Hamburg - Frostige Stimmung herrschte zuletzt beim Hamburger SV nach der Auftaktniederlage gegen den 1. FC Köln. Minus-Temperaturen schockten die Spieler auch beim für den Abstiegskampf richtungsweisenden Duell des Erstliga-Dinos beim Bundesliga-Frischling SC Paderborn.

Ersterem wurde dann nach 90 Minuten jedoch warm ums Herz und dies hatte er sinnigerweise ausgerechnet seinem Urgestein zu verdanken. Marcell Jansen war beim 3:0 (1:0) beim SC Paderborn der Mann des Spiels.

"Marcell hat sich das Sonderlob verdient"

Schon nach acht Sekunden wurde Jansen im Strafraum gefoult, den fälligen Elfmeter verwandelte Rafael van der Vaart zum 1:0. Das 2:0 erzielte Jansen in der 72. Minute dann selber. Vor dem 3:0 durch Zoltan Stieber gab er zudem die Flanke auf Artjoms Rudnevs. "Marcell war an allen Situationen beteiligt, die zu unserem Sieg geführt haben. Er hat sich ein Sonderlob verdient", sagte Trainer Joe Zinnbauer.

Seit 2008 trägt Marcell Jansen das Trikot des HSV, so lange wie kein anderer im aktuellen Kader. Der 29-Jährige hat in dieser Zeit elf Trainer und fünf Manager erlebt. Die siebte Saison nun soll nach dem Willen des Clubs wohl die letzte beim HSV sein. Kein Grund für Jansen, sich hängen zu lassen. "Ich habe stets betont, dass ich gerne beim HSV bin. Und deshalb werde ich hier bis zum Schluss auch Gas geben", sagte Jansen.

"Wir haben mit Glück das 1:1 verhindert"

Um zu verhindern, dass sein Name mit dem erstmaligen Hamburger Weg in die 2. Bundesliga verbunden sein wird, ist dies auch von Nöten und gilt natürlich für alle in der Mannschaft. Denn so klar wie das Ergebnis es suggeriert, war der Sieg beim SC Paderborn mitnichten. "Wir haben mit Glück das 1:1 verhindert", räumte Jansen ehrlich ein. Dass er dann mit seinem ersten Treffer seit dem 28. September 2013 und somit nach 493 Tagen das befreiende 2:0 erzielte, tat Jansen dann auch als sekundär ab. "Wer trifft, ist uninteressant. Für uns war dieser Sieg einfach nur mega wichtig. Es ging um immens viel", sagte Jansen.

Und es wird weiter um immens viel gehen. Schon am Samstag im Heimspiel gegen Hannover 96 muss nachgelegt werden. "Es ist zwar ein schönes Gefühl, endlich mal wieder mit einem Sieg die Heimreise antreten zu können. Aber es bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Wir müssen begreifen, dass der Klassenerhalt auch mit dem Sieg in Paderborn von nun an kein Selbstläufer wird", sagte Jansen.

Der HSV hatte in Paderborn auch viel Glück

Eine Warnung mit Berechtigung. Der HSV hatte in Paderborn nicht nur die Gnade des frühen Elfmeters, den van der Vaart als sehr hilfreich bezeichnete, sondern auch trotz verbesserter Gesamtleistung Glück. Glück, dass Jiracek nicht mit gelb-rot bedacht wurde. Glück, dass Paderborn nur die Latte traf sowie kurz darauf keinen Elfmeter zugesprochen bekam. Glück, dass vor dem 2:0 fälschlicherweise auf Eckball entschieden wurde.

"Mit dem zweiten Tor ist viel Last abgefallen. Da sind wir doch sehr erleichtert gewesen, denn die Drucksituation war enorm. Erst nach dem 2:0 haben wir angefangen, Fußball auch zu spielen", sagte Verteidiger Heiko Westermann und erkannte daher mit Blick auf das Spiel am Samstag: "Gegen Hannover müssen wir zulegen." Denn auch in Hamburg ist es für einen Dinosaurier noch unangenehm kalt.

Von Thomas Schulz