Gelsenkirchen - Nach dem Spiel ist vor dem Spiel - selten war die alte Fußballerweisheit derart passend wie derzeit beim FC Schalke 04. Kaum war der Sieg gegen Freiburg gesichert, nahmen Trainer und Spieler den FC Valencia ins Visier. Am Dienstag ruft die Champions League.

Die Zuversicht hat auf Schalke ganz offenbar wieder Einzug gehalten nach dem ersten Bundesliga-Heimsieg im Jahr 2011. Und das vermittelt Felix Magath neuerdings auch gerne via Internet auf seiner Facebook-Seite der Welt und seinen virtuellen Freunden. "Wir dürfen uns auf Dienstag freuen", stellt der zuletzt umstrittene Trainer dort trocken fest.

Magath sieht "überzeugende Leistung"

Ein knapper 1:0-Sieg gegen allerdings harmlose Freiburger - und Felix Magath hat seinen Optimismus zurückgewonnen. Für ihn war es "eine überzeugende Leistung, die uns Auftrieb gibt für unsere kommenden Aufgaben - vor allem im Hinblick auf das Champions-League-Spiel in Valencia."

Der Trainer lobte nach der Partie die Spielanlage seiner Mannschaft, "vor allem die Verlagerung auf die Flügel." Farfan, zugleich Schütze des goldenen Tores, und Jurado sorgten dort für Schwung und Torgefahr. Dass allerdings die Spieleröffnung über das zentrale Mittelfeld noch immer Probleme bereitet und Kreativität und Ideen aus der Mitte weiterhin rar gesät sind, dürfte indes auch Magath nicht entgangen sein.

Trainer und Spieler aber blicken voraus und rücken die positiven Aspekte in den Vordergrund. 20:3 Torschüsse gegen Freiburg, 67 Prozent Ballbesitz und 67 Prozent der gewonnenen Zweikämpfe sorgen für die breite Brust, die es braucht, um in Spanien bestehen zu können. "Wir haben Selbstvertrauen getankt. Dieses Spiel gibt uns einen Schub für Dienstag", ist sich Benedikt Höwedes sicher. Auch Manuel Neuer glaubt, "dass uns dieses Spiel auch für die Partie in Valencia hilft. Wichtig ist, dass wir auch dort gut stehen und wenig zulassen."

Möglichst ohne Gegentor bleiben

Ohne Gegentor zu bleiben, das haben sich die Schalker auf die Fahnen geschrieben für das Achtelfinal-Hinspiel in Spanien. "Unser Ziel ist es, auch in Valencia zu Null zu spielen. Das wäre die halbe Miete", gibt Lukas Schmutz im bundesliga.de-Interview die Richtung vor. Immerhin stellt Schalke derzeit die drittbeste Abwehr der Liga.

Klaas-Jan Huntelar geht sogar noch einen Schritt weiter und fasst das wiedergefundene Selbstbewusstsein in Worte: "Ein frühes Tor für uns wäre sehr wichtig. Dann müsste der Gegner noch mehr angreifen und das Spiel würde noch mehr geöffnet."

Der Holländer selbst hat sich zuletzt allerdings nicht als die Effizienz in Person erwiesen. Seit zehn Bundesligaspielen wartet "The Hunter" auf einen Treffer für die "Knappen". Gegen Freiburg musste er schon nach 45 Minuten Platz machen für Mario Gavranovic, der nicht nur aufgrund seines Pfostentreffers Pluspunkte sammelte und für eine Belebung der Offensive sorgte.

Raul mit guten Erinnerungen an Valencia

Vielleicht lässt sich Huntelaar ja von seinem Sturmpartner noch einmal genau erklären, wie man im Camp de Mestalla das Tor trifft. Senor Raul hat dort im Real-Trikot immerhin schon fünfmal eingenetzt. Und auch sonst sind seine Erinnerungen an den Gegner ausgesprochen positiv. Mit Madrid gewann Raul im Jahr 2000 das Champions-League-Finale gegen Valencia und macht seiner jetzigen Mannschaft Mut: "Ich denke, dass wir sehr gute Chancen haben. In der Gruppenphase hat unsere Mannschaft schon gezeigt, zu welchen Leistungen sie fähig ist."

Nicht zuletzt auf Raul und Jurado setzt auch Felix Magath für den Auftritt am Dienstag. "Unsere Spanier sind in guter Form und in Spiellaune", stellte der Coach am Wochenende zufrieden fest. Und wenn das nicht reicht, hilft ja vielleicht auch die Erinnerung. Schließlich war Valencia für den FC Schalke schon einmal ein Meilenstein.1997 schalteten die "Euro-Fighter" um Mulder und Co. die Spanier mit einem 2:0-Heimsieg und einem 1:1 im Rückspiel im Viertelfinale des UEFA-Cups aus. Am Ende stand der Europapokalsieg..!

Derzeit träumen sie in Gelsenkirchen nur davon, einmal wieder einen ganz großen Titel zu gewinnen. Wie lange dieser Traum noch andauert, das wird man vielleicht schon am Dienstag wissen.

Dietmar Nolte