Ribery haben wir eine sehr gute Offensiv-Zange.

bundesliga.de: Hat sich Louis van Gaal im Vergleich zum Saisonbeginn verändert?

Schweinsteiger: Er hat den Verein besser kennen gelernt. Wenn man irgendwo neu hinkommt, weiß man nicht immer direkt, wie die Leute dort sind, wie ihre Mentalität ist. Das ist alles menschlich. Ihm ist das eigentlich sehr schnell gelungen.

bundesliga.de: Beim FC Bayern hat man dafür ja eigentlich wenig bis gar keine Zeit...

Schweinsteiger: Das stimmt, aber er hat es trotzdem schnell geschafft. Er hat sich auch nach den jüngsten Erfolgen nicht verändert. Er geht ganz normal mit uns um und behandelt jeden Spieler gleich. Das ist ganz wichtig.

bundesliga.de: Ist er weniger streng als am Anfang?

Schweinsteiger: Nein, er ist immer noch streng. Wir waren beispielsweise zur Halbzeit gegen Bochum 3:0 vorne und trotzdem hat er uns nicht gelobt. Wir wussten, dass wir uns ein paar Abspielfehler geleistet haben und die eine oder andere Torchance besser ausspielen hätten können. Das hat ein bisschen gewurmt. 3:0 hört sich super an, jeder denkt, der Trainer sei zufrieden. Aber das war nicht ganz so.

bundesliga.de: Stichwort Zufriedenheit. Am Freitag werden die Achtelfinals in der Champions League ausgelost. Mit welchem Gegner wären Sie zufrieden?

Schweinsteiger: Sagen wir es so: Im Achtelfinale muss es nicht gleich Barcelona sein.


Das Gespräch führte Andreas Messmer