Köln - Hertha BSC hat mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen einen sehr ordentlichen Saisonstart hingelegt. Jetzt müssen die Berliner bei Borussia Dortmund antreten. Vor der schweren Aufgabe beim Tabellenführer spricht Hertha-Mittelfeldspieler Valentin Stocker im Interview mit bundesliga.de über die Chancen des Hauptstadtclubs und seine persönliche Entwicklung.

bundesliga.de: Valentin Stocker, vier Punkte aus zwei Spielen. Wie zufrieden sind Sie mit der Ausbeute des Saisonstarts?

Valentin Stocker: Ich bin zufrieden, auch wenn wir durchaus auch sechs Punkte hätten haben können. Aber ich denke am Ende muss man auch ein bisschen demütig sein. Wenn man die Spiele sieht, kann es in Augsburg oder auch Bremen passieren, dass man noch ein Tor bekommt. Deshalb sind wir schon zufrieden.

bundesliga.de: Was lief bereits gut, was muss noch besser werden?

Stocker: Wir lassen weniger Torchancen zu, komplett unterbinden kann man sie nie, schließlich können die Gegner auch Fußball spielen. Verbessern müssen wir die Chancenverwertung, wobei wir froh sind, dass wir jetzt mehr Chancen kreieren und öfter vor dem Tor sind.

"Es geht nicht immer nur bergauf"

bundesliga.de: Sie haben etwas Zeit gebraucht, um sich in der Bundesliga zurechtzufinden, sind dann aber mit drei Toren und neun Assists in der vergangenen Rückrunde richtig durchgestartet. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Entwicklung bei Hertha?

Stocker: Am Anfang hätte ich schon auch gerne gespielt, aber es läuft nicht immer gleich gut. So ist das im Fußball, als auch im ganzen Leben, es geht nicht immer nur bergauf. Von daher bin ich schon ganz froh, dass ich den Berlinern noch zeigen konnte und immer noch zeigen kann, was ich drauf habe und dass ich gerne hier spiele.

bundesliga.de: Inwieweit haben Sie auch vom Trainerwechsel profitiert? Wie kommt Ihnen die Spielweise der Hertha unter Pál Dárdai zugute und wie ist ihr Verhältnis zum Trainer?

Stocker: Ich habe sicherlich vom Trainerwechsel dadurch profitiert, dass Dárdai sofort auf mich gesetzt hat. Unser Verhältnis zueinander würde ich als sehr gut beschreiben, zumindest von meiner Seite (lacht). So wie wir jetzt spielen, kommt natürlich meinem persönlichen Spielstil sehr nahe.

bundesliga.de: Mit der Rückkehr von Alexander Baumjohann und Mitchell Weiser wird der Konkurrenzkampf im Mittelfeld noch größer. Glauben Sie, dass Hertha dadurch mehr taktische Möglichkeiten hat und droht Ihnen dann auch ab und zu mal ein Platz auf der Bank?

Stocker: In erster Linie muss gesagt sein, dass ich gar kein Problem damit habe, auch mal auf der Bank zu sein. Wenn der Trainer mit einem spricht und sagt „das sind meine taktischen Überlegungen, du hast viele Spiele gemacht und wirkst müde“, dann bin ich der Letzte, der da irgendwie wütend ist. Ich hoffe natürlich sehr, dass sich durch die Rückkehr einiger Spieler, Tolga Cigerci ist ja auch wieder gesund, noch mehr taktische Möglichkeiten ergeben. Leider ist es oft so, dass sobald wieder jemand zurückkommt, sich ein anderer verletzt, wie beispielsweise Sami Allagui oder jetzt Jens Hegeler. Aber wenn natürlich alle fit sind, hat der Trainer viel mehr Möglichkeiten, und das kommt uns dann schlussendlich auch zugute.

"Wir müssen kleine Brötchen backen"

bundesliga.de: Mit welchen Zielen gehen Sie in die Saison? Was trauen Sie der Mannschaft zu?

Stocker: Ich gehe mit dem einfachen, aber klaren Ziel in die Saison, besser zu sein als im letzten Jahr. Ich denke außerdem, dass wir da mal kleine Brötchen backen müssen und dankbar sein sollten, dass wir es wieder geschafft haben, in der Liga zu bleiben. Das war durch das ganze letzte Jahr nicht ganz einfach.

bundesliga.de: Am kommenden Sonntag gastiert Hertha beim Tabellenführer Borussia Dortmund, wo die Mannschaft in den letzten Jahren öfter überraschen konnte. Wie kann Hertha BSC beim BVB bestehen?

Stocker: Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen, wir müssen zusammenhalten als Mannschaft. Wir müssen den taktischen Anweisungen zusammen folgen und dann auch unglaublich bissig und willig sein, wenn wir den Ball gewinnen. Die Chance, die uns Dortmund vielleicht gibt, gilt es dann auch zu packen, denn eins ist klar: Wenn Dortmund einen sehr guten Tag hat, wird es für uns so oder so sehr schwierig.

bundesliga.de: Nach dem Spiel in Dortmund ist Länderspielpause. Es stehen EM-Quali-Spiele an. Wie bewerten Sie die Chancen der Schweiz?

Stocker: Ich denke England wird schwierig, denn die sind auch schon etwas weiter vorne weg. Wir haben auch ganz klar den zweiten Rang im Fokus. Gegen Slowenien ist es schon ein entscheidendes Spiel. Wir spielen zuhause in Basel und wenn wir da gewinnen können, sind wir eigentlich so gut wie durch. Dann haben wir sechs Punkte Vorsprung auf den Dritten und noch zwei ausstehende Spiele, wobei im Fußball natürlich immer alles passieren kann. In Slowenien hatten wir verloren, es ist also nicht so, dass sie nicht Fußball spielen könnten.

Die Fragen stellte Tobias Gonscherowski