Freiburg - Als sich die Freiburger Spieler zu den Feierlichkeiten vor der eigenen Fankurve aufmachten, waren die meisten Schalker Spieler nach dem bitteren 0:2 schon in der Gästekabine verschwunden.

Keeper Ralf Fährmann hatte sein Trikot einem Fan vermacht und gab mit freiem Oberkörper seine Interviews. "Uns haben die klaren Chancen gefehlt", sagte Schalkes Bester. "Das Spiel aus Lissabon war vielleicht noch in unseren Beinen, aber das darf und soll keine Ausrede für die Niederlage sein."

Zuvor war bereits Kapitän Benedikt Höwedes vor die Journalisten getreten. "Von uns muss jetzt eine Reaktion kommen", forderte der Schalker Kapitän. Man habe in der zweiten Hälfte kaum noch klare Offensivaktionen gehabt und sei insgesamt defensiv zu anfällig gewesen. "Wir haben Freiburg den Ball zu oft grundlos in die Füße gespielt."

Schwächen in der Defensive

Tatsächlich waren es vor allem die Schwächen im Abwehrverhalten, die den spielstarken Freiburgern in die Karten spielten. Schon dem 1:0 durch Christian Günter war ein Fehler vorangegangen - Sidney Sam ließ sich vom Torschützen den Ball abluchsen. Im Gegenzug wurden die Freiburger Angriffe zu selten vor der Strafraumgrenze unterbrochen und selbst im Strafraum ließ die Konzentration zuweilen zu wünschen übrig. Vladimir Daridas Flanke zum 2:0 war eigentlich unpräzise, doch Dennis Aogos misslungene Kopfballabwehr war eine gute Vorarbeit zum zweiten Freiburger Treffer durch Jonathan Schmid.

Die defensiven Schwächen könnte man mit etwas Wohlwollen allerdings ebenso als Ausrutscher verbuchen wie die fehlende Durchschlagskraft im Spiel nach vorne. 63 Prozent Ballbesitz hatte Königsblau in Freiburg - aber nicht einmal 20 Prozent der Torchancen, die sich die wesentlich zielstrebigeren Badener erspielten.

Di Matteo bittet um Geduld

Für Hoffnung sorgt vor allem die Tatsache, dass sich die Heimbilanz der Schalker ja durchaus sehen lassen kann: Elf  Zähler holte man dort in den bisherigen fünf Partien, ein Umstand, der nicht nur Höwedes Mut macht. "Dass wir zu Hause noch nicht verloren haben und dort auch starke Spiele gemacht haben", antwortete er auf die Frage, was ihm vor dem schweren Heimspiel gegen Wolfsburg Mut mache. Im Übrigen könne man in der Länderspielpause auch an den Automatismen arbeiten und weitere Defizite aufarbeiten. Ob das eine Anspielung auf den konditionellen Zustand des Teams war?

Besorgniserregend fand es zumindest mancher Beobachter, dass Schalke gegen Ende der Partie erkennbar die Kräfte schwanden. So deutlich wollte das keiner ansprechen, eine Aussage von Roberto Di Matteo konnte man aber durchaus als Hinweis auf die mangelnde Fitness verstehen:

"Ich habe eigentlich gedacht, dass wir in der zweiten Halbzeit so weiterspielen können wie in der ersten", sagte er vieldeutig und kündigte an, dass das Schalker Publikum noch etwas Geduld investieren muss, ehe es von der Mannschaft wieder begeisternde Spiele erwarten kann. "Die Saison war von Anfang an schwierig", sagte er am Samstag. "Wir dürfen uns nicht wundern, wenn wir bis zum Ende der Saison hinterherlaufen."

Aus Freiburg berichtet Christoph Ruf