Der SC Paderborn 07 ist die Überraschungsmannschaft der Bundesliga. Mit vier Punkten auf dem Konto steht der Aufsteiger auf Platz 2. Im Interview mit bundesliga.de spricht Paderborns Kapitän Uwe Hünemeier über den gelungenen Start, die Euphorie in der Stadt und die Ziele in dieser Saison.

bundesliga.de: Uwe Hünemeier, nach dem Pokalaus in der 1. Runde war nicht unbedingt zu erwarten, dass der SC Paderborn 07 in der Bundesliga so einen guten Start hinlegen würde. Wie erklären Sie sich das?

Uwe Hünemeier: Letztendlich war der Tenor nach dem Aus der, dass uns die Niederlage nicht umwerfen wird. Sie war jetzt keine Riesenenttäuschung für uns. Wir konnten das realistisch einschätzen. Natürlich wollten wir damals eine Runde weiterkommen. Aber wir haben auch - wie man jetzt sieht - gegen eine gute Mannschaft verloren (RB Leipzig, die Red.). Wir wussten, dass wir eine gute Truppe sind und hatten keine Zweifel nach dieser einen Niederlage. Das hat sich dann beim Bundesliga-Start bewahrheitet.

bundesliga.de: Das stimmt. Es scheint, als hätte Paderborn in der Bundesliga einfach da weitergemacht, wo es in der 2. Bundesliga aufgehört hatte. Der SCP hat auch in der Bundesliga seinen Angriffsfußball zuhause und auswärts durchgezogen. Die Umstellung auf die Bundesliga scheint der Mannschaft nicht allzu schwer gefallen zu sein?

Hünemeier: In den ersten beiden Spielen hat es sehr gut funktioniert. Wir wollen uns in der Bundesliga natürlich nicht unserer Stärken berauben. Und dazu gehörte schon in der 2. Bundesliga das Spiel nach vorne. Wir mussten in der Bundesliga nun noch etwas kompakter stehen. Das haben wir auch sehr gut hinbekommen und gegen Mainz und Hamburg nur sehr wenig zugelassen. Trotzdem haben wir unsere Stärken gezeigt, nämlich unser Umschaltspiel. Wir haben fünf Tore in den beiden Spielen geschossen. Das spricht für uns als Mannschaft, und das soll uns auch in Zukunft stark machen.

bundesliga.de: Zieht die Mannschaft auch aus ihrer Rolle als Underdog und krasser Außenseiter in der Bundesliga eine besondere Motivation?

Hünemeier: Ja, ganz klar. Wir sind davon überzeugt, dass wir gut kicken können. Natürlich hat uns niemand auf der Rechnung, weil wir der Verein mit den geringsten wirtschaftlichen Möglichkeiten sind. Aber das Finanzielle ist die eine Seite. Auf der anderen Seite, der sportlichen, sind wir eine gute Mannschaft und liefern auf dem Platz gute Leistungen ab. Wir sind ungemein gefestigt und von unserer Stärke überzeugt.

bundesliga.de: Was ist die Stärke des SC Paderborn 07?

Hünemeier: Im letzten Jahr hat uns ausgezeichnet, dass wir ein gutes Umschaltspiel nach vorne hatten. Mittlerweile funktioniert auch das Umschaltspiel nach hinten gut. Wir schalten in beiden Richtungen sehr gut um und arbeiten gut gegen den Ball. Und wir können dann auch die Fehler des Gegners bestrafen. Wir sind immer top auf den Gegner eingestellt, wir können verschiedene Systeme spielen. Der Trainer hat ein sehr gutes Gespür dafür, was in welchen Spielen gefragt ist.

bundesliga.de: Es gibt einige Beispiele von Vereinen, die in der Bundesliga zunächst Außenseiter waren und sich dann etablieren konnten. Man denke nur an Clubs wie Augsburg, Freiburg oder Mainz. Sind das Vorbilder für den SCP?

Hünemeier: Wir wollen uns mit diesen Vereinen noch nicht vergleichen. Sie sind gute Beispiele, die zeigen, dass man auch aus wenig Möglichkeiten viel machen kann. Aber wir schauen in erster Linie auf uns selbst. Wir wollen uns bestmöglich verkaufen. Das haben wir in den ersten Spielen sehr gut gemacht.

bundesliga.de: Was hat sich in Paderborn verändert? Ist das Interesse am Training größer geworden? Wie ist die Stimmung in der Stadt?

Hünemeier: Die Euphorie ist Ende der letzten Saison entstanden. Da haben wir gemerkt, dass die Stadt mitfiebert. Wir wollten das in die neue Saison transportieren. Das ist gelungen. Hinzu kommt dann unser sehr ordentlicher Start. Natürlich ist das mediale Interesse größer geworden, das spüren wir alle. Und wir nehmen es gerne mit, weil es auch ein schöner Nebeneffekt ist. Beim Training läuft alles entspannt und ruhig ab.

bundesliga.de: Sie sind seit letztem Jahr in Paderborn und ein gestandener Profi. Welche Bedeutung hat es für Sie, wieder in der Bundesliga zu spielen?

Hünemeier: Da ist schon ein bisschen ein Traum in Erfüllung gegangen. Wenn man mit 28 Jahren in der 2. Bundesliga spielt, ist es nicht mehr so einfach, nochmal den Sprung nach oben zu schaffen. Ich freue mich, dass ich es geschafft habe und einen wichtigen Beitrag leisten konnte. Jeder träumt davon, einmal in der Bundesliga zu spielen. Ich durfte es schon vor ein paar Jahren in Dortmund. Jetzt freue ich mich auf die nächsten Aufgaben.

bundesliga.de: Ihr Präsident hat vor ein paar Wochen gesagt, dass er mit zehn Punkten auf dem Konto am 5. Spieltag zum FC Bayern fahren will. Für diese Vorgabe müsste die Mannschaft die nächsten beiden Heimspiele gegen Köln und Hannover gewinnen.

Hünemeier: Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Es ist aber nicht unser primäres Ziel, eine Punktevorgabe nach einem bestimmten Spieltag zu erreichen. Wir versuchen, von Spiel zu Spiel zu denken. Das nächste Spiel ist gegen Köln. Da werden wir sehen, ob es zu einem oder drei Punkte reicht. Das Entscheidende ist die Punktzahl am Ende der Saison. Da wollen wir zwischen 35 und 40 Punkten geholt haben. Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Der steht über allem.

bundesliga.de: Sie haben das nächste Spiel gegen den 1. FC Köln angesprochen, der ebenfalls gut gestartet ist. Wie schwer wird die Aufgabe?

Hünemeier: Die Kölner spielen sehr kompakt und haben noch gar kein Gegentor bekommen. Sie haben das sehr gut gemacht. Sie haben auch eine gute Mannschaft mit einigen Bundesliga-erfahrenen Spielern. Auch beim FC zeigt sich, was mit Geschlossenheit auch in der Bundesliga möglich ist. Sie haben verdient vier Punkte eingefahren. Im letzten Jahr haben wir gegen Köln sehr gut ausgesehen, vier Punkte in den beiden Spielen geholt und es ihnen sehr schwer gemacht. So soll das auch wieder nächste Woche sein.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski