Erst applaudiert er Co-Trainer Frank de Boer zum geglückten Weitschuss-Tor, dann nimmt er Wesley Sneijder in den Schwitzkasten. Mark van Bommel versprüht gute Laune. Nach einer überragenden Saison bei Bayern München strotzt der 33-Jährige im Trainingslager der Niederlande nur so vor Selbstvertrauen.

Auch der WM-Titel ist für den Aggressiv-Leader des deutschen Meisters und Pokalsiegers kein Tabu mehr. "Der WM-Titel wäre für mich die Krönung einer überragenden Saison", sagt van Bommel. Nach dem Gewinn des "Doubles" mit den Bayern gibt sich der Mittelfeldspieler auf dem Gelände der University of the Witwatersrand im Zentrum von Johannesburg gut gelaunt und lässt keinen Spaß mit den Team-Kollegen aus.

Seine Erfahrung ist wichtig für das Team

Vergessen scheint die Niederlage im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand. "Wir haben hier in Johannesburg optimale Bedingungen. Das Hotel ist gut, die Stimmung im Team ist glänzend, es kann losgehen", sagt der Routinier.

Van Bommel, der in drei Ländern nationaler Meister wurde und 2006 mit Barcelona die Champions League gewann, ist in der Form seines Lebens und weiß, dass er gerade den talentierten Jung-Stars wie Gregory van der Wiel oder Ibrahim Afellay bei dem WM-Turnier eine große Hilfe ist. "Mit seiner Erfahrung ist er auf und neben dem Platz ganz wichtig für unser Team", sagt Abwehrspieler Giovanni van Bronckhorst.

Der "richtige Mix" soll enttäuschende Bilanz beenden

Für van Bronckhorst, selbst noch zwei Jahre älter als van Bommel und Kapitän der Elftal, nimmt der Bayern-Star im Spiel der Niederlande eine entscheidende Rolle als Taktgeber ein. "Mark spielt die richtigen Bälle und ist für die Balleroberung unverzichtbar", sagt der Abwehrspieler von Feyenoord Rotterdam, der nach dem Turnier in Südafrika seine internationale Karriere beenden wird.

Van Bommel, der mit dem PSV Eindhoven, dem FC Barcelona und Bayern München Meistertitel gewann, steht stellvertretend für den neuen Geist der Niederländer. Mit dem richtigen Mix aus Zauber und Disziplin soll die enttäuschende WM-Bilanz beendet werden. In den 70er Jahren verloren die Oranjes zweimal das Finale, anschließend folgten Auftritte des tragischen Scheiterns wie 1998 in Frankreich, als man den Brasilianern im Halbfinale im Elfmeterschießen unterlag.

Hoffen auf Robben

Nun aber scheint das Oranje-Team wieder nach den Sternen greifen zu können. Vor allem beim 4:1 im Länderspiel gegen Ghana eineinhalb Wochen vor Turnierstart versprühten die Schützlinge von Bondscoach Bert van Marwijk viel Glanz. Die Offensivabteilung gehört zu dem Besten, was die WM zu bieten hat, auch wenn Arien Robben nach seinem Muskelfaserriss am linken Oberschenkel sich noch in den Niederlanden behandeln lässt. Voraussichtlich am Samstag (12. Juni) soll er nach Südafrika aufbrechen.

"Wir hoffen, dass er so schnell wie möglich zu uns stößt", sagt van Bommel, der ohne seinen Club-Mitspieler bei der Elftal umso mehr als Führungsspieler gefragt ist. Eine Aufgabe, die dem Schwiegersohn von van Marwijk wie auf den Leib geschneidert ist.