Hamburg - Mehr als vier Jahre nach seinem letzten Pflichtspiel für den Hamburger SV lief Rafael van der Vaart wieder im Trikot mit der Raute auf der Brust auf. Obwohl es nur ein Testspiel gegen den Landesligisten SC Schwarzenbeck war, sorgte der Niederländer in der mit 2.500 Zuschauern rappelvollen Sportanlage Schützenhof wieder für Glanz und Spektakel wie in alten Zeiten.

Van der Vaart übernahm von Beginn an das Zepter und drückte dem Spiel der "Rothosen" gleich seinen Stempel auf: Er spielte Zuckerpässe am Fließband, sorgte mit einem Fallrückzieher für eine artistische Glanzleistung und trug sich mit seinem Treffer zum 3:0 auch in die Torschützenliste ein.

Kapitänsbinde für vdV



Trainer Thorsten Fink wusste wohl, warum er den Rückkehrer bei seinem Comeback gleich die Kapitänsbinde tragen ließ. Van der Vaart wurde geholt, um Verantwortung zu übernehmen und die Mannschaft zu führen. Und er ist sich dessen bewusst. "Das ist normal. Ich will dem Führungsanspruch gerecht werden, will den jungen Spielern helfen", sagte van der Vaart.

Auch seine Mitspieler hegen Erwartungen. "Wir erhoffen uns einiges von ihm", meinte zum Beispiel der etatmäßige Mannschaftsführer Heiko Westermann nach der Derby-Pleite in Bremen. Und Mittelfeldspieler Marcell Jansen gab nach dem 0:2 an der Weser zu Protokoll: "Rafael hätte die Bälle so gespielt, dass es den Bremern richtig wehgetan hätte." Wie das geht, zeigte van der Vaart in Schwarzenbeck zum Beispiel beim 5:0, als er Dennis Diekmeier mustergültig in Szene setzte.

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Zusammen mit den weiteren Neuzugängen Milan Badelj und Petr Jiracek bildet van der Vaart nun ein Trio im Mittelfeld, das den HSV schnell in sichere Fahrwasser bringen soll. "Sie haben Ausstrahlung, Präsenz und verstecken sich nicht. Das sind genau die Leute, die wir holen wollten", sagt Fink.

Bis zum 16. September bleibt nun Zeit, um van der Vaart schnellstmöglich in die Mannschaft zu integrieren. Geht es rein nach den äußeren Einflüssen, müssen sich die Verantwortlichen keine Sorgen machen.

HSV im Van-der-Vaart-Fieber



"Leider sind nicht mehr viele Spieler von damals beim HSV", bedauerte van der Vaart. Aber: "Alles andere ist so wie früher. Die Kabine sieht noch so aus, die Duschen sind gleich und auch die Toiletten haben sich nicht geändert."

In Schwarzenbeck konnte van der Vaart die Umkleideräume nur unter großen Mühen erreichen. Denn nach seiner Auswechslung beim Stand von 10:0 in der 61. Minute wollten dutzende Fans ein Autogramm ergattern und umlagerten ihr Idol.

Am Ende hieß es beim Comeback-Spiel 12:0 für den Bundesligisten. Am Freitag geht der Van-der-Vaart-Hype in die nächste Runde, wenn der HSV beim TSV Niendorf zum Testspiel antritt. Ernst wird es dann aber erst am 16. September bei Eintracht Frankfurt.

Michael Reis