Ingolstadt - Beim 0:0 in Ingolstadt zeigen die Neulinge Julian Draxler und Dante unterschiedlich starke Debüts. Trainer Hecking trauert derweil zwei verlorenen Punkten nach und fordert gegen ZSKA Moskau in der Champions League ein höheres Tempo.

Dieter Hecking lächelte ein wenig gezwungen, als ein Journalist seiner Frage Glückwünsche zum 51. Geburtstag voranstellte. Zu gerne hätte der Wolfsburger Coach den 12. September 2015 mit drei Punkten begangen. Doch dazu war nicht nur der forsche Aufsteiger aus Ingolstadt zu stark. Dazu war auch die Leistung des eigenen Teams nicht überzeugend genug. "Wir waren vor allem im ersten Durchgang nicht zwingend, und wenn wir mal vorbei waren, haben wir das Tempo wieder rausgenommen", monierte der Wölfe-Trainer, der trotz der Leistungssteigerung im zweiten Durchgang insgesamt ein strenges Urteil fällte. "Ein Sieg wäre auch nicht unbedingt verdient gewesen."

Draxler "nervös wie beim ersten Bundesligaspiel"

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Ähnlich selbstkritisch wie sein neuer Trainer zeigte sich auch Julian Draxler, der mit seinem ersten Einsatz im Wolfsburger Dress nicht vollauf zufrieden war. "Manchmal hat bei mir der Zug zum Tor gefehlt", monierte der 21-Jährige. "Ich habe gemerkt, dass ich manche Mitspieler, die mit der Nationalelf unterwegs waren, erst seit zwei, drei Tagen kenne."

Ganze zwei Trainingseinheiten hatten Draxler, der vor dem Spiel "nervös wie beim ersten Bundesligaspiel überhaupt" war und der neue Innenverteidiger Dante mit dem kompletten Team bestreiten können, ehe sie in Ingolstadt ins kalte Wasser geworfen wurden. Dass es da noch an Automatismen fehlen muss, merkte man vor allem Draxler an, der kaum riskante Bälle spielte und die ungewohnten offensiven Freiheiten nicht immer optimal nutzte.

Ordentliches, aber ausbaufähiges Debüt

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In der zehnten Minute war es dennoch der ehemalige Schalker, der die erste Chance für die Wölfe hatte, als er Marvin Matip stehen ließ und an FCI-Keeper Ramazan Özcan scheiterte. Und sein Schuss in der 64. Minute, den erneut Özcan gut parierte, war die wohl klarste Torgelegenheit der Wolfsburger. Zwischendurch gab es allerdings auch immer wieder Phasen, in denen Draxler die durchaus vorhandenen Räume energischer hätte nutzen können.

Unterm Strich blieb so ein ordentliches, aber ausbaufähiges Debüt des 15-fachen Nationalspielers, für den Max Kruse zunächst auf der Bank hatte Platz nehmen müssen. Dass Draxler die Zeit bekommen wird, die er zur Akklimatisierung braucht, versicherte Hecking allerdings am Samstag Abend. Es sei schließlich "ganz normal, dass das ein oder andere nicht so sitzt, wenn man seine erstes Spiel für den neuen Verein macht. Dass sie beide nach so kurzer Zeit in der Startelf standen, zeigt ja auch, dass wir ein wahnsinniges Vertrauen in sie haben."

Gutes Debüt von Dante

Gerade einmal 80 Kilometer von der alten Heimat München entfernt zeigte hingegen der zweite Neuling Dante eine gute Leistung als Abwehrorganisator und Ballverteiler. Er habe es "absolut souverän gemacht da hinten", fand auch Hecking. Dass die hellwachen Ingolstädter nicht viele Torchancen herausspielen konnten, lag auch an dem neuen Mann in der Abwehrzentrale.

Zwar gab es noch ein paar kleinere Abstimmungsschwierigkeiten mit seinen Nebenleuten, dennoch leitete er auch immer wieder eigene Angriffe ein. "In den nächsten Wochen geht es Schlag auf Schlag", weiß dann auch Kollege Draxler, der sich auf die Heimpremiere am kommenden Dienstag freut. Zu Gast in der Champions League ist dann ZSKA Moskau.

Christoph Ruf