Er gilt als Anführer, Taktgeber und kampfstarker Antreiber, der jeden Zweikampf annimmt und als Kapitän alles für seine Mannschaft gibt. Er ist ein "aggressive Leader", um mit Ottmar Hitzfelds Worten zu sprechen. Doch die Rede ist nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, von Mark van Bommel, sondern von Timmy Simons. Der 33-jährige belgische Neuzugang des 1. FC Nürnberg hat nämlich mehr mit dem Bayern-Kapitän gemeinsam als nur das Alter.

Die PSV Eindhoven verpflichtete Simons 2005, um die entstandene Lücke zu schließen, die Mark van Bommel durch seinen Weggang zum FC Barcelona hinterlassen hatte. Der Nationalspieler, der vom FC Brügge mit zwei belgischen Meisterschaften (2003, 2005) und Pokalsiegen (2002, 2004) im Gepäck in die Ehrendivision kam, erkämpfte sich sofort einen Stammplatz - auf der Position, die vorher van Bommel besetzte. Vom Niederländer übernahm Simons auch die Trikotnummer 6.

Mann mit Erfahrung für das Mittelfeld

Wie van Bommel zeichnet auch Simons eine kompromisslose Spielweise aus: Er scheut keinen Zweikampf, ackert viel für die Mannschaft, dirigiert, gestikuliert und treibt sein Team immer wieder an. Seit 2007 war er als Kapitän eine absolute Führungsfigur und auch in der belgischen Nationalmannschaft, wo er 2001 debütierte, bekleidete er lange Zeit dieses Amt.

Insgesamt 111 Mal stand Simons für den FC Brügge in der Jupiler Pro League auf dem Platz, mit Eindhoven bestritt er sogar 158 Spiele und gewann drei Mal in Folge die niederländische Meisterschaft (2006, 2007 und 2008) sowie 2009 den Superpokal.

Der Belgier bringt also eine Menge Erfahrung mit in das junge Nürnberger Team. "Wir haben immer betont, auf dieser sehr wichtigen Position einen Spieler mit Persönlichkeit und Erfahrung verpflichten zu wollen. Ich denke, dass uns das mit Timmys Verpflichtung gelungen ist", freute sich "Club"-Trainer Dieter Hecking nach der Vertragsunterzeichnung am Freitag (16. Juli).

"Bereicherung für den 1. FC Nürnberg"

Und dass die Nürnberger schon einmal mit der Verpflichtung eines älteren Spielers goldrichtig lagen, zeigt das Beispiel Tomas Galasek, der - damals auch 33-jährig - im Jahr 2006 von Ajax Amsterdam zum "Club" wechselte. In seiner ersten Saison konnte er mit dem FCN den DFB-Pokal gewinnen, danach wurde er Kapitän. Ob Simons in den kommenden zwei Jahren ähnliche Erfolge gelingen, wird sich zeigen - die nötige Gewinnermentalität bringt er jedenfalls mit.

"Timmy hat bei der PSV Eindhoven als Kapitän einen sehr hohen Stellenwert genossen. Wir freuen uns, dass wir jetzt eine Lösung gefunden haben, von der wir ausgehen, dass sie eine Bereicherung für den 1. FC Nürnberg darstellt", kommentierte Nürnbergs Sportdirektor Martin Bader den Transfer.

Baldiges Wiedersehen mit Eindhoven

"Wir stehen schon seit längerem in Kontakt. Die Aufgabe, die mir geschildert wurde, als Führungsspieler mit einer jungen Mannschaft erfolgreich zu spielen, hat einen hohen Reiz für mich", erklärte Belgiens "Fußballer des Jahres" (2002) nach der Vertragsunterzeichnung: "Ich freue mich auf die Bundesliga."

Mit dem "Club" wird er zwar so schnell nicht in sein Lieblingsstadion Camp Nou in Barcelona kommen, aber schließlich hat auch die Bundesliga jede Menge Arenen mit hervorragender Atmosphäre zu bieten.

Mit seinem ehemaligen Verein gibt es übrigens schon bald ein Wiedersehen: Zur Saisoneröffnung am 24. Juli werden die Niederländer zum Testspiel erwartet. Das erste Aufeinandertreffen mit van Bommel dauert hingegen noch etwas: Erst am 12. Spieltag reisen die "Cluberer" zum Spiel gegen den FC Bayern München.

Isabell Groß